Wildschweinplage im Getreidefeld

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Regina Weustermann und Hans-Jürgen Hohage zeigen, wie es aussieht, wenn sich eine Rotte Wildschweine am Hafer gütlich getan hat: Der angerichtete Schaden ist oft immens.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Regina Weustermann, Landwirtin aus Brenscheid, hat ein Problem: Es ist mittelgroß, äußerst muskulös und wendig – und es macht sich an ihrer Ernte zu schaffen. Wildschweine lassen sich das Getreide schmecken, das auf Weustermanns Feldern wächst und eigentlich für die zahmen Artgenossen der vierbeinigen Räuber bestimmt ist.

Weil Wildschweine keine Einzelgänger sind, sondern ausschließlich in Rotten von 15 bis 30 Tieren auftreten, ist die Verwüstung, die sie hinterlassen meistens enorm. Derzeit betrachten sie ein großes Haferfeld von Regina Weustermann als ihre Speisekammer. Die Landwirtin hatte zunächst Gerste gesät. Die verfror jedoch im vergangenen Winter, und so wurde Hafer nachgesät. Über den freuen sich nun die Schwarzkittel, denn diese Getreideart steht ganz oben auf ihrer Speisekarte. Insbesondere dann, wenn der Hafer die so genannte Milchreife erhalten hat. Dann sind die Rispen weich und lassen sich bestens fressen. Die Rispen reifen zwar in einer Höhe von rund 1,20 Metern und werden damit auch von ausgewachsenen Keilern nicht erreicht. Aber die Wildschweine sind erfinderisch. Sie drehen sich im Hafer, so dass die Rispen auf den Boden gedrückt werden. Auf diese Weise können die Schwarzkittel in nur einer einzigen Nacht rund 100 Quadratmeter an Fläche zerstören.

Hans-Jürgen Hohage und Fritz Becker, zuständige Jagdpächter des umliegenden Revieres, können die Sorgen der Landwirtin durchaus nachvollziehen. Denn sie sind natürlich daran interessiert, die Population des Schwarzwildes dem natürlichen Bestand anzupassen und eine rasante Ausbreitung des Wildes zu verhindern. Schon allein deswegen, weil das Schwarzwild dem Boden sehr viel Schaden zufügt. „Es gibt zwar keine Abschussquote“, erklärt Hohage. Aber zwischen dem 1. Februar und dem 1. August dürften führende Bachen, also Muttertiere mit Nachwuchs, nicht geschossen werden. Lediglich Frischlinge, die das erste Lebensjahr noch nicht erreicht haben, dürfen zu Strecke gebracht werden.

Im übrigen seien Wildschweine nachtaktive Tiere, so die Jagdpächter. Aufgrund ihrer Tarnfarbe seien sie aber in der Dunkelheit und Dämmerung nur sehr schwer zu erkennen. Aus diesem Grund halten sich auch die Jäger mit einem Schuss zurück, wenn für sie nicht klar zu erkennen ist, was genau für ein Wildschwein sich vor ihrem Zielfernrohr befindet. Das bedingt gleichzeitig, das die Population der Schwarzkittel nur sehr schwer zu beeinflussen ist. Auf der anderen Seite ist das aber gerade notwendig. Sieht man sich die Schäden auf dem Haferfeld Weustermanns an, kommt man schon ins Staunen über die Schäden, die nur eine einzige Wildschweinrotte verursachen kann.

Weustermann wird daher auch mit finanziellen Einbußen rechnen müssen. Das ist eigentlich nur eine Milchmädchenrechnung. Denn durch das insgesamt verfrorene Wintergetreide musste bundesweit nachgesät werden. Zu diesem Zeitpunkt waren Hafer und Mais auf dem internationalen Markt nur schwer erhältlich. Darüber hinaus mussten höhere Preise gezahlt werden, als es normalerweise üblich ist. Weustermann hat daher für die Hafersaat einen höheren finanziellen Aufwand treiben müssen. Durch die Schädigungen durch das Schwarzwild kann sie aber nur einen geringeren Verkaufspreis erzielen. Zwar müssen Hohage und Becker als verantwortliche Jagdpächter einen Teil des Schadens erstatten. „Das hält sich aber in Grenzen“, erklärt Hohage. Sie seien ja tatsächlich nur für die sichtbaren Schäden zuständig. Und eine entsprechende Entschädigung beruhe immer auf einer groben Schätzung und der Einigung der Parteien. „Da hat es aber noch nie Schwierigkeiten gegeben“ betont Weustermann. Der größte Teil des durch die Wildschweine verursachten Schadens dürfte aber wohl sie selbst treffen. ▪ Hartwig Bröer

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