Nächtliche Odyssee für Rettungskräfte und Polizei

Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei erreichten die Unfallstelle erst nach einer Irrfahrt durch die Doppelgemeinde.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ „Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person auf der Nachrodter Straße“ – das war die Meldung, die in der Nacht zu gestern bei der Kreisleitstelle der Feuerwehr einging. Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei rückten unverzüglich mit insgesamt acht Fahrzeugen aus. Das Problem war nur: Der Unfall war gar nicht auf der Nachrodter Straße in Wiblingwerde, sondern in der Löbbecke-Kure in Nachrodt passiert.

„Wir standen dann alle vor der Kirche in Wiblingwerde und haben verzweifelt nach der Unfallstelle gesucht“, beschrieb Gemeindebrandinspektor Michael Kling am Mittwoch die Situation. Auf seine Initiative habe die Kreisleitstelle dann noch einmal Kontakt zu dem Anrufer aufgenommen, der den Unfall gegen 0.10 Uhr gemeldet hatte. Dabei habe sich dann herausgestellt, dass der tatsächlich in der Aufregung, möglicherweise auch durch mangelnde Ortskenntnisse, falsche Angaben gemacht hatte.

Als sich dann gesamte Konvoi von Wiblingwerde aus auf den Weg nach Nachrodt machte, wussten weder Rettungskräfte noch Polizei, dass der Autofahrer bei dem Unfall nicht wirklich eingeklemmt war. Das stellte sich erst heraus, nachdem Kling das am Feuerwehrgerätehaus in Nachrodt verbliebene Einsatzfahrzeug zur Unfallstelle beordert hatte, von wo die Feuerwehrmänner dann zumindest teilweise Entwarnung geben konnten.

Wie sich herausstellte, hatte ein 23-jähriger Autofahrer mit seinem blauen Mitsubishi die Hagener Straße in Richtung Altena befahren, als er kurz nach Mitternacht in der Löbbecke-Kurve auf der rechten Seite von der Fahrbahn abkam. Daraufhin drehte er sich mit seinem Wagen und prallte gegen einen Begrenzungspfosten sowie anschließend gegen eine Grundstücksmauer. Das Auto hatte danach nur noch Schrottwert.

Als die Rettungskräfte endlich an der Unfallstelle eingetroffen waren, wurde der zum Glück nur leicht verletzte Fahrer zunächst vor Ort versorgt und dann zur ambulanten Behandlung ins Altenaer St. Vinzenz-Krankenhaus gebracht.

Die B236 musste auf Grund der Rettungsarbeiten auf Höhe des Hauses Nachrodt für eine Stunde komplett gesperrt werden. Nach einer Stunde konnten die 20 Einsatzkräfte, die wegen des erwarteten Unfallszenarios ausgerückt waren, das Feld wieder räumen. „Dass so viele Rettungskräfte im Einsatz waren, liegt daran, dass in der Alarm- und Ausrückeordnung festgelegt wurde, dass bei einem Unfall mit eingeklemmten Personen grundsätzlich zwei Fahrzeuge mit separaten hydraulischen Rettungssätzen, Spreizer und Schere, entsandt werden, um bei schwierigen Rettungsarbeiten schnell und umfassend zu helfen, erläuterte Gemeindebrandmeister Kling. Darüber hinaus seien Fahrzeuge eingesetzt worden, die Spezialgeräte wie eine Rettungsbühne für Unfälle mit LKW an Bord haben, die den Brandschutz während der Arbeiten sicherstellen und auslaufende Flüssigkeiten aufnehmen.

Der Einsatz habe aber auch wieder gezeigt, wie wichtig es ist, den Unfallort genau anzugeben, betonte Kling: „Gerade bei eingeklemmten Personen geht es um Minuten.“ Dies war nicht der erste Fall, in dem die Feuerwehr fehlgeleitet worden ist. Am 30. Oktober war sie mit sieben Fahrzeugen und 30 Einsatzkräfte zu einem Brand auf dem „Ahorn“ ausgerückt, tatsächlich war aber auf dem Hof Waldemey ein Stapel Holz in Brand geraten. „Zum Teil ist das die Nervosität der Anrufer, zum Teil auch mangelnde Ortskenntnis, sagte Gemeindebrandinspektor Kling zu diesen Fällen. „Leider hat das in den letzten Jahren zugenommen.“ Kling führt das unter anderem darauf zurück, dass auch Ortsfremde inzwischen immer öfter die Feuerwehr per Handy alarmieren. ▪ vg

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare