Nachrodter Bergbaugebiet mit ökologischem Wert

Friedrich Petrasch.

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Dass Nachrodt-Wiblingwerde eine besonders grüne Gemeinde ist, ist hinlänglich bekannt. Aber - dass es zahlreiche schützenswerte Biotope gibt, eher nicht. Dabei gibt es fast einzigartige Naturschönheiten überall zu entdecken. 21 schützenswerte Biotope wurden bereits 1989 in das Biotopkataster aufgenommen. Im Rahmen einer Artikelserie werden wir einige Biotope vorstellen. Von Lydia Machelett

Ein besonders schönes und artenreiches ist das Helbecker Bachtal. Als „Schutzwürdige Biotope“ gelten Gebiete, die oftmals letzte Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten bieten und damit zu deren Überleben beitragen. Diese werden im Rahmen von Felderhebungen (Kartierungen) in der Landschaft erfasst und beschrieben.

Und 21 solcher Biotope gibt es in der Gemeinde. „Schutzwürdige Biotope sind nicht gleichzusetzen mit Naturschutzgebieten“, erklärt Jürgen Hesse, vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV). Ein rechtsverbindlicher Schutz erfolge erst bei Schutzausweisung nach dem Landschaftsgesetz. Es zeige allerdings den Handlungsbedarf zur Ausweisung von Schutzgebieten auf.

Ein solch schutzwürdiges Biotop ist unter anderem das Helbecker Bachtal. Hier gibt es sogar noch Eiszeitrelikte zu entdecken. „Das besondere an diesem Tal ist die Naturbelassenheit“, erklärt Naturexperte Friedrich Petrasch. Der Schluchtwald biete einen idealen Nähr-Raum für seltene Pflanzen und Tiere. Das schattige Tal sei stets kühl und habe eine höhere Luftfeuchtigkeit. Dies ermögliche seltene Vegetation. Die meist verbreitete Buche hat auf dem felsigen und steilen Untergrund keinen Lebensraum. Eschen, Ahorn und Ulmen hingegen gedeihen gut. Besonders beeindruckend sind die Felswände, die meterhoch, nahezu senkrecht das schmale Tal umrahmen. „Die sind allerdings nicht auf natürlichem Wege hier entstanden“, berichtet Petrasch. Vor 150 Jahren wurde in dem Tal Bergbau betrieben.

„Hier wurde Diabas abgetragen“, so der Experte. Diabas ist eine ganz besonderes Gestein, welches durch den Vulkanismus auf dem Meeresboden entstanden sei. Noch heute sind die rundlich, leicht grün gefärbten Steine im Fels hier und da zu erkennen. 1840 wurde dieses Gestein im Helbecker Bachtal abgebaut, um damit die damalige Reichsstraße, die heutige B 236, zu erbauen. Einige Jahre später benötigte man den Stein dann auch noch für den Ausbau der Bahnstrecke. Ein solches Gestein sei einzigartig. Nirgends sonst im Märkischen Kreis gäbe es ein solch erhöhtes Aufkommen des vulkanischen Gesteins.

Ebenfalls deutliche Spuren im Tal hat der Bergbau hinterlassen. Denn bei den Kratern handelt es sich nicht, wie von vielen behauptet, um Bombentrichter, sondern um eingestürzte Stollen. „Es gab hier zwar Bergbau, aber der hatte keinen großen Stellenwert. Ich selbst habe hier nie Erz oder Kupfer gefunden, obwohl ich darauf spezialisiert bin“, berichtet Petrasch.

So habe das Tal damit nicht nur rein ökologisch einen hohen Stellenwert, sondern auch heimatgeschichtlich. Umso entsetzter ist Petrasch über den Schuttberg, der sich direkt vor einem alten Stolleneingang türmt. Damit sei ein Stück Geschichte einfach zugekippt worden.

Besonders schützenswert sei das Tal durch die besondere bachbegleitende Vegetation. So wächst dort eine sehr seltene Rotalge. Diese sei ein Eiszeitrelikt und wachse nur auf besonders schattigen und gewachsenen Felsen. „Ein Wunder, dass es die hier gibt“, freut sich der Naturliebhaber. Ebenfalls eindrucksvoll sind die, aufgrund des feuchten Mikroklimas vorherrschenden, moos- und farnreichen Felswände. Das durch den schnellen Bachlauf sauerstoffreiche Gewässer in Kombination mit der felsigen Umwelt bietet außerdem einen idealen Lebensraum für seltene Amphibien.

Für Naturliebhaber ist das größtenteils naturbelassene Tal ein wahres Eldorado.

Wer beim Spazierengehen nun genau hinschaut, entdeckt die vielen kleinen Naturwunder, die sich rechts und links vom Bach angesiedelt haben.

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