Gut besucht war das Konzert im Rahmen des Wiblingwerder Musiksommers.

Schatzkästchen beim Wiblingwerder Musiksommer

+
Gut besucht war das Konzert im Rahmen des Wiblingwerder Musiksommers.

Nachrodt-Wiblingwerde - Mit traditionellen Liedern der jüdischen Liturgie, modernen Weisen aus Israel und Musik aus dem spanisch-jüdischen Mittelalter eröffnete die Sängerin Esther Lorenz ihren Zuhörern am Sonntag in der Wiblingwerder Kirche Zugang zu einer fremden, faszinierenden Welt. 

Gemeinsam mit dem Konzertgitarristen Hendrik Schacht (Berlin), der sich als kongenialer Begleiter sehnsuchtsvoller, melancholischer und humorvoller Lieder erwies, nahm die Berlinerin mit jüdischen Wurzeln ihr begeistertes Publikum im Rahmen des Wiblingwerder Musiksommers zu einer „Musikalischen Reise durch das Judentum“ mit.

Pfarrer Bernd Neuser sichtlich berührt 

Sichtlich berührt verbeugte sich Pfarrer Bernd Neuser am Ende vor den beiden Interpreten und ihrer Kunst. Sie hätten ein Schatzkästchen aufgemacht und den Konzertbesuchern eine Kultur nahegebracht, die in Europa fast ausgestorben war, lobte er. 

Mit dem Segen Isaaks für seinen zweitgeborenen Sohn Jakob verabschiedeten sich die Sängerin und ihr Gitarrist als Zugabe mit einer Episode aus dem Alten Testament. 

Auf Jiddisch, in Ivrit und biblischem Hebräisch sowie in der Mischsprache der Sepharden, die 1492 durch ein Edikt von Ferdinand II. und Isabella I. von der Iberischen Halbinsel vertrieben wurden, sang Esther Lorenz ihre berührenden Lieder. 

Durch ihre Moderation brachte sie ihren Zuhörern in der gut besuchten Kirche Komponisten, Inhalte der Lieder, Tradition und Kultur Israels nahe. 

Dabei ging es um die enge Verwandtschaft zwischen dem biblischen Hebräisch und seiner weiterentwickelten, modernen Version (Ivrit), den sprichwörtlichen jüdischen Humor, Poesie und das Gefühl des Entwurzeltseins im Exil, jüdische Feiertage und ihre Wurzeln in historischen Ereignissen und vieles mehr. 

Kleine, feine Geschichten wie die vom vergesslichen Jankel, der nach ausgeklügeltem System zwar seine verlegten Sachen, nicht aber sich selbst wiederfand, lockerten das Programm auf. 

Ausdrucksstarke Stimme 

Mal freudig, mal schwermütig entdeckte die Sängerin mit der warmen, ausdrucksstarken Stimme ihrem Publikum die Musikalität der Psalmen Davids. „Die Melodien sind nicht überliefert“, erklärte sie. Sehr gefühlvoll, einfühlsam den Text ausdeutend brachte sie uralte Verse zum Klingen. 

Mit traurigen Liedern wie „Chofim“ (Ufer) nach einem Gedicht von Natan Jonatan, der seinen 21-jährigen Sohn im Yom-Kippur-Krieg verlor und seinen Schmerz im Schreiben verarbeitete, und Songs von Naomi Schemer – einer der bekanntesten Sängerinnen und Songwriterinnen Israels – öffnete die Berlinerin Zugang zur Musik des modernen Israel. 

„Ich hab’ immer noch nicht genug gelebt.“ 

Unter anderem ging es darin um einen jungen Mann, der immer neue Gründe für’s Nicht-Heiraten erfand. Tenor: „Ich hab’ immer noch nicht genug gelebt.“ 

An den See Genezareth, ins mittelalterliche Spanien und ins Warschauer Ghetto, wo das durch den Folksänger Donavan weltweit bekannt gewordene Lied „Donna Donna“ (ursprünglich Dona Dona nach Adonaj, der hebräischen Anrede für Gott) seine Wurzeln hat, nahm das Duo die Gäste bei seiner spannenden Reise mit. Auch Solobeiträge waren von zeitloser, unvergänglicher Schönheit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare