Glascontainer-Kontrolle per Smartphone: Gemeinde wird SmartCity

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Freuen sich auf die Zusammenarbeit: die Unitymedia-Vertreter Alexander Brauckmann (links) und Frank Schubert (2.v.rechts) mit Bürgermeisterin Birgit Tupat (2.v.l.) und Kämmerin Gabriele Balzukat (rechts).

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Gemeinde wird SmartCity: Unitymedia baut ein Funknetzwerk auf eigene Kosten. Das steckt dahinter.

Die Gemeinde ist ein Windhund. Zumindest hat sie beim gleichnamigen Verfahren die Nase vorn. Nachrodt-Wiblingwerde wird SmartCity. Eine smarte Stadt ist wie ein Internet der Dinge. Und es kann für den Privathaushalt wie auch für Unternehmen mehr als eine charmante Idee sein. 

Ist die Kaffeemaschine aus? Warum leuchten die Straßenlaternen in der Ehrenmalstraße nicht? Und warum ist die Heizung in der Schule ausgefallen? Das lässt sich in einer SmartCity ganz einfach am Smartphone überprüfen.

Um diesen Zukunftsschritt machen zu können, baut Unitymedia ein LoRaWAN auf – ein Long Range Wide Area Network. Das ist ein lokales Funknetzwerk zur Datenübertragung, das als Netzinfrastruktur dient. LoRa ist das Funknetz, das die Daten zum Server transportiert. Ähnlich wie Wlan funktioniert es drahtlos. Die Funktechnologie schlägt die Brücke zwischen den Sensoren, zum Beispiel an der Kaffeemaschine, und einer externen Sammelstelle. 

„Wir haben eine Infrastrukturpartnerschaft gesucht und ein Förderprogramm aufgelegt. Für die ersten 50 Kommunen bauen wir das Netz kostenlos auf“, sagt Frank Schubert, Key-Account-Manager bei Unitymedia. Für die Gemeinde entstehen also keine Kosten – außer die Bereitstellung der Stromversorgung, etwa 60 Euro pro Standort pro Jahr. 

„Dafür bieten wir die Möglichkeit, dieses Netz zu nutzen“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat und freut sich über den Schritt in die Zukunft. 

Beim Internet der Dinge kommunzieren nicht die Menschen miteinander, sondern die Maschinen. „Man braucht relativ wenig dafür. Mit der Funklösung habe ich die Möglichkeit, mit wenig Aufwand große Flächen abzudecken“, sagt Frank Schubert. 

Mit drei Standorten – Alte Schule Veserde, Grundschule Wiblingwerde und Hagener Straße 96 in Nachrodt – kann fast die gesamte Gemeinde, bis auf ein kleines Waldstück bei Oevenscheid, abgedeckt werden. Es gibt teilweise sogar doppelte Abdeckungen. 

Die Funkqualität hat nichts mit der Entfernung zu den Gebäuden zu tun. „Wir haben eine Reichweite von fünf bis 15 Kilometer pro Sender“, sagt Alexander Brauckmann, ebenfalls Key-Account-Manager bei Unitymedia. Auf den ausgewählten Gebäuden werden – wahrscheinlich Ende des Jahres – etwa 60 Zentimeter hohe Antennen mit einem Durchmesser von 3,3 Zentimeter installiert. 

Kosten für Unitymedia: 10 000 Euro insgesamt. Und ab dann ist vieles möglich: „Man kann eine Verkehrsmessung machen, ein Parkleitsystem installieren oder Straßen mit Sensoren ausrüsten und das Schneemanagement anpassen“, erklärt Frank Schubert. Dass der öffentliche Bereich in Nachrodt-Wiblingwerde nicht von heute auf morgen „smart“ wird, versteht sich von selbst.

