Kreuzchen am Küchentisch umstritten / Wahlkabine im Amtshaus

Sechs Wahllokale und eine beliebte Briefwahl

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Dirk Recker und die Auszubildende Katja Pawelke haben im Amtshaus die Vorbereitungen für die Bundestagswahl im Blick.

Nachrodt-Wiblingwerde - Was, wenn das Kreuzchen am Küchentisch diskutiert wird? Ist die Wahl dann trotzdem noch geheim? Kritiker finden, dass das Wahlgeheimnis bei der Briefwahl nicht wirklich so gewährleistet ist wie bei der Abstimmung im Wahllokal.

Aber sei es drum: Seit 2008 müssen Wähler bei Bundestags- und Europawahlen keine Gründe mehr angeben, wenn sie per Briefwahl abstimmen wollen. Und immer mehr Menschen machen davon Gebrauch. Auch in Nachrodt-Wiblingwerde. 

4581 Wahlberechtigte gibt es in Nachrodt-Wiblingwerde. Die Wahlunterlagen sind längst zugestellt. Und: Bisher haben 902 Bürger Briefwahlunterlagen beantragt. Da dies auch sehr problemlos übers Internet geht, glaubt Dirk Recker, stellvertretender Fachbereitsleiter des Fachbereiches 2, durchaus, dass die Zahl von 1200 Briefwählern noch geknackt werden kann. 

Wer mag, kann auch direkt im Amtshaus wählen – hinter einer unscheinbaren Wahlkabine im Zimmer 1. Dort steht natürlich auch eine Wahlurne. 

Fast jeder dritte Wähler will per Brief wählen

Bei der Bundestagswahl am 24. September will fast jeder dritte Wähler seine Stimme per Briefwahl abgeben. Laut einer Umfrage des Instituts Insa wollen 30 Prozent der Befragten per Brief abstimmen. Bei der Bundestagswahl 2013 hatte der Anteil der Briefwähler noch 24,6 Prozent betragen. 

Dass die Briefwahl immer beliebter wird, hat unterschiedliche Gründe: Da gibt es die einen, die gern abseits der Ferien in den Urlaub fahren. Andere möchten sich in Ruhe zu Hause mit den Wahlunterlagen beschäftigen oder können aus beruflichen Gründen, infolge Krankheit, hohen Alters oder eines körperlichen Gebrechens nicht das Wahllokal aufsuchen. 

Fakt ist: Es kann ein jeder per Brief wählen, ob es hierfür nun einen Anlass gibt oder nicht. Was durchaus auch „Schwarzmaler“ auf den Plan ruft – wie beispielsweise den Staatsrechtler Ulrich Battis. „Bei mehr als 25 Prozent Briefwählern wird es problematisch“, sagte er. 

Eine frühe Entscheidung finde unter anderen Bedingungen statt, als die Stimmabgabe am Wahltag. So sei es beispielsweise ein Unterschied, ob man seine Stimme Wochen vor der Wahl unter dem Eindruck von Umfragen abgebe oder während der demografischen Ruhephase am Wahltag. Es gibt auch Skeptiker, die noch weitergehen und auch einen Verkauf oder eine Schenkung der Stimme im großen Umfang möglich sehen. 

Doch zurück nach Nachrodt-Wiblingwerde. Spektakuläre, witzige oder ungewöhnliche Ereignisse vor der Bundestagswahl scheint es augenscheinlich nicht zu geben. „Es kommt höchstens vor, dass der Wahlscheinantrag nicht unterschrieben ist. Dann schicken wir ihn wieder zurück“, sagt Dirk Recker. 

Sechs statt nur drei Wahllokale 

Übrigens: Nachdem die Reduzierung der Wahllokale im Vorfeld der Landtagswahl hoch gelobt, dann aber im „Ernstfall“ nicht so unproblematisch war und die Auszählung der Stimmen fast eine kleine Ewigkeiten dauerte, wurde eine Neueinteilung der Stimmbezirke beschlossen. 

Es gibt nun sechs an der Zahl. Gewählt werden kann im Amtshaus (741 Stimmberechtigte), in der Grundschule Nachrodt (790), in der Sekundarschule Holensiepen (879), in der St. Michaelskapelle (967), in der Grundschule Wiblingwerde (766) und im evangelischen Gemeindehaus Wiblingwerde (741). 

Übrigens: Die Einwohnerzahl darf nicht so gering sein, dass sich die Wahlentscheidung der einzelnen Wahlberechtigten ermitteln ließe.

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