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Neue Stromleitungen durch MK: Arbeiten für erste Masten gestartet

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Von: Jona Wiechowski

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Bis die neuen Strommasten errichtet werden, wird es noch eine Weile dauern. Die Grundlagen dafür hat Amprion in den vergangenen Wochen und Monaten dafür stellenweise schon geschaffen.
Bis die neuen Strommasten errichtet werden, wird es noch eine Weile dauern. Die Grundlagen dafür hat Amprion in den vergangenen Wochen und Monaten dafür stellenweise schon geschaffen. © Amprion GmbH / Haslauer

Jetzt wird’s konkret: Netzbetreiber Amprion erneuert bekanntlich Stromleitungen auf insgesamt 126 Kilometern zwischen Dortmund-Kruckel und Dauersberg in Rheinland-Pfalz. Der 36 Kilometer lange Abschnitt B führt auch durch den Märkischen Kreis – acht Kilometer liegen auf Nachrodt-Wiblingwerder Gebiet. Der Startschuss für die Arbeiten auf Gemeindegebiet ist längst gefallen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Schon heute hat Amprion zwischen Kruckel und Dauersberg eine Leitung. Dabei handelt es sich um eine 220-Kilovolt-Verbindung, die jetzt weitgehend im vorhandenen Trassenraum durch eine leistungsfähigere 380-Kilovolt-Verbindung ersetzt wird, um den zukünftigen Übertragungsanforderungen gerecht zu werden.

Mit einer Gesamtinbetriebnahme wird in 2026 gerechnet. 22 Neubaumaste werden dafür in der Doppelgemeinde errichtet. Das erklärten Projektleiter Thomas Augustin und Projektsprecherin Mariella Raulf Anfang der Woche im Bauausschuss in der Sekundarschule. Dort stellten sie das Projekt mit einer Präsentation vor.

Rund geht’s am Parkplatz Oevenscheid

Die Bauvorbereitung hat bereits begonnen. Konkret am Werk war Amprion schon rund um den Parkplatz Oevenscheid (Neubaumast Nummer 102-106). Sowohl die Zuwegungen als auch die Arbeitsflächen für die Neubaumaste und die Provisorien wurden laut Raulf bereits hergestellt. „An diesen Standorten werden wir in den nächsten Wochen mit den Mastgründungen beginnen“, erklärte sie im Nachgang der Sitzung auf Nachfrage unserer Zeitung. Im ersten Schritt ist damit die Herstellung der Mastfundamente gemeint.

Ab Juli/August soll dann mit den temporären Zuwegungen und Arbeitsflächen für die 110-Kilovolt- und die 220-Kilovolt-Provisorien begonnen werden, die teilweise ebenfalls über das Gebiet der Doppelgemeinde verlaufen, berichtet Raulf. Die Provisorien – in Nachrodt-Wiblingwerde allein mehrere Kilometer – stellen in der Bauzeit die Stromversorgung sicher.

Provisorium für zwei bis drei Jahre

„Die Errichtung des Provisoriums fängt für uns bereits mit der Herstellung der temporären Zuwegung an“, erklärt Raulf. Essenzielle Voraussetzung dafür sei natürlich, „dass wir uns bis dahin privatrechtlich mit dem jeweiligen Grundstückseigentümer geeinigt haben“. Die Grundstückseigentümer würden über den Beginn der Arbeiten frühzeitig informiert. Nach erfolgreicher Einigung und Herstellung der Zuwegungen beginne Amprion mit der Montage der Unter- und Oberteile des Provisoriums. „Dieser Vorgang dauert circa ein bis zwei Wochen.“ Danach werde mit dem Seilzug fortgefahren. „Das Provisorium hat eine Standzeit von zwei bis drei Jahren.“

