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Hallendecke könnte einstürzen: Bad muss sofort schließen

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Das Gartenhallenbad muss sofort schließen, die Hallendecke könnte einstürzen
Das Gartenhallenbad muss sofort schließen, die Hallendecke könnte einstürzen © Fischer-Bolz, Susanne

Die Ereignisse überschlagen sich: Das Gartenhallenbad muss geschlossen werden. Sofort. Denn die Hallendecke könnte eventuell nicht mehr halten.

Nachrodt-Wiblingwerde – Zumindest möchte der Gutachter Dr. Daniel Werner nicht mehr seine Hand dafür ins Feuer legen, dass keine Gefahr besteht. Das ist bitter für die Vorsitzende Sabine Karisch und ihr Team vom Trägerverein des Bades, das ist bitter für alle Kursbesucher, für alle Rehasportler, für alle Schwimmer.

Routineuntersuchung

Eigentlich stand nur eine Routineuntersuchung am Mittwoch an. Nicht punktuell wie sonst, sondern auf der ganzen Länge zur Straßenseite wurde im Bad geprüft, ob die Halterungen der Decke in Ordnung sind. Entdeckt wurden Korrosionsschäden. Der Gutachter war mit Ingenieur Holger Selve auf dem hohen Gerüst und auch Bauingenieurin Simone Groß kletterte nach oben. Am Abend dann das ernüchternde Ergebnis.

Sie erklären die Sanierung: die Ingenieure Simone Groß und Holger Selve vor dem Gartenhallenbad.
Sie erklären die Sanierung: die Ingenieure Simone Groß und Holger Selve vor dem Gartenhallenbad. © Fischer-Bolz, Susanne

„Wir hätten schon längst diese Decke erneuern können“, sagt Sabine Karisch, die ebenfalls nachmittags bei den Untersuchungen dabei war. Heute ist sie geschockt. Sie hatte vor ein paar Jahren über den Kreissportbund Fördermittel über das Programm „Moderne Sportstätten“ genau dafür beantragt und genehmigt bekommen. „Wir hätten als Verein alleine agieren können. Aber dann haben wir ja die großen Mittel für die Sanierung bekommen und sollten deshalb auf Wunsch der Verwaltung das kleine Geld an die SpVgg und den Tennisclub abgegeben“, erzählt Sabine Karisch. Ganz so sei es nicht gewesen, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. Vielmehr habe der Kreissportbund Sabine Karisch nach der Zusage der großen Förderung angeschrieben, um schließlich mehr Geld für die anderen Vereine möglich zu machen. „Da sind wir raus“, weist die Bürgermeisterin die Vorwürfe zurück. Wie dem auch sei. Jetzt und heute gilt: Die Hoffnungen, dass das Schwimmbad während der Außensanierung bis April 2023 geöffnet bleiben kann, sind dahin. Das Gartenbad bleibt jetzt so lange geschlossen, bis die komplette Sanierung abgeschlossen ist. Die Kummer-Decke gehört zum Sanierungsplan. Wie jetzt vorgegangen wird, ob die Decke sofort abgenommen werden kann, steht noch nicht fest. Das Wasser wird natürlich direkt abgelassen.

„Jetzt wollen wir den Keller dämmen, um die Energie drin zu halten“, sagt Holger Selve
„Jetzt wollen wir den Keller dämmen, um die Energie drin zu halten“, sagt Holger Selve © Fischer-Bolz, Susanne

Unterdessen gibt es auch gute Nachrichten vom Start der Instandsetzung und Erneuerung: Ein riesiges Erdloch wurde auf der Rückseite des Gebäudes ausgehoben. Zudem ist die Außenfassade zum Teil schon abgenommen. Das Bad soll energetisch auf ein Level gehoben werden, dass es zukunftstauglich macht. Blick auf die Fassade: Sie blättert allerorts. Nicht viel mehr als ein Mauerstein mit Außenputz. Die alte Wärmedämmung ist heute längst nicht mehr ausreichend, eine neue wird aufgebracht. Es gibt sodann wieder eine Putzfassade, wobei das Farbkonzept reines Feintuning ist und heute noch nicht feststeht.

Es gibt ein neues Pultdach

Verabschieden wird man sich vom Flachdach. In Anlehnung an die Sekundarschule wird ein Pultdach mit einer Neigung von fünf Grad errichtet. Der Vorteil: Das Wasser kann gut ablaufen. Zum Eingang wird ein Walm errichtet, eine in sich verschränke Dachfläche, die den Eingangsbereich mehr als aktuell schützt. Die Dachfläche beginnt an der Ecke Turnhalle und führt bis über die Bürgerbusgarage. Der Zeitablauf: Erst wird die Fassade bis zur Dachanschlusshöhe gedämmt, dann kommt der Zimmermann und richtet das Dach. „Der Plan ist, dass wir vor dem Winter die Fassade und das Dach über den Sozialräumen schaffen“, sagt Ingenieur Holger Selve, der das groß angelegte Bauvorhaben am Holensiepen begleitet.

Keller wird gedämmt

Vier Meter in die Tiefe schaut man auf der Gartenseite des Hallenbades in ein Erdloch. Die Frage, die es dort zu klären gab: Ist der Keller gedämmt? Das ist er nicht. „Jetzt wollen wir den Keller dämmen, um die Energie drin zu halten“, sagt Holger Selve – eine sogenannte Perimeterdämmung, die für den erdangefüllten Bereich geeignet ist. Dass es dies bislang nicht gab, ist rein der damaligen Bauzeit und Bauart geschuldet – es ist also keine zwingende Sanierung eines Feuchtschadens nötig. Vor zwei Jahren gab es die Zusage einer Förderung für die Sanierung des Bades in Höhe von 2,107 Millionen Euro vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung.

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