Grundschullehrerin erzählt über besondere Situation

Nähe trotz Distanzunterricht

Grundschullehrerin Nadja Mittelbach im Homeoffice. Sie spricht von einer belastenden Situation.
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Grundschullehrerin Nadja Mittelbach im Homeoffice. Sie spricht von einer belastenden Situation.

Nähe trotz Distanzunterricht. Ist das möglich? Und wie sollen Grundschüler das Einmaleins lernen, wenn ihre Lehrerin Nadja Mittelbach zu Hause an ihrem Schreibtisch sitzt? Und sich dort die Haare rauft.

Nachrodt-Wiblingwerde – Lehrer sind Helden. Ganz besonders in den Augen der Grundschulkinder. Viele lernen gern für die geliebte Lehrerin oder den geliebten Lehrer, sie sind noch zu begeistern, sind wissensdurstig und freuen sich über Anerkennung. Im Distanzunterricht liegt das oft brach. Die Lehrerin weit weg, die Freunde auch und Mama oder Papa versuchen, pädagogisch in die Bresche zu springen. Das kann klappen. Oder auch nicht.

Eine belastende Situation

Während die Zweitklässler aus Wiblingwerde zu Hause und einige auch in der Notbetreuung lernen, rauft sich ihre Klassenlehrerin Nadja Mittelbach zu Hause die Haare. „Es ist wirklich eine belastende Situation“, erzählt sie und versucht nach allen Kräften, die Nähe zu ihren Schülern trotz Distanz zu halten.

Lern- und Erklärvideos

Im Moment werden zum Beispiel Satzarten wiederholt: der Frage-, Aussage- und Ausrufesatz. Und es gibt Übungen für das kleine Einmaleins. Dazu nutzen die Kinder der Klasse 2c – wie auch die anderen Schüler – die Plattform Padlet. „Das Schöne daran ist, dass man auch Lern- und Erklärvideos daraufstellen kann“, ist Nadja Mittelbach ganz zufrieden mit der digitalen „Pinnwand“, an die man Informationen in jeder erdenklichen Form heften kann. Und auch das Klassenmaskottchen „Susi“, das im vergangenen Jahr auch einen Mundschutz bekommen hat, ist auf Padlet zu sehen. Ebenso gibt es Tipps für das Lernen zu Hause.

Tablets noch nicht einsatzbereit

Die heiß ersehnten Tablets sind noch nicht einsatzbereit, aber den Kindern steht in den allermeisten Fällen ein Endgerät zur Verfügung. „Zwei Familien berichten aber davon, dass das Internet nicht gut funktioniert“, sagt Nadja Mittelbach.

Die Zweitklässler bekommen einen Wochenplan und es gibt eine Wintermappe mit Arbeitsblättern zur Wiederholung. Dabei ist die große Herausforderung zu erkennen, was die Kinder in welchem Zeitraum schaffen können. Und das ist ganz individuell. Deshalb gibt es Zeitangaben zur Orientierung. „Im Unterricht kann man da flexibler reagieren“, sagt die Klassenlehrerin, die sich viele Gedanken um eine gute Lernsituation macht. Für die Grundschüler, die gerade ihre Schullaufbahn begonnen haben, ist das digitale Lernen fremd, sie lernen das eigentliche Lernen gerade erst in der Schule.

Enges Miteinander mit den Eltern

Nadja Mittelbach ist auf die Rückmeldungen der Eltern und auf ein enges Miteinander angewiesen. „Man muss auch die Belastung für die Kinder im Blick haben und nicht nur daran denken, dass die Aufgaben und der Unterrichtsstoff erledigt werden“, sagt die 43-Jährige, die selbst Mama von drei Kindern ist. Nach einem gemeinsamen Frühstück verschwinden alle um 8 Uhr in ihr Homeschooling. Strukturen sind das A und O. Nadja Mittelbachs Tochter ist in der Klasse acht, der 17-jährige Sohn in der Klasse 10, und der 18-Jährige macht eine Ausbildung. Alle arbeiten und lernen sehr selbstständig.

Rucki-Zucki

Davon sind die Grundschüler von Nadja Mittelbach noch weit entfernt. „Es gibt Kinder, die machen ihre Aufgaben allein und rucki-zucki, andere weigern sich, weil es etwas ganz anderes ist, ob der Lehrer etwas sagt oder der Papa“, weiß Nadja Mittelbach. Sie möchte den Kindern und Eltern den Druck nehmen. „Lernen darf keine Qual werden.“ Die häusliche Situation sollte für alle eher entspannt sein, „sonst verlieren die Kinder die Lernfreude.“ Dass das gut klappt, beruhigt die Lehrerin. „Tolle Kinder, tolle Elternschaft in der Bienenklasse“, schwärmt sie. Dass man mit dem Stoff aufgrund des Distanzunterrichts, der im vergangenen Jahr schon erprobt werden musste, hinterher hängt, kann sie nicht bestätigen. „Da bin ich schon sehr stolz“, sagt Nadja Mittelbach.

Arbeitsblätter in den Karton

Am Ende jeder Woche bringen die Kinder ihre Arbeitsblätter zur Schule, wo ein Karton bereitsteht. Nadja Mittelbach schaut sich die Arbeiten dann an und schickt eine Rückmeldung an jedes Kind. Gern wird auch mal telefoniert. Denn es kommt vor, dass die Kinder einfach mal die Stimme der Lehrerin hören wollen. Sie selbst tauscht sich besonders mit den Jahrgangskollegen aus. „Man muss sich ja absprechen. Was machen wir, wie strukturieren wir es. Man hat keine Pause im Kopf“, gibt die Klassenlehrerin zu. Und sie bittet alle Eltern, keine Scheu zu haben, sich zu melden.

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