Rückblick: Stromleitung Kruckel – Dauersberg

Das Projekt Stromleitungs-Neubau „Kruckel – Dauersberg“ ist in fünf Genehmigungsabschnitte unterteilt, in denen der Bau teilweise schon vor Jahren begonnen hat. Für den Abschnitt B – dessen 36 Kilometer Länge zwischen Iserlohn-Ochsenkopf und Attendorn größtenteils den Märkischen Kreis betreffen – hatte die Bezirksregierung Arnsberg Ende Januar dieses Jahres den Planfeststellungsbeschluss erteilt. Die Planfeststellungsunterlagen für diesen Abschnitt hatte Amprion im Oktober 2018 eingereicht. Im Rahmen dieses Verfahrens hatten Stellungnahmen und Einwendungen sowie Gespräche mit Bürgern, Politik und Verwaltung zu einer Diskussion über den Einsatz einer schmaleren, aber höheren Mastform geführt. Nach einer intensiven Prüfung wurde dieser Wechsel der Mastform von Amprion als umsetzbar bewertet. Die Masten, die jetzt gebaut werden, sind zwischen 60 und 75 Meter hoch. Sie tragen nicht nur sechs Drähte des 380 Kilovolt-Stromkreises, sondern im unteren Bereich teilweise einen 110 Kilovolt-Stromkreis.

Augustin und Raulf, die das komplette Projekt begleiten werden, nannten im Ausschuss Zahlen: Während zwischen Iserlohn und Attendorn 36 Kilometer Leitungen neugebaut werden, werden auf dem gleichen Stück rund 65 Kilometer alte Leitungen demontiert. Auf den acht Kilometern auf Nachrodt-Wiblingwerder Gebiet werden insgesamt 22 Neubaumaste gebaut; auf gut 11,7 Kilometern findet Leitungsdemontage statt.

Deutlich wurde auch: Es wird in den nächsten Jahren nicht an allen betroffenen Stellen im Gemeindegebiet zur gleichen Zeit gebaut. Es sei gut möglich und auch genauso geplant, dass mal ein paar Wochen an einer Stelle etwas passiere, dann längere Zeit nicht. Beispielsweise der Beton für die Fundamente müsse vier Wochen abbinden, so Augustin.

Amprion will offene Kommunikation

Anwohner werden von den Arbeiten etwas mitbekommen. Im Ausschuss sprachen sich die beiden Amprion-Vertreter für eine offene Kommunikation aus; Betroffene etwa wollten sie auf dem Laufenden halten. Müsse wegen der Arbeiten beispielsweise auf einer Straße ein beidseitiges Parkverbot errichtet werden, solle es im Vorfeld Briefe geben, die die Maßnahme erklärten, sodass diese zumindest nachvollziehbar sei. Ferner sollten die Arbeiten so wenig störend wie möglich durchgeführt werden. Dass die Verkehrslage vor Ort durch Schwerlasttransporter weiter verkompliziert wird, könne etwa dadurch entschärft werden, dass diese nicht in Stoßzeiten liefern.

Den aktuell überall um sich schlagenden Materialengpässen sehe Augustin entspannt entgegen. „Wir sind frühzeitig unterwegs und konnten alles vor zwei, drei Jahren organisieren“, erklärte er auf Nachfrage des Ausschussvorsitzenden Gerd Schröder. Etwa der Stahl, der für das Großprojekt gebraucht werde, läge in Rohform schon im Lager.

Die Firma Amprion

Vier Übertragungsnetzbetreiber gibt es in Deutschland – einer davon ist Amprion. Zusammen mit Tennet, 50Hertz Transmission und TransnetBW betreibt das Dortmunder Unternehmen die Infrastruktur der überregionalen Stromnetze im Land. Die Amprion GmbH unterhält nach eigenen Angaben ein gut 11 000 Kilometer langes Höchstspannungsnetz – in einem Gebiet von Niedersachsen bis zu den Alpen. „Unsere Leitungen sind Lebensadern der Gesellschaft: Sie sichern Arbeitsplätze und Lebensqualität von 29 Millionen Menschen“, schreibt die Firma auf ihrer Internetseite. „Wir halten das Netz stabil und sicher – und bereiten den Weg für ein klimaverträgliches Energiesystem, indem wir unser Netz ausbauen.“ Rund 2200 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen.

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