56-jähriger Mann aus Nachrodt muss hinter Gitter

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Weil er sich im Auftrag eines 72-jährigen Kölners an der Planung einer Entführung und eines Mordes beteiligte, muss ein 56-jähriger Angeklagter aus Nachrodt-Wiblingwerde für drei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis.

Der Anstifter zu der Tat, der die Geliebte seines verheirateten Sohnes beseitigen lassen wollte, und ein weiterer Mittäter müssen für drei Jahre und sechs Monate in Haft. Alle drei Angeklagten hätten sich des Versuchs der Anstiftung zum Mord schuldig gemacht, urteilte die Schwurgerichtskammer des Wuppertaler Landgerichts, das den vier Angeklagten im Gegenzug für ein Geständnis einen Straferlass in Aussicht gestellt hatte. Weil der vierte Angeklagte eine entsprechende Erklärung noch nicht abgab, wurde das Verfahren gegen ihn abgetrennt. Gegen ihn wird nun gesondert weiterverhandelt.

Als besonders „verachtenswert“ wertete das Gericht den Umstand, dass die Täter das Leben der Geliebten des Sohnes als „geringwertig“ ansahen. Zuvor hatte der Staatsanwalt die Tat in seinem Plädoyer als Anstiftung zur Geiselnahme und zum Mord gewertet. In der Person des Hauptangeklagten liege das Mordmerkmal „niedriger Beweggrund“ vor, „da es sich um eine besonders verachtenswerte Einstellung handele“. Kulturelle Besonderheiten hätten keine Rolle zu spielen. Die Verteidiger verwiesen darauf, dass den Opfern der Pläne glücklicherweise nichts passiert sei.

Auf die Schliche gekommen waren die Ermittler dem Mordkomplott nur durch einen Zufall. Bei einer umfangreichen Telefonüberwachung, die wegen ganz anderer Straftaten angeordnet worden war, ging es plötzlich um die geplante Entführung eines Kölners, der seine Frau und seine Kinder verlassen hatte, um bei seiner Geliebten in Venlo zu leben. Sein Vater akzeptierte diesen Schritt nicht und plante mit den Helfern, die zumindest teilweise der Kampforganisation „Graue Wölfe“ angehören, zunächst eine Entführung seines Sohnes. Durch eine „Abreibung“ sollte dieser veranlasst werden, zu seiner Familie zurückzukehren. Zwei Versuche der Täter, den Familienvater zu erwischen, schlugen allerdings fehl. Daraufhin entwickelten die selbsternannten Rächer im Namen der Familienehre ein anderes Szenario: Sie planten die Tötung der Geliebten des vierfachen Familienvaters.

Weil der 72-jährige Hauptangeklagte im Laufe der Planungen den Eindruck hatte, dass er abgehört werde, kam seinem Cousin, dem 56-jährigen Angeklagten aus Nachrodt, eine besondere Rolle zu: Er betätigte sich als Kommunikator und hielt die Planungsfäden in der Hand. Doch auch bei ihm hörten die Ermittler bereits mit.

Nach der Verkündung des Urteils setzte die Kammer die abgeurteilten Angeklagten auf freien Fuß. Die Art und Weise, wie sie durch Familienangehörige begeistert empfangen wurden, verhieß nichts Gutes über den Denkprozess, der durch das Gerichtsverfahren bei ihnen hätte in Gang kommen sollen. - thk

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