Kommune im MK schnürt Versorgungs-Paket für knapp 300 Gewerbetreibende

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Besuch von Bürgermeisterin Birgit Tupat im Lebensmittelgeschäft Winkhaus in Wiblingwerde

Nachrodt-Wiblingwerde –Es ist eine Art Rundum-Unterstützungs-Paket, das die Gemeinde für 289 Gewerbetreibende geschnürt hat. Darum geht's.

Alle Informationen, die in diesen Tagen hilfreich sind, hat sie mit ihrem Team zusammengestellt, um den Nachrodt-Wiblingwerder Betrieben zu helfen. Und sie schaut auch bei dem einen oder anderen persönlich vorbei – wie jetzt bei Arnd Winkhaus in Wiblingwerde.

Das kleine Lebensmittelgeschäft im Herzen des Höhendorfes kämpft wie viele anderen auch ums Überleben. Kreativität ist in diesen Tagen gefragt: Der Laden ist so klein, dass die Abstandsregelung in Corona-Zeiten nicht einzuhalten wäre. 

Und so gibt es jetzt eine Art Theke, mit Glöckchen und Ablagetisch für die Einkäufe vor dem Eingang. Selbst gebaut und absolut praktisch. Und sollte es in Strömen regnen, wird einfach ein großer Schirm aufgespannt. 

Zwei von drei Standbeinen weggebrochen

Not macht erfinderisch. Arnd Winkhaus hat eigentlich drei Standbeine, von denen zwei gerade weggefallen sind. Er arbeitet in der mobilen Jugendarbeit, die zurzeit eingestellt ist. Und er ist Tätowierer. Auch diesen Beruf kann er gerade nicht ausüben. 

Und so lebt eine insgesamt siebenköpfige Familie vom kleinen Lebensmittelladen, in dem Hiltraut Winkhaus immer noch gerne die Kunden empfängt. Sie wird bald 70 Jahre alt. Aber an eine Geburtstagsfeier ist im Moment auch nicht zu denken. „Man muss klar kommen, mit dem, was man hat und das Beste daraus machen“, sagt Arnd Winkhaus. 

Er sieht dabei auch Positives: „Viele Leute merken jetzt, dass es wichtig ist, eine Grundversorgung im Dorf zu haben. Sie kommen hierhin und sagen, dass es schön ist, dass wir den Laden geöffnet haben.“ Dass er keine Miete zahlen muss und das Haus ihm gehört, ist in finanziell engen Momenten ein echter Segen. 

Großvater eröffnete Laden 1938

Und: Als großen Vorteil sieht Arnd Winkhaus, dass das Obst und Gemüse vom Großmarkt kommt und direkt in die Kühlkammer geht. „Und keiner grabbelt daran rum.“ Zweimal die Woche fährt Arnd Winkhaus nach Dortmund, um frische Ware zu holen. Auch Blumen gibt es zu kaufen. Übrigens auch Toilettenpapier und Mehl. 

Nathalie, Hiltraut und Arnd Winkhaus: Am Eingang ihres Geschäftes gibt es jetzt eine Theke

Arnd Winkhaus hofft, dass jetzt auch Mitbürger wach werden, die sonst nur für Kleinigkeiten kommen, die sie beim Discounter vergessen haben. Butter zum Beispiel. „Ich hoffe, die Leute denken nun: ,Der kleine Laden hilft uns jetzt und später helfen wir ihm auch’“, sagt Arnd Winkhaus. 

1938 hat sein Großvater das Gemischtwaren-Geschäft im Herzen von Wiblingwerde eröffnet. Da gab es noch Zucker, Mehl und Öl lose – alles musste verpackt werden. Damals wie heute gehört ein Lieferservice zum Angebot, den viele ältere Stammkunden schätzen. Heute mehr denn je. 

Verunsicherung in Firmen

Die Verunsicherung der Unternehmen aller Größenordnungen ist Bürgermeisterin Birgit Tupat durchaus bewusst. Ihr persönlicher Kontakt in der Öffentlichkeit ist in Corona-Zeiten weniger geworden. „Wir haben für alle Gewerbetreibenden ein Schreiben aufgesetzt mit allen wichtigen Informationen: An wen kann ich mich wenden für Kurzarbeitergeld beispielsweise oder Personalkostenübernahme für von Quarantäne betroffene Betriebe und Selbstständige. Wir haben gleich einen Vordruck für Steuererleichterungen dazugestellt und vieles mehr.“ 

Ganz viele Fragen könnten so beantwortet werden. „Viele wissen gar nicht, welche Möglichkeiten es gibt.“ Die Bundesregierung hat unter anderem beschossen, das kleine Firmen und Solo-Selbstständige wie Künstler und Pfleger über drei Monate direkte Zuschüsse von bis zu 15 000 Euro bekommen.

Mehr zur Coronakrise auf den Auswirkungen für die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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