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Neue Schnelltest-Verordnung: Es ist noch ein Kuddel-Muddel

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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In der Lenneapotheke in Nachrodt gibt es seit einem Jahr auch ein Schnelltestzentrum
In der Lenneapotheke in Nachrodt gibt es seit einem Jahr auch ein Schnelltestzentrum © Fischer-Bolz, Susanne

„Wir rennen jetzt nicht wie aufgescheuchte Hühner durch die Gegend, sondern sind ganz gelassen und warten auf die rechtliche Grundlage. Im Moment ist es noch ein Kuddel-Muddel“, sagt Apothekerin Jaqueline Daly zu der am Freitag, 1. Juli, veränderten Corona-Teststrategie, nach der viele Bürgerinnen und Bürger für einen Schnelltest nun selbst zahlen müssen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Seit mehr als einem Jahr betreibt sie ein Testzentrum, das der Apotheke angegliedert ist. Doch bis Donnerstag hatten weder Jaqueline Daly noch Mürsel Ünlü, Chef der Firma Hygienesupport, die Testzentren am Amtshaus und in Wiblingwerde anbietet, eine Verordnung vorliegen. Nur aus der Presse wussten beide Näheres, was aber für eine Umsetzung nicht weiterhilft. „Wir werden wie so oft um fünf Minuten vor Mitternacht informiert“, so Jaqueline Daly und ergänzt: „Beispielsweise wissen wir nicht, ob wir einen Nachweis dafür benötigen, wenn die Oma im Krankenhaus besucht wird.“ Sonst könne ja jeder irgendetwas erzählen. Die Bestimmungen sind also das eine, die Umsetzung das andere. „Es wird gar nichts erklärt. Wir haben null Informationen.“ Und auch die Bürger seien verunsichert, einige wollten am Donnerstag schon bezahlen.

Detektiv spielen

Die Mitarbeiter in Testzentren werden, so sieht es aus, ein wenig zu Detektiven auf der Suche nach der Wahrheit. „Wir bitten um Verständnis, dass wir die Nachweise prüfen müssen, um festzustellen, ob ein Anspruch besteht“, sagt Jörg Lehmann, Vorsitzender der Bezirksgruppe Märkischer Kreis Süd im Apothekerverband Westfalen. Kostenlose Test gibt es weiterhin für Kinder unter fünf Jahren, Schwangere im ersten Schwangerschaftsdrittel, die zum Zeitpunkt der Testung nicht geimpft werden können, Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, Corona-Infizierte, die ihre Isolation beenden wollen, Personen, die einen Bewohner im Pflegeheim oder einen Patienten im Krankenhaus besuchen wollen, Personen, die mit einem Corona-Infizierten in selben Haushalt leben und pflegende Angehörige. Aber wie soll man dies alles beweisen? Das dürfte die Crux werden.

„Ach lass mal stecken“

Drei Euro müssen gezahlt werden, wenn man beispielsweise zu einer Party geht, ein Konzert besuchen möchte oder wenn die Corona-Warn-App anschlägt. Ob sich aufgrund der Kosten nun weniger Menschen testen lassen werden? Jaqueline Daly hält das für möglich, kann sich aber auch vorstellen, dass einige Testzentren dann „Fünfe gerade sein lassen“ und sagen: „Ach lass mal stecken.“ Die Kundschaft würde dann vielleicht abwandern, um die drei Euro nicht zahlen zu müssen.

Zahl der Erkrankten steigt

„Ich hätte mir gewünscht, dass die Leute ‘rausgefischt würden, die unseriös sind. Da gibt es leider immer noch sehr viele auf dem Markt und dem Steuerzahler Unsummen von Geld kosten, abrechnen, was das Zeug hält. An der Stelle müsste mal genauer geguckt werden. Eigentlich müssten ausschließlich seriöse Berufsgruppen testen dürfen“, findet Jaqueline Daly, die definitiv das Testangebot weiterhin aufrecht halten wird. Das scheint auch wichtig, denn die Zahl der Erkrankten steigt. „Wir haben eine unheimliche Ausbeute, teilweise sind ein Drittel von denjenigen, die wir testen, positiv. Das ist schon gewaltig.“

Drei Euro schrecken nicht ab

Da es in Altena keine Testzentren mehr gibt, kommen auch immer mehr Bürger aus der Nachbarstadt nach Nachrodt. Diese Erfahrung macht auch Mürsel Ünlü, der auch dringend auf konkrete Vorgaben vom Gesundheitsamt wartet und am Freitag selbst vor Ort sein will. Ab sofort wird auch Kartenzahlung möglich sein. „Da mache ich mir keine Sorgen“, sagt Mürsel Ünlü. Auch er sagt, dass die Kurve der positiven Fälle steil nach oben geht. Und er glaubt nicht, dass die drei Euro abschrecken werden. „Diejenigen, die in den letzten Monaten gekommen sind, hatten Gründe, und werden eben diese auch weiterhin haben.“ Dem Mehraufwand sieht er gelassen entgegen. „Wir warten auf die Vorgaben, dann ist die Welt in Ordnung.“

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