Grünes Licht für Windpark westlich von Veserde

Windräder, die 150 Meter oder noch höher in den Himmel ragen, können vielleicht schon bald bei Veserde errichtet werden. - Foto: dpa

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Fast ein Jahr hat die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde auf ein Gutachten warten müssen, das klären soll, wo eine Konzentrationsfläche für Windkraftanlagen ausgewiesen werden kann. Jetzt liegt das Papier vor – und es birgt wenig Überraschendes: Nur in der Nähe von Veserde sind die Bedingungen so gut, dass man dort Windräder aufstellen könnte.

Eine Konzentrationszone für Windkraftanlagen wollte die Gemeinde ausweisen, um eine Art Wildwuchs zu verhindern. „Es ist ja nicht erstrebenswert, dass hier auf jedem Hügel eine solche Anlage steht“, sagte Bürgermeisterin Birgit Tupat. Doch dagegen hätte die Gemeinde keine Handhabe, wenn sich Investoren für entsprechende Vorhaben finden würden. Also entschied sich der Rat im September 2012, räumliche Vorgaben zu machen. Ins Visier geriet dabei schon sehr bald der Bereich um Veserde, wo bereits zwei Windmühlen umweltfreundlichen Strom erzeugen. Vor der notwendigen Änderung des Flächennutzungsplanes war jedoch eine Hürde zu nehmen: Es musste herausgefunden werden, ob durch die Aufstellung von Windrädern bedrohte Tier- und Pflanzenarten verdrängt werden könnten. Der Gemeinderat gab deshalb im Dezember 2012 ein Gutachten in Auftrag, das mögliche Konzentrationsflächen für Windkraft in der Doppelgemeinde untersuchen sollte.

Insgesamt sieben Flächen nahm ein Essener Planungs- und Gutachterbüro dann in diesem Jahr unter die Lupe. Der Bereich westlich von Veserde war ebenso dabei wie eine Fläche im Nordosten Veserdes, ein Waldgebiet südöstlich von Obstfeld, Flächen nordwestlich und südwestlich von Brenscheid sowie südwestlich und südöstlich von Oevenscheid. Die meisten Bereiche, stellten die Gutachter fest, sind für die Errichtung von Windkraftanlagen nicht geeignet. Ungünstige Windverhältnisse oder nicht ausreichende Flächengröße, steile Hanglagen, eine Bauhöhenbeschränkung wegen der Flugsicherungsanlage (Oevenscheid), aber auch die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und bedrohter Arten wurden als Argumente gegen eine Konzentrationszone ins Feld geführt. Letztlich blieb nur die Fläche westlich von Veserde, schon nah der Gemeindegrenze zu Hagen, als Standort für einen Windpark übrig. Neben den beiden dort bereits vorhandenen Windrädern könnten auf einer Fläche von 23,5 Hektar noch bis zu sechs weitere Anlagen errichtet werden, heißt es in dem Gutachten, mit dem sich der Bau- und Planungausschuss in seiner nächsten öffentlichen Sitzung am Montag (17 Uhr, Gaststätte Zur Rastatt) befassen wird.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Politiker den Gutachtern folgen und den Bereich bei Veserde als Konzentrationsfläche für Windkraft ausweisen, ist sehr hoch. Für eine Windkraftanlage liegt sogar bereits eine Genehmigung vor. Bürgermeisterin Tupat geht davon aus, dass weitere Bauanträge folgen („Interessenten sind schon vorhanden.“) und dann noch mehr Anlagen mit einer Höhe von 150 Metern oder mehr errichtet werden. Unglücklich ist sie offensichtlich nicht darüber. „Das ist sicherlich auch eine Einnahmemöglichkeit für die Gemeinde, denn die Betreiber solcher Anlagen müssen ja Gewerbesteuer zahlen“, denkt sie an die finanzielle Misere, in der Nachrodt-Wiblingwerde steckt. Doch auch die Gefahr, dass überall in der Doppelgemeinde die Windräder aus dem Boden sprießen, sieht sie gebannt. Konflikten mit Erholungsuchenden und der Tourismusbranche sieht sie entspannt entgegen: „Ich glaube nicht, dass Windkraftanlagen für Touristen ein Ausschlusskriterium sind“, erwartet sie keine negativen Auswirkungen durch einen Windpark zwischen Veserde und Nahmer. - Volker Griese

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