Private Gesellschaft könnte das Gartenhallenbad retten

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Teils interessierte, teils skeptische Blicke bei den rund 200 Teilnehmern der Einwohnerversammlung, bei der es am Donnerstagabend um die Zukunft des Gartenhallenbades ging.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Der Andrang war riesig, das Interesse an den neuen Vorschlägen des Fördervereins Gartenhallenbad zur Rettung der Freizeitanlage groß. Doch ob das Vorhaben gelingen wird, steht auch nach der Bürgerversammlung am Donnerstagabend in der Aula des Schulkomplexes am Holensiepen noch nicht endgültig fest.

Die ersten Schritte in diese Richtung sind allerdings gemacht – 40 Personen haben sich in eine Interessenten-Liste zur aktiven Mitwirkung eingetragen. Jetzt muss zügig eine Arbeitsgemeinschaft gegründet werden, damit bis zum Stichtag 4. Februar ein ausgereiftes Konzept zur Rettung des Gartenhallenbads erarbeitet wird.

Mehr als 200 Bürger waren der Einladung zur einwohnerversammlung und übertrafen somit sämtliche Erwartungen von Förderverein, Verwaltung und Parteien. Mit einem derart großen Andrang hatten die Verantwortlichen im Vorfeld nicht gerechnet. Wer daraus aber schließt, dass ausschließlich Unterstützer zum Erhalt des Gartenhallenbads anwesend waren, der irrt. Ebenso wurden aus den Reihen der Bürger auch ein paar Stimmen laut, die für eine Schließung plädierten – und Applaus ernteten. Aber auch die Gartenhallenbad-Unterstützer meldeten sich zu Wort – und erhielten ebenfalls akustische Zustimmung.

Eine Schließung soll nach den Wünschen von Bürgermeisterin Birgit Tupat „wenn möglich verhindert werden“. Das Gartenhallenbad arbeitet seit Jahren nicht mehr kostendeckend und fährt Defizite ein. Allein 2011 verbuchte die Verwaltung ein Minus von mehr als 300 000 Euro. „Diese erschreckende Zahl gilt es verschwinden zu lassen“, so Tupat. Ein - wenn auch minimaler - Lichtblick in dieser Hinsicht sind die leicht gestiegenen Besucherzahlen.

Nachdem die erste Überlegung, an das Gartenhallenbad eine ambulante und stationäre Reha anzubinden, sich als wenig lukrativ herausgestellt hatte, wurden die Pläne abgebrochen, erinnerte Förderverein-Vorsitzender Hans Wehr an ein zurückliegendes Ereignis. „Selbst bei Vollauslastung hätte sich das auch in fünf Jahren noch nicht gerechnet“, verdeutlichte er. Wehr wurde dann auf den Schwimmbadverband NRW aufmerksam. „Er versucht Gemeinden zu helfen, die in der gleichen Lage sind wie wir“, berichtete er. Nach ersten Gesprächen und Besuchen stehe fest: Die aktuellen Personalkosten sind zu hoch; im Bad wurde energetisch zu viel verschlafen; die Abläufe sind nicht glücklich. Diese drei Kritikpunkte müssten nach Auffassung des Verbands zunächst in Eigenleistung verbessert werden, um auf einem vernünftigen Niveau weiterarbeiten zu können. Ist das geschafft, will sich der Schwimmbadverband in die Rettungspläne einbringen. „Sie stehen Gewehr bei Fuß“, weiß Wehr die dann greifende Unterstützung im Rücken.

In einer Sitzung des Fördervereins am Mittwoch hatten die Mitglieder einen groben Vorschlag erarbeitet, der in ihren Augen den Fortbestand des Gartenhallenbades sichern könnte. „Grundsätzlich ist es kein Problem, ein Bad von einer Gemeinde zu übernehmen und Betreiber zu werden“, sagte Hans Wehr und forderte weiter:. „Wir müssen die Geschäftsführung des Bades verändern und nicht überlegen, wo wir die 300 000 Euro herbekommen. Mein Wunsch ist es, neben dem Förderverein eine Firma hinzubekommen.“

Gesellschafter sind also gesucht – welche Gesellschaftsform gegründet werden soll, muss eine Arbeitsgemeinschaft, die jetzt ins Leben gerufen wird, erst noch ausarbeiten. Wehr versicherte aber: „Die Anteile der Gesellschafter werden verzinst. Wir wissen, was eine Gesellschaft ist, und wie sie funktioniert.“

Anhand einer Kosten-Aufstellung zeigte Wehr, in welchen Sektoren er Einsparpotenzial sieht. Vereine hätten signalisiert, sich in die Bereiche Aufsicht, Reinigung, Kasse und Personal einbringen zu wollen. Ebenfalls könnten Verwaltungsarbeiten in Eigenleistung erfolgen. Die Doppelbesetzung im Eingangsbereich würde wegfallen, die Gemeinde spare zudem die Bauhof-Abschreibung, weil ihr das Gebäude nicht mehr gehöre. Investiert werden müsste im ersten Jahr in ein neues Kassensystem und eine moderne Beleuchtung. Mit dieser Rechnung kommt Wehr auf einen Zuschussbedarf von etwa 160 000 Euro – im Vergleich zu 270 000 Euro, die die Gemeinde für das Schwimmbad aufbringen muss. Bereits für das zweite Jahr geht Wehr davon aus, in die Gewinnzone zu kommen. „Wir brauchen jetzt Leute, die in der Planung mitmachen, und Leute, die sich in die Bewirtschaftung einbringen wollen.“ Mit dem Schwimmbadverband habe man zudem einen kompetenten Partner an der Seite. ▪ Susanne Riedl

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