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Netto-Mitarbeiter: Angst vor Übergriffen

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Kippen über Kippen verstopfen den Gully auf dem Netto-Parkplatz.
Kippen über Kippen verstopfen den Gully auf dem Netto-Parkplatz. © Fischer-Bolz, Susanne

Zigarettenkippen verstopfen den Gully. Müll hängt in den Büschen, klebt am Boden: Es sind Bier- und Coladosen, Taschentücher, verdreckte Masken und Plastiktüten. Wohin das Auge blickt. Das ekelige Dilemma gibt es am Rande des Netto-Parkplatzes an der Altenaer Straße. Und noch viel schlimmer: Die Mitarbeiter des Marktes haben Angst vor Übergriffen

Nachrodt-Wiblingwerde – Es ist die Angst vor denjenigen, die aus ihrer Sicht den Dreck verursachen, und die sie deshalb schon mehrfach zur Rede gestellt haben. Es ist augenscheinlich eine Gruppe junger Erwachsener, die den Netto-Parkplatz zum Treffpunkt auserkoren hat. „Unsere Autos wurden schon zerkratzt“, sagt Filialleiterin Annette Brennecke, die weder Lust hat, sich mit den jungen Leuten anzulegen, noch deren Müll wegzuräumen. Und doch tut sie es mit ihren Mitarbeitern fast jeden Morgen. Weil sie sich schämt. Denn sie möchte nicht, dass sich ihre Kunden im Netto-Umfeld unwohl fühlen.

Hausmüll auch entsorgt

Zu allem Überfluss hatten in der Vergangenheit unabhängig von der besagten Gruppe andere Leute ihren Hausmüll im Netto-Container entsorgt. Dieser quoll dann regelmäßig über. Das Problem nahm Überhand, auch die Redaktion bekam immer mal wieder Fotos zugeschickt. Der Container ist nun so versteckt, dass nur Mitarbeiter des Marktes Zugang haben.

Vermieter schaltet sich ein

Doch zurück zum Treffpunkt der jungen Leute. Die Polizei ist eingeschaltet. Das Ordnungsamt auch. Und es hat sich Maximilian Hell zu Wort gemeldet. „Ich schreibe im Namen der Besitzgesellschaften des Netto-Marktes und des ehemaligen MPU-Gebäudes an der Altenaer Straße 49 bis 55, vielen auch als Obstfeld bekannt. Leider häuft sich die Menge an Vandalismus, Vermüllung und mittlerweile leider auch Fäkalien rund um den Parkplatz vor beiden Gebäuden, aber auch im hinteren Bereich zu den Lenneauen. Trotz hochgefahrener Reinigung durch die Firma Vogel oder auch kleinerer Reparaturen durch uns, sehen wir uns gezwungen, weitere Maßnahmen einzuleiten. Wir haben bereits einige Kennzeichen notiert und werden in Zukunft die kleinsten Verstöße notieren und direkt zur Anzeige bringen.“

„Bitte mit Sinn und Verstand“

Maximilian Hell findet es wenig lustig, was dort passiert. „Die jungen Leute benehmen sich sehr daneben. Es sind immer die gleichen, von fünf bis ungefähr 20, die dort sind“, sagt der Praedata-Geschäftsführer und Vermieter des Netto-Gebäudes. Von der Eskalation dort hat er erst vor Kurzem erfahren, aber augenscheinlich ist es kein neues Problem. Die Polizei, so erzählt er, wird in Zukunft dort deutlich mehr Präsenz zeigen. Der Platz diene ganz Nachrodt-Wiblingwerde. „Wir haben kein Problem damit, wenn sich Leute da treffen und ihre Zeit verbringen. Deshalb gibt es auch keine Schranken. Aber dann doch bitte mit Sinn und Verstand“, sagt Maximilian Hell und spricht gar von gefundenen Fäkalien. Er appelliert an die Verursacher: „Nehmt Euren Müll mit und nehmt Rücksicht auf alle anderen Personen. Sonst müssen wir den Parkplatz außerhalb der Öffnungszeiten schließen. Irgendjemand muss das auch entfernen und es gibt mit Sicherheit schönere Aufgaben.“

Am Rande des Netto-Parkplatzes: Jede Menge Müll, achtlos weggeworfen, hängt in den Büschen, klebt an der Absperrung.
Am Rande des Netto-Parkplatzes: Jede Menge Müll, achtlos weggeworfen, hängt in den Büschen, klebt an der Absperrung. © Fischer-Bolz, Susanne

Annette Brennecke ist froh, dass sich Maximilian Hell als Vermieter eingeschaltet hat. „Dafür bin ich wirklich dankbar“, sagt die Netto-Filialleiterin und erzählt, dass die jungen Leute nicht nur abends nach Geschäftsschluss, sondern oft schon Nachmittags vor Ort sind. „Wir fühlen uns bedroht und haben Angst, etwas zu sagen. Wenn sie schon an die Autos gehen, weiß man nicht, was sie sonst noch machen würden. Also halten wir uns jetzt raus. Ich möchte nicht, dass Mitarbeiter in Gefahr sind. Lieber keinen Ärger haben“, findet sie.

„Alles liegt daneben“

Morgens, wenn sie zur Arbeit kommt, „ist alles versaut. Und wenn es geregnet hat, liegt der Müll auch im Eingang und auf der Fensterbank“. Dann wird erst einmal sauber gemacht. Mülleimer sind vorhanden. Theoretisch könnte man dort den Müll einwerfen. „Aber alles liegt daneben. Es ist unmöglich“, sagt Annette Brennecke.

Polizei weiß nur von Lärm und Müll

Dass sich Netto-Mitarbeiter bedroht fühlen und Autos zerkratzt wurden, wusste die Polizei bis jetzt nicht. Nur der Müll und der Lärm war den Beamten bekannt. Der erste Einsatz der Polizei war im März vergangenen Jahres. Im Bereich der alten Firma am Rande des Netto-Parkplatzes hatten sich nachmittags junge Leute „mit mehr oder weniger aufgemotzten Fahrzeugen getroffen und die Motoren aufjohlen lassen. Unser Bezirksbeamter hat mit den jungen Leuten gesprochen. Sie zeigten sich zugänglich. Danach war alles wieder leise“, sagt Polizeisprecher Christof Hüls. Es sei damals nur um Lärm gegangen. In dieser Woche gab es eine Anzeige des Ordnungsamtes wegen der Müllproblematik vor Ort. „Es handelt es sich wohl um eine Clique, die sich dort trifft“, sagt Christof Hüls.

Netto hat das Hausrecht

Der Bezirksbeamte würde sich nun erneut auf den Weg machen, um mit den jungen Leuten zu sprechen. „Müll weggeworfen hat immer jemand anderes. Es ist schwierig, das an jemanden festzumachen. Es gibt keine Allgemeinhaftung, wenn man neben einem Müllhaufen steht“, erklärt Christof Hüls. Dass auch Müll Richtung Lenne geworfen werde, könne man nicht automatisch auf die Clique abwälzen. Das Hausrecht habe der Netto-Markt. Wenn jemand auf einer Privatfläche feiere, müsse man jemanden haben, der sagt, dass er das nicht wolle. Von der Einschüchterung der Netto-Mitarbeiter erfuhr Christof Hüls durch die Redaktion.

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