Nachrodter Hausärzte zu Impfzentrum und Corona-Patienten

„Alle wollen sich impfen lassen“

Der Nachrodter Hausarzt Matthias Hartig mit seinem Team: An der Belastungsgrenze angekommen
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Der Nachrodter Hausarzt Matthias Hartig mit seinem Team: An der Belastungsgrenze angekommen

„Alle wollen sich impfen lassen“. Da sind sich die Nachrodter Hausärzte Matthias Hartig und Abdussalam Issa sehr einig. Im Impfzentrum selbst können die Ärzte und ihre Teams aber nicht mithelfen. „Wir sind bis zum Anschlag ausgelastet“, sagt Matthias Hartig, der auch Hausbesuche bei Corona-Patienten macht.

Nachrodt-Wiblingwerde – Jetzt könnte es ganz schnell gehen. Das Impfzentrum des Märkischen Kreises soll nach Plänen der Landesregierung und des Gesundheitsministeriums noch vor Weihnachten den Betrieb aufnehmen. Offizielle Infos dazu gibt es zwar noch nicht, aber allerorts gibt es kaum ein anderes Thema mehr. Wer koordiniert? Wer hilft vor Ort?

Überweisungen

Im Moment sind die Hausärzte beim Thema außen vor. „Aber nur die Hausärzte wissen, wer Risikopatient ist“, sagt Matthias Hartig. Der Allgemeinmedizin spricht sich dafür aus, dass die Hausärzte die Überweisungen zum Impfen ausstellen. Seine Patienten äußern die Hoffnung, dass die Impfungen eine Wende zum Guten bringen und das eingeschränkte Leben bald der Vergangenheit angehört. Abdussalam Issa, ebenfalls Hausarzt in Nachrodt, sieht Impf-Überweisungen dagegen kritisch. „Das wäre eine große Extra-Belastung für uns.“

„Wir sind angeschrieben worden“

Den Aufbau der Impfzentren selbst finden Matthias Hartig und Abdussalam Issa gut. Mithelfen vor Ort sei aber für die Teams beider Nachrodter Praxen schwierig. Während an der Kirchstraße 7 noch niemand angefragt hat, sagt Matthias Hartig: „Wir sind angeschrieben worden, ob wir die Möglichkeit haben, uns zu beteiligen. Aber das wird nicht gehen. Wir sind bis zum Anschlag ausgelastet.“ Das gilt für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Nachrodter Praxis.

Abdussalam Issa, Hausarzt in Nachrodt

Die Covid-Erkrankungen, lange Zeit in der Doppelgemeinde wenig verbreitet, sind längst so dramatisch wie allerorts. Täglich werden in der Praxis von Matthias Hartig zehn bis 15 Abstriche gemacht. Zwei bis drei davon sind in der Regel positiv. Zwei Fälle hat Matthias Hartig im Moment mit einem schweren Verlauf – einer liegt im Krankenhaus, einer ist zu Hause. Der Hausarzt macht auch Hausbesuche bei den Covid-Patienten, obwohl er selbst zur Risikogruppe gehört. „Mit Schutzanzug und FFP 2-Masken natürlich. Wenn man sich gut verhält und aufpasst, geht das. Toi, toi, toi“, sagt der Allgemeinmediziner. Eine Mitarbeiterin hat es allerdings erwischt. „Mit Symptomen, aber ohne schlimmen Verlauf“, sagt Matthias Hartig.

Diagnose manchmal überraschend

Abdussalam Issa testete in diesem Quartal elf Patienten positiv auf das Virus. Nicht täglich, aber sehr häufig werden Abstriche gemacht. Und bei manchen Patienten ist die Diagnose überraschend. „Ich habe einen Hausbesuch gemacht, weil die Dame nicht in die Praxis kommen konnte. Die Symptome deuteten nicht auf Corona hin. Aber beide, sie und ihr Mann, waren positiv. Sie sind zu Hause stabil“, erzählt Abdussalam Issa, der ebenfalls zur Risikogruppe gehört und deshalb sehr, sehr vorsichtig ist. „Bis jetzt ist Gott sei Dank alles gut gegangen. Auch das Team war noch nicht betroffen.“

Infektionsraum

Die Patienten mit Symptomen bekommen bei Matthias Hartig Termine am Ende der Vormittags- und am Ende der Nachmittags-Sprechstunden. Sie werden in einem Infektionsraum behandelt, der gut gelüftet werden kann, und in dem anderen Patienten nicht eingelassen werden.

Die „Verdachts“-Patienten von Abdussalam Issa warten draußen, bis der Arzt zu ihnen kommt. Dass es anders als bei der Grippe-Impfung nun einen großen Ansturm auf den Corona-Impfstoff geben wird, ist für Abdussalam Issa ganz klar. „Alle wollen sich impfen lassen.“

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