Von Gleichmacherei und religiöser Vielfalt

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Der Nachrodter Theologo Dr. Reinhard Kirste hat beim 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg an der Vorbereitung der Podiumsreihe zum Thema religiöse Vielfalt mitgearbeitet.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Frisch zurückgekehrt vom Evangelischen Kirchentag in Hamburg ist. Dr. Reinhard Kirste. Der Theologe und Herbergsvater der Arbeitsstelle für interreligiösen Dialog hat an der Vorbereitung der Podiumsreihe zum Thema religiöse Vielfalt mitgewirkt.

An drei Nachmittagen hießen Kirste und seine Kollegen aus dem Arbeitskreis Vertreter aus Hinduismus, Judentum, Islam, Buddhismus und Christentum auf dem Podium im Kongresszentrum willkommen. Gelauscht haben den Worten der Gesprächpartner bis zu 3000 Zuhörer.

Es waren nicht nur Promis wie Margot Käßmann, die die Menschen beim Kirchentag aufhorchen ließen, sondern Menschen wie der Bonner Jurist und Hindu Thamil Venthan Ananthavinayagan. Oder die buddhistische Nonne Dr. Carola Roloff, die gleichzeitig Tibetologin ist. Spielte dazu die jüdische Kantorin Avitall Gerstetter auf, war dem Podium eine besondere Atmosphäre gegeben.

Durchaus sorgten die interreligiösen Veranstaltungen auch für Kontroverse. „Es gibt Menschen, die Angst vor Gleichmacherei haben“, erklärt Dr. Reinhard Kirste. „Sie fragen, wo ihre Religion bleibt, wenn alle Katzen eines Tages grau sein sollten.“ Das allerdings sei nie Ziel des interreligiösen Dialogs gewesen. Über Zustimmung und Kritik bekam Kirste als einer der „Anwälte des Publikums“ direktes Feedback. Die Pfadfinder nahmen beim Kirchentag jede Wortmeldung auf, indem sie mit Stift und Papier durchs Publikum streiften und die Ideen der Zuhörer einsammelten. Live wurden die Statements sortiert, ausgewertet und in den Computer getippt. Per Beamer wurde die Meinung des Publikums dann auf Großleinwand wiedergegeben. So konnten die Gesprächspartner im Podium direkt auf Fragen und Meinungen eingehen.

Es waren meistens Menschen mittleren Alters von 25 bis 55 Jahren, die das Hamburger Kongresszentrum während der Podiumsdiskussionen aufsuchten. Zum einen engagierte Gläubige, die Impulse für die eigene Gemeindearbeit suchten, andere kamen aus reinem Interesse an den Vorträgen der Gesprächspartner im Podium. Auch kritische Geister waren beim Kirchentag willkommen. So lange niemand hetzt, ist er gern gesehen. „Auch das ist Kirchentag: Sowohl der Atheist bekommt eine Stimme, wie auch der evangelikale Fundamentalist. Niemand wird in eine Richtung gedrängt“, erklärt Dr. Reinhard Kirste.

Es gibt viele Ansätze, Religionen und die mit ihnen verbundenen Kulturen kennen zu lernen. Der Samstag, der unter dem Motto „Einigkeit und Recht und Vielfalt“ im Kongresszentrum stand, war unter anderem von der saftigen Sprache von Idil Baydar beeinflusst. Die deutsche Schauspielerin, Tochter türkischer Einwanderer, ist in ihrer Rolle als Jilet Ayse ein You-Tube-Star. Sie fand gute Worte zum Thema Dimensionen religiöser Pluralität. Mit ihr im Podium: Die taz-Bloggerin Kübra Gümüsay und Dr. Sergey Logadinsky, Vorsitzender des Kulturausschusses der jüdischen Gemeinde in Berlin. Der Freitag im Podium unter dem Thema „Wie viel Glaube darf‘s denn sein?“ hatte bereits eindrucksvoll in das Thema Kommunikation eingeführt. Spirituelles Leben und Erziehung sind prägende Fragen für Familien. Impulse gab hier unter anderem die evangelische Theologin Margot Käßmann, früher Landesbischöfin von Hannover und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Vorm Kongress gab‘s die Möglichkeit, auf dem roten Sofa des NDR mit Dr. Eckhard von Hirschausen und Bettina Tietjen zu schäkern. Dr. Reinhard Kirste hatte in seiner Rolle als Mitwirkender zwar nicht allzu viel Zeit, das weitläufige Kirchentagsareal zu durchstreifen, war vom Angebot aber durchaus beeindruckt. „Auch die Gartenschau hatte Themen des Kirchentags aufgegriffen. Die Wise Guys haben gespielt. Es war sehr beeindruckend, was Hamburg da auf die Beine gestellt hat.“

Erkennen konnten sich Kirchentagsbesucher am blauen Schal mit der weißen Aufschrift „Soviel Du brauchst“. Auch Dr. Reinhard Kirste hat seinen mit heimgenommen. Auch mit jahrzehntelanger Kirchentagserfahrung kommt der Nachrodter Theologe immer wieder mit neuen Impulsen von einer Veranstaltung zurück. Er rät jedem, einmal hinzufahren. „Egal, ob gläubig oder nicht: Jeder kann beim Kirchentag etwas für sich finden“, sagt Kirste. ▪ Ina Hornemann

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