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Keine Heizung bei Minusgraden: Mieter frieren in ihren Wohnungen

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Einige Mieter am Nachrodter Feld sind erneut schwer gebeutelt.
Einige Mieter am Nachrodter Feld sind erneut schwer gebeutelt. © fischer-bolz

Es hört und hört nicht auf: Acht Familien im Nachrodter Feld sitzen ohne Heizung seit elf Tagen im Kalten.

Nachrodt-Wiblingwerde – Es wäre ja so schön gewesen, wenn die Mieter vom Nachrodter Feld jetzt mit funktionierenden Heizungen und Strom ausgestattet in Ruhe und Frieden hätten leben können. Doch einige sitzen wieder im Kalten. Bei Minustemperaturen müssen sie ausharren, sich mit etlichen Heizlüftern behelfen. Und das seit dem 10. Januar. Eine angesichts der Wetterlage unfassbare und untragbare Situation.

Keine Öllieferung

Anfang November 2022 hatte es das große Aufatmen gegeben. Die OK-Hausverwaltung, die der Immobilienbesitzer Caeser neu einsetzte, nahm ihre Arbeit auf, der neue Hausmeister Martin Kühnel stellte sich im Rahmen einer Mieterversammlung vor. Rechtsanwalt Armin Speckmann, der monatelang den Mietern zur Seite gestanden und ein Treuhandkonto eingerichtet hatte, konnte sich zurückziehen. Und tatsächlich wurde die Situation am Nachrodter Feld für viele Mieter besser. Viel besser. Allerdings nicht für alle. In den Häusern der Freiherr-vom-Stein-Straße 5, 7 und 9 ist keine Öllieferung eingetroffen.

Sorge um die Stromkosten

„Anfang Januar war schon klar, dass das Öl nicht ausreicht. Der Hausmeister ließ die anderen Öltanks befüllen, wir bekamen nichts. Vom Hausmeister kam keine Reaktion. Andere Mieter sagten, es wäre Öl bestellt. Ich habe dann die Verwaltung angerufen. Sie meinte, es gebe keine Ölbestellung“, erzählt Michael Kosdei. Er wohnt in der Freiherr-vom-Stein-Straße 7 und hat jetzt in allen Räumen Heizlüfter aufgestellt. „Ich werde 71 Jahre, da muss ich nicht mehr frieren“, sagt er und sorgt sich um seine Stromkosten. „Ich habe jetzt den dreifachen Verbrauch. Wer bezahlt mir das?“ Michael Kosdei hat schon immer seine Zählerstände im Blick gehabt und nachgehalten, wie viel er verbraucht.

Wie lange noch?

Wie lange die acht betroffenen Familien in der aktuellen Situation noch ausharren müssen, ist Stand heute noch nicht klar, wohl aber eines: Öl ist bestellt. Es habe noch eine Rücksprache mit dem Eigentümer gegeben. „Alle Leute bestellen im Moment Öl. Wir warten auf den Lieferanten“, sagt Hausmeister Martin Kühnel. In Zukunft will er einmal im Monat die Ölstände überprüfen, damit so eine Situation nicht mehr eintreten kann. „Es ist auch eine Lernphase für mich.“ Die betroffenen Häuser würden im Vergleich zu den anderen wesentlich mehr Öl benötigen. Warum? Die Heizung wurde gewartet und gereinigt. „Ich hatte auch gedacht, dass das Öl reicht“, versteht der Hausmeister den hohen Verbrauch nicht. Er vermutet, dass die Leerstände das Problem sind, „dass in den nicht vermieteten Wohnungen die Heizungen auf volle Leistung laufen. Die kann man im Prinzip auf Stufe 1 Frostsicherung stellen.“

Türen aufbrechen

In den nächsten Tagen will Martin Kühnel alle Türen dort aufbrechen, um dem Kummer auf den Grund zu gehen. Schlüssel hat er für die Leerstände noch nicht. Fakt ist auch: Es gab Konflikte wegen der Heizung mit den Mietern. „Die Heizung war sehr, sehr hoch eingestellt, alle Regler auf Vollanschlag.“ Martin Kühnel regelte die Heizung runter, „dann wurde es einen Tag später wieder hochgedreht.“ Das ging ein paar Mal hin und her. „Dann habe ich das Schloss ausgetauscht. Wenn die Heizung 24 Stunden am Tag voll powert, dann macht das keinen Sinn“, findet der Hausmeister. Dass niemand in diesen Tagen ohne Heizung sein möchte, versteht Martin Kühnel nur zu gut. „Ich habe den Leuten schon teilweise Heizkörper vorbei gebracht.“ Grundsätzlich ist er mit seinen Aufgaben am Nachrodter Feld zufrieden, auch, wenn es sehr viel Arbeit ist. „In den Leerständen piept ein Rauchmelder nach dem nächsten“, erzählt er. Auch will er schauen, dass die Wohnungen wieder bezogen werden können. „Manche Wohnungen sehen ganz gut aus“, findet er. Die Leerstände hätten auch kein Schimmelproblem.

Das sagt Armin Speckmann

Weder die Gemeindeverwaltung noch Rechtsanwalt Armin Speckmann wussten bis jetzt etwas von der neuen Kältewelle im Nachrodter Feld. „Eine Frau erzählte mir, dass bald kein Öl mehr im Tank sei. Davon, dass die Heizung nicht läuft, weiß ich nichts“, so Armin Speckmann. „Das hat wahrscheinlich zwei Seiten. Dass die Mieter sich an der Heizungsanlage selber zu schaffen machen, ist wahrscheinlich über die Jahre so eingerissen, aber ob das die richtige Option ist, da habe ich Zweifel.“ Am Geld würde es nicht scheitern, es gebe ja noch das Geld vom Treuhandkonto. Armin Speckmann will sich jetzt mit Martin Kühnel in Verbindung setzen. Es gibt auch noch andere Neuigkeiten vom Immobilienbesitzer Caeser: Björn Fischer heißt der neue Geschäftsführer. Er löste am 6. Dezember 2022 Carsten Krause ab. „Ob es mit dem Neuen besser wird, darf bezweifelt werden“, sagt Armin Speckmann schmunzelnd. Er hat übrigens einen sechsseitigen Brief der Hausverwaltung bekommen, die das Geld vom Treuhandkonto haben möchte. „Da werden wir gucken“, so der Rechtsanwalt mit Blick auf die Umstände am Nachrodter Feld.

Hausmeister Martin Kühnel
Hausmeister Martin Kühnel © Fischer-Bolz, Susanne

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