Tupats Ex-Chef hat den Erfolgsweg vorausgesehen

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Nachrodt-Wiblingwerdes ehemaliger Gemeindedirektor Herbert Grote feiert seinen 90. Geburtstag.

Nachrodt-Wiblingwerde -   Mit vielem hat Herbert Grote gerechnet – aber nicht mit seinem 90. Geburtstag. Dass er ihn am Freitag feiern kann, freut den Gemeindedirektor im Ruhestand ungemein. Alle Freunde und Weggefährten werden kommen. „Ich habe ja auch immer mit allen gefeiert“, erklärt das betagte Geburtstagskind lachend.

Ab 11 Uhr rechnet er am 18.Juli mit der Feuerwehr, den Gesangvereinen, Nachbarn, politischen Weggefährten, Freunden und den Mitgliedern seiner großen Familie. 25 Jahre ist Herbert Grote schon „aus dem Geschäft“, aber was in seiner Heimat passiert, entgeht ihm trotzdem nicht. Menschen aus dem Tal und aus dem Höhendorf halten ihn stets auf dem Laufenden.

Dass er 1989 aus Altersgründen nicht weitermachen durfte im Amtshaus, war ihm unbegreiflich. „Trost“ suchte Herbert Grote in der Mitwirkung in der Baugenossenschaft. Gestalten und Infrastrukturen schaffen – das war immer erklärtes Ziel.

Diesen Weg schlug später auch sein ehemaliger Stellvertreter Herbert Ferreau ein. „Auf den war Verlass. Man konnte ruhigen Gewissens in den Urlaub fahren. Ich wusste: Die Gemeinde steht noch, wenn ich wiederkomme“, berichtet Herbert Grote schmunzelnd über die gute Zusammenarbeit. Birgit Tupat, die heute das Amt der Bürgermeisterin und Verwaltungschefin inne hat, wurde noch von Herbert Grote eingestellt. „Dass die es mal zu was bringen würde, habe ich geahnt. Die hatte nicht nur gute Noten, sondern auch einen scharfen Verstand und war nie überheblich. Das darf man sich in dem Amt nämlich nicht leisten!“

Herbert Grote

Herbert Grote hat am 2. Januar 1947 nach kaufmännischer Ausbildung und Kriegsgefangenschaft seinen Dienst bei der Gemeinde angetreten. Am 3. Dezember 1974 wurde er erstmals zum Gemeindedirektor gewählt. Bis zu seiner Pensionierung am 31. Juli 1989 war der parteilose Verwaltungschef maßgeblich unter anderem an den Entscheidungen zum Bau der Lennehalle, der Dorfsanierung in Wiblingwerde und dem Bau des Bürgerhauses beteiligt. 1977 war Grote der Initiator zur Gründung des Heimat-und Verkehrsvereins, nach seiner Pensionierung engagierte er sich noch bis 1999 ehrenamtlich in der Baugenossenschaft Nachrodt-Wiblingwerde.

Selbstbewusstsein aber hat Vorteile. Das hat Herbert Grote getestet, wenn er beim Regierungspräsidenten vorsprach und Gelder locker machte für den „Nachrodt-Wiblingwerder Untergrund“. Der Ausbau der Kanalisation hatte hohe Priorität für den Gemeindedirektor. Aber Schulden wollte er dafür nicht machen. Dass Kommunen heute solch selbstverständliche Dinge nicht mehr ohne Kredite pflegen können, schmerzt Grote. Kopfschüttelnd blickt er in Richtung Altena, wo Sparkommissar Köhler per kurzem Prozess die Grundsteuer erhöhte. „Man darf junge Familien, die sich mühevoll ein Zuhause geschaffen haben, einfach nicht so belasten“, sagt Grote streng. Auch weil er weiß, wovon er spricht, wenn es um die Familie geht.

Seiner eigenen Familie hat er in Veserde ein Heim geschaffen. Kinder und Enkel schwirren ein und aus bei ihm – das tut ihm gut und gibt Herbert Grote Kraft, gesundheitlich voran zu kommen. Als er mit 87 Lebensjahren noch Fliesen verlegte, erlitt er einen Schlaganfall. Eines Tages wieder ganz ohne Rollstuhl auszukommen, das ist Herbert Grotes Ziel. „Ich übe täglich und kann schon wieder alles bewegen“, berichtet er stolz.

Traurig stimmt ihn nur, dass er solche Erfolge nicht mehr mit manch langjährigem Weggefährten teilen kann. Nicht nur gute Freunde hat Herbert Grote verloren – auch Ehefrau Erna verstarb vor ihm nach fast 64 Jahren erfüllten Ehelebens.

Trotzdem ist er dankbar, dass sein privates Glück so lange vorhielt. „Der Herr hat es so gelenkt und er wird auch mir zeigen, wo es im Leben noch langgeht für mich“, sagt Herbert Grote und hebt den Finger gen Himmel. Heute wird erstmal gefeiert. Den zahlreichen Gratulanten schließt sich das Altenaer Kreisblatt. - Ina Hornemann

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