Schwimmendes Kraftwerk auf dem Lenne-Obergraben

NRW-Umweltminister Johannes Remmel (r.) machte sich am Mittwoch vor Ort ein Bild von dem Mini-Wasserkraftwerk. Wilhelm Will (2.v.r) erläuterte die Funktionsweise. - Foto: Griese

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Die Idee klingt schon fast revolutionär: Mit einem schwimmenden Mini-Wasserkraftwerk könnte Strom auch in den entlegensten Winkeln der Erde produziert werden. Auf einem Seitenarm der Lenne bei Einsal ist sie nun ihrer Umsetzung ein gutes Stück näher gekommen.

Seit gut vier Jahren tüftelt der Lünener Wilhelm Will an diesem Projekt. Den Anstoß gab allerdings der inzwischen verstorbene ehemalige Technische Direktor des Baukonzerns Heitkamp, Ernst Buttler. Der hatte die Idee zu einer solchen Strömungsmaschine, allerdings fehlten ihm die finanziellen Mittel zur Realisierung. Will stellte den Kontakt zu dem Herner Unternehmer Wilfried Stein her, der von der Idee, eine klimafreundliche Stromproduktion zu entwickeln, die gerade für abgelegene Landstriche große Chancen bietet, begeistert war.

Bei der Suche nach einem Gewässer, auf dem ein Prototyp für eine solche Anlage „unter großer Geheimhaltung“, wie Stein betont, entwickelt werden könnte, wurden Will und Stein in Einsal fündig: Auf dem Lenne-Obergraben, durch dichtes Buschwerk gut vor neugierigen Blicken geschützt, entstand nach und nach eine drei mal sieben Meter große, floßartige Anlage mit einem Unterwasserrotor. Die Strömung des Flusswassers bringt diesen Rotor in Gang, über eine Welle wird ein Generator angetrieben und Strom erzeugt. Rund 12 000 Kilowattstunden liefert die Anlage pro Jahr, Strom für etwa drei Vier-Personen-Haushalte.

Am Mittwoch machte sich NRW-Umweltminister Johannes Remmel vor Ort ein Bild von der Anlage und war beeindruckt. „Das ist einfachste Technologie, die man praktisch überall ins Wasser setzen kann“, sagte der Grünen-Politiker. Das ist es, was auch Wilfried Stein vorschwebt. „Selbst 100 000 solcher Anlagen innerhalb von zehn Jahren sind keine Utopie. Die könnten überall stehen, wie Würstchenbuden“, hat er sogar ganz große Visionen und denkt dabei durchaus global. „Damit kann man selbst im Urwald Strom erzeugen, wenn nur ein Fluss in der Nähe ist“, kann Stein sich vorstellen, sogar abgelegenste Gegenden zu elektrifizieren.

Noch ist ein solches Mini-Kraftwerk relativ teuer. Für etwa 30 000 Euro könne der Prototyp in Serie hergestellt werden, schätzt Stein. Deshalb hofft er auf Unterstützung – entweder durch ausländische Regierungen oder durch deutsche Stellen. „Die Russen und ein paar Afrikaner sind schon interessiert“, verriet Stein. Die Patentrechte hat er sich in allen großen Industrienationen gesichert, denn er ist überzeugt, „dass diese Entwicklung nicht aufzuhalten ist“, dass das Prinzip des in Einsal entwickelten Versuchsmodells Zukunft hat. „Schon jetzt bauen wir zwei größere Anlagen für einen großen Stromkonzern“, sagte Stein.

Auch Minister Remmel war angetan von der Idee, mit vielen kleinen Wasserkraftwerken einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. „Solche Anlagen werden nicht unser Massenproblem lösen, aber sie können eine interessante Ergänzung sein“, sah er durchaus Chancen, damit die kleinen noch vorhandenen Nischen der Wasserkraftnutzung in NRW zu erschließen. Wie auch Fotovoltaikanlagen sei ein solches Mini-Kraftwerk praktisch überall einsetzbar, meinte der Minister, nachdem die Entwickler auch seine Sorgen um den Fischbestand hatten zerstreuen können. „Durch unsere langsam drehende Anlage kommt kein Fisch zu Schaden“, versicherte Will. - Volker Griese

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