Verstöße werden handschriftlich mit Uhrzeit gemeldet/ 30 Verwarngelder

Fotos von Falschparkern landen im Amtshaus

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Wer auf dem Bürgersteig parkt oder Einfahrten zustellt, wer sich verkehrswidrig verhält, wird fotografiert.

Nachrodt-Wiblingwerde - Niemand kann in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn nicht gefällt. Sagt ein Sprichwort. Wenn aber der Nachbar in den Augen des Gesetzes recht hat, mit dem, was ihm nicht gefällt, dann wird es noch schwieriger. Oder amtlicher. 

Fakt ist: An der Nachrodter Straße wird das eine oder andere Mal falsch geparkt. Fakt ist auch: Genau dies wird fotografiert und weitergegeben.

Fotos von falschparkenden Fahrzeugen

Seit Anfang April bekommt die Gemeindeverwaltung Post. Nicht mit der Post, sondern persönlich gebracht. Fotos über Fotos von falsch parkenden Fahrzeugen an der Nachrodter Straße. Dabei wird augenscheinlich haarklein aufgelistet, wer, wann, wo sein Auto falsch abstellt. 

"Bürger/-in macht Fotos"

„Der Bürger oder die Bürgerin macht die Fotos und steht auch als Zeuge zur Verfügung“, sagt Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz auf AK-Anfrage, nachdem sich die „Angelegenheit“ herumgesprochen hat. 

Dabei gehe es grundsätzlich um die Nachrodter Straße, ab Kreuzung Herlsener Weg/Am Stübchenstück bis runter zur K24. Fahrzeuge, die allerorts im Bereich des Dorfplatzes, an der Kirche, an der Gaststätte Zur schönen Aussicht, an der Pizzeria oder der Schule falsch parken, den Gehweg blockieren oder eine Einfahrt zuparken, werden offenbar im Bild festgehalten. 

Dabei werden die Verstöße handschriftlich mit Uhrzeit gemeldet. Das Ordnungsamt ist verpflichtet, den gesammelten „Missständen“ nachzugehen. 

"30 Verwarngelder verhängt"

„Wir prüfen das. Wenn wir der Meinung sind, dass es so ist wie geschildert, müssen wir handeln“, sagt Sebastian Putz. Bis heute wurden deshalb 30 Verwarngelder verhängt. 

Wenn das Verwarngeld bezahlt wird oder der „Tatbestand“ schlüssig widerlegt wird, ist die Sache erledigt. Wenn nicht, flattert ein Bußgeldbescheid ins Haus. Das kann teuer werden. Die betroffenen Parker aus Wiblingwerde sind indes alles andere als erfreut. 

Tatsächlich, so erklärt Sebastian Putz, gilt es schon als parken – und nicht halten – , wenn man sein Auto abstellt und schnell beim Bäcker Brötchen holt. Zehn Euro kostet das, wenn dabei eine Einfahrt zugeparkt wird. 20 Euro sind fällig, wenn auf dem Gehweg geparkt wird und deshalb ein Fußgänger gezwungen ist, auf der Straße zu laufen.

Ein Kommentar

Er legt sich auf die Lauer

Von Susanne Fischer-Bolz

„Der schlechteste Zug in der menschlichen Natur bleibt die Schadenfreude, da sie der Grausamkeit enge verwandt ist.“ Meinte einst Arthur Schopenhauer, deutscher Philosoph. 

Schadenfroh wird er wahrscheinlich sein, der Mensch, der sich auf die Lauer legt, um andere anzuschwärzen. Er wartet darauf, Bilder von Verkehrssündern machen zu können, – von Leuten, die falsch parken. 

Dann rennt er mit diesen Fotos ins Amtshaus und erwartet, dass das Ordnungsamt Knöllchen verteilt und Bußgelder einsammelt. Und dann? Ein Glücksgefühl, das ihn überschwemmt? Ja hat er vielleicht zu viel Zeit? Zu wenig Freude im Leben? Wurde er von den Nachbarn zurückgewiesen, denen er jetzt das Leben schwer macht? 

Immerhin macht er diese Petzerei – und anders kann man es ja wohl kaum nennen – nicht anonym, sondern nennt Ross und Reiter, also steht für das „nachbarschaftliche Engagement“ mit seinem Namen. 

Trotzdem bleibt die Frage nach dem Warum? Es wird augenscheinlich recht häufig falsch geparkt. Das ist zwar nicht schön, aber mein Entsetzen hält sich doch in Grenzen. Der Verkehr im romantischen Dörfchen Wiblingwerde bricht nicht zusammen. Und niemand gerät auf eine gefährliche sechsspurige Fahrbahn, weil er den Bürgersteig verlassen muss. Also bitte: Was soll das?

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