Windkraft: Politiker zögern mit ihrer Entscheidung

Mehr als 60 Interessierte verfolgten am Montagabend im Schlosshotel Holzrichter die Sitzung des Planungs- und Bauausschusses, in der es um die Errichtung von weiteren Windkraftanlagen bei Veserde ging. Foto: Machelett

Nachrodt-Wiblingwerde - Aufatmen bei den Windrad-Gegnern. Im Planungs-und Bauausschuss wurde am Montagabend im Schlosshotel Holzrichter erst einmal entschieden, dass nichts entschieden wird. Zumindest solange der neue Windenergie-Erlass des Landes nicht steht. Doch damit ist die Entscheidung, zwei neue Windräder zwischen Veserde und Hohenlimburg zu errichten, lediglich verschoben und noch lange nicht vom Tisch.

Die Anwohner sind besorgt. Sie haben Angst vor den Folgen und sie fühlen sich von Verwaltung und Politik schlecht informiert – gar im Stich gelassen. Das wurde am Abend mehr als einmal deutlich. Mehr als 60 Interessierte verfolgten aufmerksam das Geschehen im Ausschuss und nutzten die Gelegenheit, ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen. Die beiden neuen Windräder, die zur Diskussion stehen, sind deutlich größer als die bisherigen drei Anlagen. Sie sind vom Typ E-92. Allein ihr Rotordurchmesser beträgt 92 Meter. Bis zu 16 Mal wird es sich in der Minute drehen und eine Nennleistung von bis zu 2350 Kilowatt erreichen. Zum Vergleich: Die bisherigen Windräder sind nicht nur deutlich kleiner, sondern ihr Rotordurchmesser beträgt gerade einmal 48 Meter. „Ich lade Sie alle ein, einmal bei Westwind der Stärke vier auf die Ausgleichsfläche Am Kamp zu kommen. Dann hören Sie, wie laut das jetzt schon ist“, gab Anwohner Harald Laus zu bedenken.

Dem konnte Barbara Kreft nur zustimmen: „Es geht uns nicht nur um die Optik, sondern auch um die sonstigen Belastungen. Die Anlagen sind so hoch, dass sie beispielsweise Tag und Nacht blinken werden – ganz abgesehen von der Geräuschbelastung.“ Die Veserderin erkennt darin eine klare Gesundheitsgefahr. „Es bleibt das Gefühl, dass es hier nur ums Geld geht. Eine Gemeinde sollte sich für ihre Bürger einsetzen und nicht für Investoren“, appellierte sie an die Anwesenden.

Kritisiert wurden seitens einiger Anwohner zudem ein fehlendes Artenschutzgutachten und die mangelnde Beteiligung der Hohenlimburger. „Ein Artenschutzgutachten wurde 2013 erstellt“, entgegnete Bürgermeisterin Birgit Tupat. Dies soll nun noch einmal erweitert und präzisiert werden, wie die Bürgermeisterin gestern auf Anfrage des Altenaer Kreisblatts mitteilte. Denn wie sich gestern herausstellte, liegt das erforderliche Artenschutzgutachten der Klasse 2 entgegen der Aussage vom Vorabend noch nicht vollständig vor. „Da hatte ich falsche Informationen. Die standortbezogenen Daten und Analysen folgen aber“, versprach Tupat. Das bisherige gut 80 Seiten umfassende Gutachten sollen Interessierte ab heute auf der Internetseite der Gemeinde finden können. Und auch der Austausch mit dem Hohenlimburger Bezirksbürgermeister sei Hermann-Josef Voss erfolgt, so Tupat. Ansonsten gaben sich Politiker und Verwaltung eher wortkarg. Es gab knappe, präzise und förmliche Antworten auf die Fragen der Anwohner. Seitens der Fraktionen wurde lediglich deutlich, dass der Zeitpunkt für eine Abstimmung ungünstig sei. Ansonsten hielten sich die politischen Vertreter mit ihrer Meinung am Abend eher bedeckt.

SPD, CDU und UWG waren sich allerdings einig, den Windenergieerlass abzuwarten,weil sie sich davon mehr Planungssicherheit und genauere Richtlinien erhoffen. Der Erlass war eigentlich bereits im November vergangenen Jahres erwartet worden. Wann er nun kommt, ist noch unklar.

Von einem Teilsieg der Windkraftgegner, der am Abend von den Zuhörern teilweise propagiert wurde, kann also auf keinen Fall gesprochen werden. Denn jeder weiß: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. - Lydia Machelett

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