Neue Exponate für die Heimatstube

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Gerd Nolte mit dem scharfkantigen Bombensplitter und Fotos von den Folgen des Luftangriffs (Foto links). Die Schaufensterpuppe aus den 60er Jahren (rechts) hat vom Heimatverein ein schickes Kleidchen bekommen. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Sie wächst und wächst, die Sammlung des Heimat- und Verkehrsvereins, die in der Heimatstube an der Nachrodter Straße aufbewahrt wird. Aktuell sind drei interessante Exponate hinzugekommen. Neu sind sie selbstverständlich nicht, vielmehr haben alle drei eine recht lange Geschichte:

Es handelt sich um eine Schaufensterpuppe aus den 60er Jahren, ein so genanntes Mustertuch von 1901 – und einen Bombensplitter von 1942.

Die Schaufensterpuppe und das Mustertuch stammen aus dem Hause des früheren Raumausstatters Grennigloh in Einsal. Dort wurde in den 60er Jahren auch Bekleidung angeboten, und eben diese zeigte eine adrette kleine Schaufensterpuppe in den Auslagen. Dass sie nun wieder ein hübsches Nachthemd tragen kann, verdankt sie wiederum den Beständen des Heimatvereins. Das altrosafarbe Hemdchen hatten die Wiblingwerder schon zuvor aus Familienbesitz bekommen.

Das Mustertuch diente einst dazu, die Fertigkeiten im Handarbeiten zu dokumentieren. Zu sehen ist hier, wie sauber Flicken eingesetzt werden oder gestopft wird, wie man Knöpfe annäht und Verzierungen im Kreuz- oder Stilstich anbringt. Das Mustertuch tat seinen Dienst vermutlich im Handarbeitsunterricht. Wem es einmal gehört hat, ist nicht bekannt. Es trägt allerdings die Initialen AF.

Ganz anderen Charakter hat der Bombensplitter: Scharfkantig, 500 Gramm schwer und der vielleicht letzte Zeitzeuge eines alliierten Bombenabwurfes im Zweiten Weltkrieg, der den Bereich um die Goethestraße in Nachrodt traf. Von den Folgen des Angriffs existieren noch etwa 25 Fotos. Im Besitz von Friedrich Petrasch sind Aufzeichnungen des ehemaligen Pastors Eickhoff über den Angriff. Eickhoff hat festgehalten:

„In der Nacht von Freitag, den 10. auf Samstag, den 11. April erlebte Nachrodt den ersten Fliegerangriff. Zunächst fielen Brandbomben in Stenglingsen und auf Teile des in Umbau befindlichen Nachrodter Werkes. Dann wurden oberhalb der Nachrodter Brücke sechs Sprengbomben geworfen. Vom evangelischen Friedhof angefangen, waren diese in gerader Linie bis auf die Straße der SA (Ehrenmalstraße) niedergegangen. Diese hatten zwar kein einziges Haus getroffen, aber fast sämtliche Dächer auf Langenstück und in der Obstfuhr abgedeckt und die Fensterscheiben zertrümmert. Außer einem Mann, der, in seinem Hause durch Bomben-Splitter verwundet, ins Krankenhaus gebracht werden musste, kamen Menschen nicht zu Schaden. Pfarrhaus und Kirche in 200 Meter Entfernung wurden ebenfalls beschädigt, Dachziegel zerstört und fast alle Fenster eingedrückt. Der Schaden wurde mit 2906 Reichsmark vergütet.“

Den Splitter will der Heimat- und Verkehrsverein nun mit einer Erläuterungstafel in den Vitrinen im Obergeschoss der Heimatstube ausstellen. ▪ tk

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