Andrej Mezler baut normale Fahrräder zu ungewöhnlichen Modellen um

Sieht aus wie ein Motorrad, ist aber ein Fahrrad: Wenn Andre Mezler mit seinem ungewöhnlichen Drahtesel unterwegs ist, zieht er fast immer neugierige Blicke auf sich. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Es hat einen unübersehbaren Tank, Doppelscheinwerfer, Deko-Felgen, Stereo-Anlage, Seitenverkleidung, eine verlängerte Gabel und einen tiefer gelegten Sattel. Das Gefährt erinnert stark an die Motorräder aus dem Kult-Film „Easy Rider“ mit Peter Fonda in der Hauptrolle und doch ist es ein Fahrrad.

Wenn Andrej Mezler aus Nachrodt mit seinem Drahtesel unterwegs ist, am Straßenrand steht oder vor dem Eiscafé parkt, wird man das Gefährt zweifellos als Motorrad identifizieren. Und daher muss Mezler nicht lange warten, bis er von dem ersten Passanten angesprochen wird. „Das ist ja ein tolles Motorrad. Und so leise. Was ist denn das für eine Marke?“ Mezlers Antwort lautet üblicherweise: „Eigenbau!“ Denn was sich dem absolut verblüfften Betrachter bietet, stellt sich beim näheren Hinsehen nicht als Motorrad, sondern vielmehr als Fahrrad dar.

Und genau das ist es auch. Ein fast ganz normales Fahrrad. Nur das Aussehen täuscht. Denn Mezlers Hobby ist das „Aufmotzen“ oder besser gesagt „Tunen“ von Fahrrädern. Dazu besorgt er sich über das Internet zunächst einmal einen Spezialrahmen, der wesentlich größer beziehungsweise länger ist, als der eines normalen Exemplares. Die weiteren Anbauteile wie Räder, Felgen, Reifen oder anderes Zubehör beschafft sich der Bastler zum Teil ebenfalls im Internet oder im örtlichen Fachhandel. So sind zum Beispiel die Felgen seines Fahrrades mehr als doppelt so breit wie die eines handelsüblichen Rades. Das sollten dann die Reifen eigentlich auch sein. „Das sind zwar ganz normale Reifen, aber sie passen sich den Felgen an“, erklärt Mezler. Den „Tank“ des Fahrrades hat er selbst hergestellt. „Der dient mir als Ablagefach“, verrät der Tüftler.

Mezler stammt aus Kasachstan, siedelte jedoch 1992 mit seiner Familie nach Deutschland um. Hier besuchte er zunächst zwei Jahre lang die Schule und begann dann eine Ausbildung zum Tischler in einem Nachrodter Unternehmen. Dort ist er inzwischen seit 17 Jahren beschäftigt. Sein handwerkliches Geschick ist ihm bei der Ausübung seines Hobbys sehr von Nutzen.

Dabei hatte Mezler bis vor knapp zwei Jahren noch nie auf einem Fahrrad gesessen. Im Jahr 2010 machte er jedoch mit seiner Familie Urlaub in Polen. Bei einer Fahrradtour merkte Mezler, dass ihm das Fahren auf dem Zweirad riesigen Spaß machte und beschloss, ein eigenes zu erwerben. Aber etwas Besonderes sollte es schon sein. Und so kam er auf die Idee, aus einem Fahrrad – zumindest optisch – ein Motorrad zu machen. Wann immer Mezler mit seinem besonderen Fahrrad nun unterwegs ist, sieht er sich staunenden Passanten gegenüber. Er erreicht mit seinem Rad eine Geschwindigkeit von bis zu 40 Stundenkilometern. „Aber nur auf gerader Strecken oder bergab“, schmunzelt Mezler.

Sein nächstes Objekt hat er schon ins Auge gefasst. Er will ein Trike bauen. Denn sowohl sein Sohn als auch seine Frau fahren gerne Fahrrad, und zu dritt müsste sich ein solches Fahrzeug daher doch auch bewegen lassen. Ein Fahrrad als Trike – das dürfte dann wohl einmalig und erst recht ein Hingucker sein.

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