Mehr Bürokratie als Sonnenschein im Wald

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Hubert Kaiser, Leiter des NRW-Landesforstamtes, berichtete den Waldbauern über den Stand der Dinge im Holzstreit des Landes mit dem österreichischen Säge-Unternehmer Klausner.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Mit größtem Befremden haben die Waldbauern im Märkischen Kreis die Anfrage des Landes nach Fichtenholz wahrgenommen. Das wurde in der Kreisversammlung am Dienstagabend in Veserde deutlich.

Das österreichische Holzwerk Klausner hatte das Land NRW mit einer einstweiligen Verfügung dazu zwingen wollen, seine Staatswald-Vorräte nicht an Dritte zu verkaufen. Der Streit ist vorerst beigelegt, doch die Holzaffäre wird von den Privatwaldbesitzern äußerst kritisch betrachtet. ,,Nehmen Sie unser Befremden bitte mit”, wandten sich die Waldbauern bei ihrer Tagung im Schlosshotel Holzrichter an Hubert Kaiser, den Leiter des Landesforstamts NRW.

Kaiser hatte der rund 30-köpfigen Versammlung den aktuellen Stand im Klausner-Prozess erläutert. Das Land NRW und das Unternehmen haben sechs Monate Zeit, einen Gesamtvergleich auszuhandeln. 195 000 Festmeter Fichtenholz aus Staatswaldbeständen werden so lange gekennzeichnet und „eingefroren“, nicht jedoch gefällt oder gar ausgeliefert. Hintergrund: Klausner hatte sich nach den Orkan Kyrill von der damaligen schwarz-gelben Landesregierung eine jährliche Lieferung von 500 000 Festmetern Fichtenholz zusagen lassen. 2013 konnte dieses Versprechen nicht gehalten werden, weil zu wenig Holz aus Staatswaldbestand vorhanden ist. Klausner wollte sich juristisch zusichern lassen, dass vorhandene Bestände keinesfalls an Konkurrenzunternehmen verkauft werden. ,,Wie das Hauptverfahren 2014 ausgeht, vermögen wir nicht zu sagen”, erklärte Hubert Kaiser. Mit dem Ausgang der Gerichtsverhandlung am vergangenen Freitag sei das Land allerdings zufrieden.

Kaiser war nach Veserde gekommen, um allgemein über aktuelle Entwicklungen in der Forstpolitik zu referieren. Aus Kaisers Ausführungen ging vor allem eines hervor: Der Wald ist mehr von der Bürokratie beschienen, als von der Sonne. Das zeigte sich vor allem in einer kleinen Randbemerkung zum Holzhandelssicherungsgesetz: Laut EU-Vorgaben kann der geschlagene Bestand einer kompletten Parzelle beschlagnahmt werden, sofern eine Handvoll Bäume darin viele Fledermaushöhlen enthält. Selbst ein einziger geschlagener Baum könne diese Gefahr bergen. ,,Wir wollen versuchen, die EU-Vorgaben auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Eine Überprüfung soll ausschließlich stichprobenartig erfolgen”, erklärte Kaiser den Zuhörern, die über diese Vorgaben nur mit dem Kopf schütteln können.

Ein in Nachrodt-Wiblingwerde relevantes Thema sind Weihnachtsbäume: Die rot-grüne Landesregierung hatte großflächige Weihnachtsbaumplantagen stoppen wollen, die Erzeuger hatten eine Art Selbstverpflichtung dagegen gesetzt, die den ökologischen Anbau sichern soll. Der Waldbauernverband NRW hatte eine Frist von zwei Umtrieben ausgehandelt, um betroffenen Betrieben eine Umstellung zu ermöglichen. Für kleine Bestände bis zwei Hektar soll keine Regel gelten. Noch sei ein endgültiger Beschluss aber nicht getroffen, erklärte Kaiser.

Waldbauern, die Fördergelder beantragen wollen, hätten als Einzelkämpfer weniger Chancen, erklärte der Referent. Die Töpfe im europäischen Raum würden vorrangig für Projekte mit dem Oberziel Nachhaltigkeit und Klimaschutz geöffnet. ,,Wer Netzwerke bildet, hat bessere Karten”, brachte es Kaiser auf den Punkt. Das Forstamt erstelle aktuell zahlreiche neue Leitfäden, unter anderem zum Thema Windenergie im Wald. Der Artenschutz stehe hier an oberster Stelle. Wie auf dem Wixberg zwischen Altena und Iserlohn gelte überall: ,,Wo der Schwarzstorch, da kein Windrad”. Das Landesforstamt wolle Firmen und Planern direkt zeigen, wo Windkraftbestrebungen ohne Erfolg sind: ,,Denn nichts ist teurer als eine lange Planungsphase”, erklärte Kaiser.

Mit Spannung erwarten die heimischen Waldbauern die neuen Entscheidungen des Bundeskartellamts zu Staats- und Privatwäldern. Wie wird das Amt über Förderungen entscheiden und dürfen Privatwälder noch in den Zuständigkeitsbereich von Beratung und Betreuung des Landesforstamtes fallen? Kaiser: ,,Wir streben eine Lösung an, die Waldbesitz fördert und nicht zu ständigen Diskussionen mit dem Kartellamt führt.” Noch allerdings ist darüber nicht entschieden worden. Allein entscheiden dürfen die heimischen Waldbauern immerhin noch über ihre eigene Verbandsumlage: Um ihre eigenen Kosten zu decken, entschieden sie sich für drei Cent pro Hektar Mitgliedsfläche im Jahr. Gültigkeit hat der Beschluss bis 2015. ▪ Ina Hornemann

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