 „Das wird sich sicher entwickeln, heute ist es eher für den privaten Bereich und für Unternehmen interessant“, meint Bürgermeisterin Birgit Tupat. Obwohl: Wie voll ist der Glascontainer? Oder der Papiercontainer? „Den Müll, der daneben liegt, werden die Sensoren auch nicht erfassen können, aber es könnte eine zusätzliche Leerung veranlasst werden, wenn die Sensoren einen vollen Container melden“, sagt Kämmerin Gabriele Balzukat. 

Auch die Überwachung der Straßenlaternen könnte vielleicht ein erster smarter Schritt in der Gemeinde sein. „Wir können uns das auch für unsere Sportstätten vorstellen. Im Moment ist es so, dass abends der Hausmeister noch einmal einen Rundgang macht und schaut, ob alles abgeschlossen ist“, sagt Gabriele Balzukat. Demnächst genügt vielleicht ein Klick aufs Smartphone, um den Stand der Dinge betrachten zu können. 

Auch bei den Schulen könnte man mithilfe einer entsprechenden App gucken, ob überall die Lichter erloschen sind. Unitymedia ist für das Netz verantwortlich. Nachdem die Daten von Sensoren gesammelt sind, werden sie in der Regel verschlüsselt an einen sicheren Cloud-Server gesendet, damit sie ausgewertet werden können. 

Die Auswertung kann beispielsweise von den Herstellern der Sensoren und Technikanwendungen erfolgen, aber auch von den Unternehmen, die die Sensoren in ihren Räumlichkeiten oder Gebäuden installiert haben und nutzen. „Wir leiten nur die Daten durch unser Netz“, sagt Frank Schubert. Die Standorte wurden kombiniert mit dem Unitymedia-Anschluss. Denn wenn die Daten erfasst sind, müssen sie per Internet weitergeleitet werden. „Der Dienstleister zahlt uns pro Sensor einen Obolus“, erklärt Frank Schubert das Geschäftsmodell. 

Ein Beispiel: die Stadtwerke Iserlohn, die auf intelligente Stromzähler umstellen wird. So wird niemand mehr ins Haus kommen, um die Zähler abzulesen, die Daten werden über den Sensor weitergeleitet. „Permanent können die Daten dann ausgewertet werden. Das hat für die Stadtwerke den Vorteil, dass sie die Verbräuche im Blick hat und auch merkt, wenn sie exorbitant nach oben gehen“, sagt Frank Schubert zu den Vorteilen.

Ein klassisches Beispiel für die Fernauslesung von Daten. Auch für Privatkunden sei das Angebot interessant. „Es hat eine hohe Energieeffizienz, denn ich kann auch Sparmaßnahmen einläuten. Wo habe ich hohe Energieverbräuche? Lohnt es sich vielleicht, eine neue Waschmaschine anzuschaffen?“, meint Frank Schubert. 

SmartHome ist auch längst ohne das Funknetz möglich. Das ist dann aber auf das Wlan zu Hause konzentriert – und unterwegs über den Mobilvertrag. Eine Insellösung sozusagen. So sehen es die Unitymedia-Verantwortlichen. „Uns war wichtig, den Bürgern und den Gewerbetreibenden das Funknetzwerk anzubieten.

Ob sie es nutzen, steht jedem frei. Es ist ein Angebot“, sagt Kämmerin Gabriele Balzukat. Birgit Tupat ergänzt: „Gerade in diesem Bereich ist die Entwicklung enorm. In zehn Jahren werden wir sicher sagen: Ja, ich habe auch 500 Sensoren im Haus.“ 

Tatsächlich kann man jede Lampe im Haus steuern, jedes Fenster, jede Jalousie. Das LoRa-Netzwerk ist übrigens kein Alleinstellungsmerkmal von Unitymedia. Die Telekom bietet Ähnliches an, die Stadtwerke Iserlohn bauen selbst ein ebensolches Netz in der Nachbarstadt auf. Es ist ein unlizensierter Bereich. „In 90 Länder gibt es flächendeckend solche Netze.“ Aber Frank Schubert weiß: „Deutschland hängt hinterher."

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