Sekundarschule fördert bilinguales Lernen schon früh

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Das Wörterbuch immer dabei: An der Sekundarschule wurde gestern den ganzen Tag nur englisch gesprochen. Die Fünftklässler erhielten so einen Vorgeschmack auf den bilingualen Zweig, der ab Klasse 7 greift.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Spickzettel schreiben war am Dienstag an der Sekundarschule ausdrücklich erlaubt. Die benötigten die Fünftklässler nämlich, um sich auch in den Pausen unterhalten zu können. Der Grund: Den ganzen Tag über durfte nur englisch gesprochen werden.

Der so genannte „Bili-Tag“ lieferte den Fünftklässlern einen Vorgeschmack auf den zweisprachigen Unterricht, der diejenigen von ihnen ab der Jahrgangsstufe sieben erwartet, wenn sie den bilingualen Zweig wählen. Dann wird das Fach Erdkunde nur in englischer Sprache unterrichtet, ab Klasse 8 kommt mit Biologie oder Geschichte sogar noch ein zweites Fach hinzu. Vorbereitet werden die Schüler darauf schon jetzt, denn auch die Fünftklässler haben schon vermehrten Englischunterricht. Ab Klasse 6 kommen zwei zusätzliche Stunden Englisch dazu. Schulleiterin Anne Rohde erwartet deshalb, dass die Siebtklässler mit englischsprachigen Erdkundeunterricht keine größeren Probleme haben werden, zumal ihnen das Geographiewissen in einer zusätzlichen Unterrichtsstunde vermittelt wird. „Wir ziehen das auch nicht auf Teufel komm 'raus durch, es wird schon auch noch deutsche Erklärungen geben“, beschwichtigt sie. Aber sie ist überzeugt, dass die Schüler keine allzu lange Eingewöhnungsphase benötigen. „Nach einem Schuljahr klappt das schon ganz gut“, baut sie auf die Erfahrungen, die beispielsweise die Richard-Schirrmann-Realschule (RSR) in Lüdenscheid mit bilingualem Unterricht gemacht hat. Sie ist in dieser Hinsicht das Vorbild für die Sekundarschule.

RSR-Englischlehrer Oliver Held war am Dienstag mit einer Schülergruppe zu Gast im Holensiepen, um den Sekundarschülern kleine Sketche in englischer Sprache zu präsentieren. „Wir studieren seit einiger Zeit solche kleinen Stücke mit den Schülern in, denn das schult das Gefühl für die Fremdsprache. Die Schüler entwickeln eine positive innere Einstellung zur Sprache“, erläuterte Held. Die Sekundarschüler profitierten davon am Dienstag auch, denn sie konnten nicht nur ihre Englischkenntnisse anwenden, sondern auch über eine Biologiestunde mit sehr mäßig begabten Schülern, über eine Schulhofszene und über eine Situation in einem überfüllten Schulbus lachen.

Doch warum führt die Sekundarschule überhaupt einen bilingualen Zweig ein? „Englisch ist in vielen Berufen, aber auch in der Wissenschaft eine wichtige Sprache“, weist Anne Rohde darauf hin, dass der bilinguale Unterricht die Kinder auf das Berufsleben im zusammenwachsenden Europa vorbereitet. Bilingualer Unterricht solle die Schüler zudem befähigen, die eigene und andere Kulturen bewusster wahrzunehmen und Probleme zwischen den Kulturen zu bewältigen.

An der Lüdenscheider Realschüler, deren Abordnung am Dienstag in Nachrodt zu Gast war, sammelt seit sieben Jahren Erfahrungen mit zweisprachigem Unterricht. Dort hat man festgestellt, dass die Lernmotivation in den bilingualen Klassen besonders hoch ist und die Schüler sehr selbständig und eigenverantwortlich lernen. Auch fällt ihnen der Übergang zur gymnasialen Oberstufe später leichter als anderen Schülern. ▪ Volker Griese

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