Grabstätte entfacht Streit: Gemeinde will Bauland anbieten

+
Die Grabstätte will die Familie von Löbbecke erhalten.

Nachrodt-Wiblingwerde – Es geht um eine private Grabstätte und den Plan, dort Bauland anzubieten. Darüber ist ein Streit zwischen der Familie von Löbbecke und der Gemeinde entfacht.

Es geht um den Bebauungsplan Nr. 3. Forsthaus Helbecke bis Opperhusen. Und es geht um ein Vorkaufsrecht, von dem die Gemeinde sehr zum Ärger der Familie von Löbbecke Gebrauch machen will. 

Doch: Die Grabstätte, die Christian von Löbbecke in einem eingehenden Appell an die Ratsmitglieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt hatte, möchte die Gemeinde eigentlich gar nicht haben. Sie ist an Bauland interessiert. 

Nichtöffentlich berieten die Ratsmitglieder, ob sie ihr Vorkaufsrecht für zwei Parzellen nutzen wollen. Und sie waren sich augenscheinlich sehr einig. Denn mit nur einer Gegenstimme von Peter Herbel (CDU) und einer Enthaltung von Gerd Schröder (SPD) wurde es beschlossen: Die Gemeinde soll wachsen. Der Bereich ist als Bauland ausgewiesen. 

Kaufvertrag scheitert

Christian von Löbbecke hatte im Vorfeld versucht, die Mitglieder des Rates umzustimmen. „Sicher ist Ihnen die familiäre Verbindung von Löbbecke und Holtzbrinck-Carlowitz bekannt. Leider sind deren Nachkommen nicht so traditionsbewusst und haben sich von vielen Besitztümern getrennt. Mir ist es in langen und schwierigen Verhandlungen gelungen, einen Kaufvertrag über einige noch verbliebene Grundstücke zu schließen, um sie in der Familie zu halten. Darunter befindet sich eine Fläche, auf der sich das Erdbegräbnis derer von Carlowitz befindet, mit denen wir auf direkter Linie verwandt sind. Es ist uns wichtig, diese Ruhe- und Gedenkstätte zu erhalten und langfristig zu sichern“, sagt Christian von Löbbecke. 

Doch aus dem Vertrag wurde nichts, da die Gemeinde ihr Vorkaufsrecht nach Baugesetzbuch geltend gemacht hat. „Ein rechtlich einwandfreier Vorgang, aber ein Mittel, von denen Gemeinden äußerst selten Gebrauch machen, weil es einen erheblichen Eingriff in das Eigentum bedeutet“, so von Löbbecke.

Familie will Grundstück hegen und pflegen

Bis heute habe er keine Gesprächsangebote erhalten. Niemand hätte ihn nach seinen Plänen oder vielleicht gemeinsamen Optionen gefragt. „Meines Wissens gibt es in Nachrodt keinen Engpass an Baulandflächen. Ferner existiert für besagte Parzelle bereits ein Bebauungsplan, aber keiner wollte bislang dort bauen“, erklärte Christian von Löbbecke. Warum müsse sich die Gemeinde auf unbestimmte Zeit eine zu pflegende Erdbegräbnisanlage aufhalsen, wo doch die Mittel knapp und die Pflege des Bestandes ohnehin zu viel sei? Christian von Löbbecke: „Ist die Ausführung des Vorkaufsrechts wirklich ein probates Mittel? Wir sind bereit, den Grundstückskomplex aus eigenen Mitteln zu erhalten und somit zukünftigen Generationen ein bleibendes Denkmal zu bewahren und der Helbecke einen Ort der Ruhe und Entspannung zu erhalten.“ 

Geht es also in erster Linie für Christian von Löbbecke um den kleinen Friedhof am Tannenweg? Er ist im Bebauungsplan Nr. 3. verzeichnet. Teile des sehr großen Bebauungsplanes, der von 1966 ist, sind längst umgesetzt worden: am Tannenweg, am Kiefernweg, an der Breddestraße. Weitere Teile könnten folgen. Das ist das Hauptanliegen des Rates. 

Verwunschen und vergessen: ein altes Sportlerheim an einem Tennisplatz oberhalb des Tannenweges. Dieses Gelände gehört aber nicht zum Wunsch-Bauland der Gemeinde.

Und dass Bauflächen sehr begehrt sind, hat die Fläche am alten Sportplatz in Wiblingwerde gezeigt. „Wenn der Friedhof für die Familie von Löbbecke so eine Herzensangelegenheit ist, kann sie ihn bekommen. Dafür würde ich mich gerne einsetzen“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. „Wir sind nur an Bauland interessiert.“ 

Die Kommune würde der Familie den Friedhof also überlassen, wenn der Rat zustimmt. Das Augenmerk des Interesses liegt auf der Fläche vor dem Friedhof rechts – etwa 15 000 Quadratmeter – und um den Friedhof herum. Links des Friedhofes gibt es Flächen, die dem Bund gehören. „Es ist die Möglichkeit, den Ort weiter zu entwickeln und Bauland anzubieten“, sagt die Bürgermeisterin. 

Gemeinde will von Löbbecke Friedhof überlassen

Ähnlich wie beim alten Sportplatz in Wiblingwerde könne man zu einem vernünftigen Preis viele Interessenten locken. Ein Architekt habe sich das Gelände vor Ort angeschaut und sehe durchaus Potenzial. 

Noch ist aber nichts in trockenen Tüchern. Denn gegen die Entscheidung des Rates könnte der Verkäufer Rechtsmittel einlegen. Ob er das tut, ist nicht bekannt. Ebenso bleibt offen, ob die Familie von Löbbecke den Vorschlag der Bürgermeisterin, den Friedhof aus dem Vorkaufsrecht herauszunehmen, positiv bewertet. „Die aus unserer Sicht für die Öffentlichkeit wichtigen Informationen, die im Zusammenhang mit der Vorkaufsrechtsausübung der Gemeinde stehen, haben wir erschöpfend dargestellt“, heißt es auf AK-Nachfrage. 

Übrigens: Die Kosten für den Grunderwerb müssen noch berechnet werden, da es sich mit zwei Parzellen nur um einen Teil des Gesamtpaketes handelt. Die Fraktionsvorsitzenden von SPD, CDU und UWG möchten sich nicht zu den Themen Vorverkaufsrecht und nicht-öffentlicher Ratssitzung äußern. 

Schröder (SPD): "Es geht nicht nur um Neubauten."

Nur Gerd Schröder, Fraktionsvorsitzender der SPD, sagt: „Im Moment stagniert die Einwohnerzahl. Richtig ist, dass durch höhere Einwohnerzahlen mehr Schlüsselzuweisungen generiert werden können. Sicherlich muss die Gemeinde zusehen, Einwohner zu halten und neue zu bekommen. Es gibt nicht mehr so viel Bauland.“ 

Allerdings weist Gerd Schröder auch darauf hin, dass es viel Leerstand bei Mietwohnungen gibt. „Die Gemeinde muss Signale setzen, um diese Leerstände zu beheben.“ Dabei sieht Gerd Schröder nicht nur die Baugenossenschaft in der Pflicht. Es solle auch versucht werden, auf Immobilienbesitzer wie Caesar (Nachrodter Feld) oder LEG Immobilien (Langenstück) Einfluss zu nehmen. „Es geht nicht immer nur um Neubauten in der Gemeinde“, meint Gerd Schröder.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare