Nachrodts letzter Malerbetrieb wird 50 Jahre alt

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Der Malerbetrieb Kramors feiert das 50-jährige Bestehen (v.l.): Auszubildende Jana Graske, Firmenchef Gunnar Kramors mit seiner Verlobten Karin Döring, Seniorenchefin Ingrid Kramors und Firmengründer Norbert Kramors. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Nein, den Schritt in die Selbstständigkeit habe er nie bereut, beteuert Norbert Kramors. 50 Jahre ist es jetzt her, dass der heute 78-jährige Nachrodter sein Malergeschäft eröffnet hat. Inzwischen leitet sein Sohn Gunnar die Geschicke.

„Ich wollte etwas Eigenes aufbauen, und das war eine gute Zeit“, erinnert sich Norbert Kramors, der zuvor als Malermeister in einem großen Iserlohner Betrieb gearbeitet hatte, gerne an die ersten Jahre nach der Firmengründung. Das Geschäft brummte in dieser Zeit, viele seiner Kunden hatte Kramors in Iserlohn. Zeitweise konnte er zwei Gesellen beschäftigen. Und während Norbert Kramors die Malerarbeiten vor Ort erledigte, kümmerte sich seine Ehefrau Ingrid um die Büroarbeiten, schrieb Angebote und Rechnungen.

1979 stieg dann der gemeinsame Sohn Gunnar in das Unternehmen ein. Im elterlichen Betrieb absolvierte er seine Ausbildung, erwarb später auch seinen Meisterbrief. „Mit 24 Jahren war ich damals der jüngste Malermeister im ganzen Kreis“, erinnert sich der Junior stolz. Irgendwie war auch immer klar, dass er irgendwann den Betrieb des Vaters übernehmen würde. „Ich bin aber nie dazu gezwungen worden, sondern hab es gemacht, weil mir die Arbeit Spaß gemacht hat“, betont der 47-Jährige, der schließlich 1999 das Ruder übernahm.

So viel goldenen Boden wie zu seines Vaters Zeiten hat sein Handwerk heute allerdings nicht mehr. Die Zeiten haben sich geändert, seit es Baumärkte gibt und die Menschen immer mehr Arbeiten selbst erledigen. Heute rufen fast nur noch die den Maler, die etwas Exklusives haben wollen. Das wirkt sich auf die Auftragslage aus. „Wir waren damals der zehnte Malerbetrieb in Nachrodt – heute sind wir der einzige“, sagt Senior Kramors, der im Laufe der Jahre auch viele junge Leute ausgebildet hat. Sein Sohn Gunnar beschäftigt heute mit Jana Graske auch eine Auszubildende, während seine Verlobte Karin Döring sich um den „Schriftkram“ kümmert. Zumindest das ist fast so, wie es früher war im Malerbetrieb Kramors.

Ansonsten hat sich aber vieles geändert. „Das Berufsbild ist komplexer, der Beruf ist vielseitiger geworden“, hat Gunnar Kramors erkannt. Mit Tapezieren und Anstreichen ist es für den Maler heute längst nicht mehr getan. Die Wärmedämmung von Gebäuden, Parkett- und Laminatverlegen, Verglasungen und Beschriftungen sind hinzugekommen.

Über einen Mangel an Arbeit kann sich Gunnar Kramors nicht beklagen. „Wir haben im Umkreis von 30 bis 40 Kilometern eine große Stammkundschaft“, erklärt er. Und auch in dieser Beziehung ist ihm der Vater ein Vorbild: „Ich will gar nicht zu sehr expandieren. Das bringt meistens nichts“, sagt Gunnar Kramors. Das hat schon Vater Norbert so gehalten – und ist damit nach eigener Einschätzung gut gefahren. Vielleicht könnte das Unternehmen ansonsten auch jetzt nicht das 50-jährige Bestehen feiern. ▪ vg

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