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Von Kiel nach Nachrodt: Das ist die neue Klimaschutzmanagerin

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Nachrodt hat eine Klimaschutzmanagerin: Carolin Jarmatz (Mitte), hier mit Bürgermeisterin Birgit Tupat (l.) und Natascha Handschak.
Nachrodt hat eine Klimaschutzmanagerin: Carolin Jarmatz (Mitte), hier mit Bürgermeisterin Birgit Tupat (l.) und Natascha Handschak. © Fischer-Bolz, Susanne

Sie ist da. Und: Das Geheimnis des Erfolgs ist anzufangen – mit der Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED zum Beispiel oder mit den Untersuchungen, auf welchen gemeindeeigenen Gebäuden Photovoltaik möglich ist. Carolin Jarmatz heißt die neue – und erste – Klimaschutzmanagerin der Gemeinde, die ihre erste Arbeitswoche hinter sich hat und sich schon durch das 231 Seiten starke Klimaschutzkonzept gearbeitet hat.

Nachrodt-Wiblingwerde – 26 Jahre jung ist Carolin Jarmatz. Sie hat in Kiel Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt nachhaltige Energiesysteme studiert und ist mit Sack und Pack aus dem hohen Norden nach Nachrodt-Wiblingwerde gekommen. Eine Wohnung hat sie am Pragpaul in Altena gefunden.

„Um etwas zu bewegen, ist eine kleine Gemeinde viel interessanter“

Obwohl gerade Klimamanager allerorts höchst gefragt und sehr viele Stellen ausgeschrieben sind, hat sich die junge Frau für die Arbeit in der kleinsten Gemeinde des Kreises entschieden. „Um etwas zu bewegen, ist eine kleine Gemeinde viel interessanter als eine Großstadt“, sagt die Klimaschutzmanagerin und freut sich auf viel Gestaltungsspielraum. Angesiedelt ist das Thema „Klima“ übrigens beim Bauamt. Carolin Jarmatz teilt sich ein Büro mit Roland Roczniok, dem stellvertretenden Bauamtsleiter der Gemeinde, und wird auch mit Natascha Handschak Hand in Hand arbeiten.

Überwältigt von Informationen

„Ganz viel lesen, lesen, lesen“, erzählt Carolin Jarmatz von ihren ersten Tagen, in denen es darum ging, sich einen Überblick zu verschaffen. „Im Moment bin ich noch etwas überwältigt von den vielen Informationen, aber dann geht es ans Eingemachte“, verspricht sie lachend. Photovoltaik und Solarthermie sind für sie wichtige Themen der Zukunft. „Sonnenstrom vom Schul-dach ist ineffizient.“ So entschied ein Nachrodt-Wiblingwerder Berater 2017. „Aber heute ist die Welt eine andere, da urteilt man vielleicht anders, auch wenn es nicht immer wirtschaftlich ist“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat.

Netzwerke

Längst gibt es auch gute Netzwerke zu Klimathemen. Eines ist beim Märkischen Kreis angesiedelt. Und natürlich ist Carolin Jarmatz dort direkt in den Verteiler aufgenommen worden. „Klimaschutz mit Bravour“ heißt eine Klimakampagne der Bezirksregierung Arnsberg, die den Kommunen Informationsmaterialien zu den Themen Nutzerverhalten, Mobilität, Gebäudemodernisierung, Energie und Klimafolgenanpassung zur individuellen Nutzung anbietet. Schwerpunkt der Kampagne ist das Thema Dachflächen-Photovoltaik, denn bislang werden im Regierungsbezirk nur fünf Prozent des möglichen Potenzials genutzt. Plakate und Flyer zu diesem Thema hat Bürgermeisterin Birgit Tupat bereits geordert.

Photovoltaikanlagen

Dass es kaum noch Förderung für Photovoltaikanlagen gibt, ist nach Ansicht der Nachrodter Klimaschutzmanagerin kein Grund, von der Idee Abstand zu nehmen. „Früher lag der Fokus darauf, den Strom zu verkaufen. Mittlerweile geht es darum, den Strom selber zu verbrauchen. Und selbst produzierter Solarstrom ist günstiger als der Strom, den man einkauft“, sagt Carolin Jarmatz. Unter Eigenverbrauch versteht man den Teil des Solarstroms, den man auch selbst nutzt und nicht einspeist. Je höher der Eigenverbrauch ist, desto wirtschaftlicher ist auch die Photovoltaikanlage. Mit Smart-Home-Geräten kann der PV-Strom im Haus an die Stromverbraucher verteilt werden – also auch für die Waschmaschine beispielsweise. Wer sich dafür interessiert, bekommt von der Klimaschutzmanagerin übrigens die passenden Ansprechpartner vermittelt.

Stelle wird gefördert

Die Stelle der Klimaschutzmanagerin ist zunächst auf drei Jahre befristet und wird zu 100 Prozent gefördert. Neben den großen Themen, die im Klimaschutzkonzept der Gemeinde verankert sind und angegangen werden sollen, möchte Carolin Jarmatz auch eigene Ideen umsetzen. Sie könnte sich beispielsweise gut ein Klima-Café mit Bürgern vorstellen. Auch Leihstationen für Fahrräder, längst alltäglich im Norden Deutschlands, könnten auch in Nachrodt-Wiblingwerde gut ankommen. Allerdings: Die Radwege, das hat sie längst erkannt, sind aktuell alles andere als optimal. Und so kommt Carolin Jarmatz noch nicht mit dem aus der Heimat mitgebrachten 13 Jahre alten Rad von Altena zur Arbeit, um nicht an der B236 vom Sattel gerissen zu werden. „So wie es in Schmallenberg, Lennestadt und Finnentrop ist, würde man es sich für alle Orte wünschen“, hofft Bürgermeisterin Birgit Tupat in diesem Zusammenhang immer noch auf den „Masterplan Lenneroute“.

Die Kommunalpolitiker und interessierte Bürger werden Carolin Jarmatz spätestens während der nächsten Sitzung des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses kennenlernen. Dort sind sämtliche Klimathemen angesiedelt.

Glücklich über 100-prozentige Förderung

Bürgermeisterin Birgit Tupat ist „total glücklich“, mit der Unterstützung der Klimamanagerin die Themen angehen zu können, die immer mehr auf den Nägeln brennen. „Und eine 100-prozentige Förderung der Stelle ist natürlich auch toll. Andere Städte müssen sich einen Klimaschutzmanager teilen, das ist mit Sicherheit ein Gezerre“, sagt Birgit Tupat.

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