Naturschutzbeirat zur geplanten FNP-Änderung

Die Sorge um die Kraniche

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Wird der Kranichzug durch den Bau von Windenergieanlagen beeinträchtigt?

Nachrodt-Wiblingwerde - „Unzureichend“ – so urteilt der Naturschutzbeirat über die Artenschutzprüfung zur geplanten 22. Änderung des Flächennutzungsplanes (FNP). Bereits seit längerem beschäftigt das Thema die Gemeinde und ihre Bewohner.

Nun befasste sich zum inzwischen zweiten Mal der Naturschutzbeirat mit dem Thema. Und äußerte erhebliche Bedenken zur bisherigen Artenschutzprüfung. 

Während der Sitzung des Beirates bei der Unteren Naturschutzbehörde stellte Maik Palmer, Mitarbeiter des Planungsbüros Ökoplan, den bisherige Arbeitsprozess zur geplanten 22. Änderung des Flächennutzungsplanes vor. Auch eine Gemeinde-Delegation rund um Bürgermeisterin Birgit Tupat war dazu anwesend. 

Eine Datenabfrage fehlt

Besonders beim Thema Artenschutz wurden die Beirats-Mitglieder hellhörig – schließlich fehlte nach Palmers Auskunft noch eine weitere Datenabfrage. 

Vorsitzender Fritz Schröder betonte, er habe in der Präsentation vor allem Angaben zu den Auswirkungen auf den Kranichzug vermisst. Immerhin sei das Sauerland die erste Gebirgskette auf ihrem Weg in den Süden – und somit ein wichtiger Rückzugsort. 

Silke Hingmann, Ökoplan-Mitarbeiterin und Expertin für die Bereiche Artenschutz, sowie faunistische Erfassungen, erklärte: „Die Schneise des Kranichzugs reicht vom Westen bis in den Osten des Ruhrgebiets.“ Dies sei ein zu großes Gebiet. Außerdem würden Kraniche nach bisherigem Kenntnisstand hoch genug fliegen, um nicht von Windrädern erfasst zu werden. 

Arbeitsgruppe besichtigt betroffenes Gebiet

Dem Beirat genügte dies jedoch nicht. Einstimmig entschied sich das Gremium dazu, in einer Arbeitsgruppe „das betroffene Gebiet zu besichtigen“, was dann auch geschah. 

In einer Stellungnahme teilte der Beirat am 19. September der Kreisverwaltung die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe mit. Zum Thema Kranichzug heißt es dort: „... die zu erwartenden / zu befürchtenden erheblichen Beeinträchtigungen sind im weiteren Verfahren als abwägungsrelevanter Belang zu beachten.“ In den vorliegenden Unterlagen sei dieser Belang „nur unzureichend beurteilt und gewürdigt worden.“ 

Im Konsens mit der Gemeinde

Die Festsetzung von Vorrangzonen für die Windenergieanlagen (WEA) sei außerdem im Konsens mit der Gemeinde-Bevölkerung und dem Gemeinderat zu führen. Dabei sollten vor allem die zahlreichen „erheblichen Bedenken aus der Bevölkerung“ berücksichtigt werden (das AK berichtete). 

Außerdem wies die Arbeitsgruppe daraufhin, dass die geplante Vorrangzone im Bereich der Landschaftsschutzverordnung liegt. „Damit besteht zunächst ein grundsätzliches Bauverbot“. Um trotzdem einen Bau von WEA zu ermöglichen, müsse in "einem gesonderten Verfahren" die Landschaftsschutzgebiets-Verordnung aufgehoben werden.

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