Mini-Wasserkraftanlage für einen Haushalt

Chefkonstrukteur Jürgen Fehling bei Montagearbeiten.

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Eine ganz besondere Wasserkraftanlage ist im Einsaler Obergraben im Einsatz: Es handelt sich um eine Art Strömungsturbine, die die Energie des fließenden Wassers nutzt, um Strom zu erzeugen. Das Besondere an diesem nachhaltigen Energieproduzierer: Es handelt sich um ein Gerät, für das keine aufwändige Stauanlagen oder Turbinentechnik erforderlich ist. Platt gesagt - die Turbine könnte irgendwo in einen tiefen Bach gestellt werden, und sie würde ausreichend Strom produzieren, um einen Haushalt zu versorgen.

Eine tolle Möglichkeit, um Menschen in sehr strukturschwachen Ländern mit Energie zu beliefern - auch ohne Kraftwerk und Stromnetz in der Nähe. Bis 3,5 Kilowatt leistet die Turbine, weit über 20 000 Kilowattstunden können pro Jahr erzeugt werden. Das System funktioniert und der Prototyp in Einsal produziert fleißig Strom, der inzwischen ins Netz der Stadtwerke Iserlohn eingespeist wird. Wenn die Strömungsturbine in Serie produziert wird, soll sie zwischen 25 000 und 30 000 Euro kosten. Zudem kann man die Turbinen in entsprechenden Abständen quasi hintereinanderschalten.

Zum Hintergrund: Bei der Strömungsturbine handelt es sich ursprünglich um die Erfindung des betagten Münsteraners Ernst Buttler. Die Investorengruppe ließ sich von dem Prinzip und Idee überzeugen, hat nun das Patent für seine Erfindung inne: Europaweit sowieso und inzwischen auch in acht außereuropäischen Ländern. Ob es auch in der Praxis wirtschaftlich funktioniert, das hat man ausprobiert. Man ließ einen Prototyp von der Wilhelmshavener Firma MFS Maschinenfabrik GmbH & Co KG unter Leitung von Chefkonstrukteur Jürgen Fehling bauen, probierte ihn im Lech aus und war überzeugt. An der optimalen Form der Rotorblätter wurde auf der Basis zahlreicher Versuche im Forschungszentrum Obernach, Versuchsanstalt für Wasserbau und Wasserwirtschaft der technischen Universität München, gefeilt. Vier Jahre sind nun vergangen, jetzt läuft die Turbine in Einsal. Die Walzwerke unterstützten das Projekt genauso wie der Ruhrverband, die Stadtwerke Iserlohn durch die Abnahme des Stroms und die Bezirksregierung durch ihre wasserrechtliche Genehmigung.

Die Investoren scheuen die Öffentlichkeit, sind da sehr empfindlich, sie bleiben anonym. Geld zu verdienen steht bei ihnen nicht unbedingt im Vordergrund. Und mit Erprobung und Herstellung der Turbine sind durchaus hehre Ziele verbunden: „Um den Energiebedarf der Welt zu decken, müssen im Hinblick auf zukünftige Verknappung der fossilen Energieträger, aber auch zur Reduzierung der Luftverschmutzung durch Kohlendioxid mit der daraus resultierenden Klimaänderung, regenerative Energiequellen erforscht und genutzt werden“, heißt es in einem Schreiben aus April, das der Redaktion vorliegt. Und mit dieser Art von Wasserkraftanlage sei ein großer Schritt der umweltfreundlichen Energiegewinnung in einem Bereich getan, wo dieses bisher nur unter großem technischem Aufwand möglich sei. Übrigens: Weitere Projekte mit Wasserkraftanlagen mit Jahresleistungen von 300 000 Kilowattstunden sind in Arbeit. - vdB

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