Mika (8) steht vor einem Lebensweg voller Hürden

+
Mika Arndt mit seiner Mutter Andrea und Perserkatze Tiffy. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Auf den ersten Blick ist Mika ein ganz normaler achtjähriger Junge: blonde Haare, Brille, vielleicht ein bisschen schüchtern. Seiner Mutter macht seine Entwicklung allerdings große Sorgen, denn bei Mika haben Ärzte das Asperger-Syndrom diagnostiziert, eine leichte Form von Autismus. Seitdem das bekannt ist, sucht seine Mutter verzweifelt nach einer Schule, die den Jungen aufnehmen kann.

Eingeschult wurde Mika vor knapp drei Jahren in einer Iserlohner Grundschule. „Dort wurde jahrgangsübergreifender Unterricht angeboten“, begründet seine Mutter Andrea Arndt, warum sie sich für diese Schule entschieden hat. Mika, der als überdurchschnittlich begabt gilt, konnte dort also als Lernanfänger bereits mit den älteren Mitschülern lernen. Bald gab es aber jede Menge Probleme – und den Verdacht, dass Mika unter dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) oder unter einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden könnte. Eine falsche Annahme, wie sich herausstellen sollte. In der Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Lüdenscheid wurde das Asperger-Syndrom diagnostiziert. Mikas Laufbahn an der Iserlohner Schule war damit beendet. „Die wollten ihn nicht behalten“, berichtet seine Mutter. Das Schulamt griff ein: Mika musste in Lüdenscheid eine Förderschule für sozial-emotional auffällige Kinder besuchen – gegen den Rat der Tagesklinik und gegen den Willen seiner Mutter. Lange ging das auch nicht gut. „In der Förderschule hatte Mika Klassenkameraden, die weder lesen noch schreiben konnten. Freundschaften haben da nicht lange gehalten“, schildert Andrea Arndt, dass ihr Sohn dort schulisch unterfordert und gleichzeitig sozial überfordert gewesen ist.

Lernspiele statt Unterricht

Im vergangenen Herbst stellte Andrea Arndt dann zusammen mit dem Jugendamt Überlegungen an, ob Mika mit Unterstützung eines Integrationshelfers an einer regulären Schule unterrichtet werden könnte. „Das wurde mehrfach abgelehnt. Seit Dezember besucht er deshalb gar keine Schule mehr“, berichtet die allein erziehende und berufstätige Mutter, die seitdem alles Mögliche unternimmt, um für ihr Kind da zu sein. Sie hat Lernspiele für Deutsch, Mathematik und Englisch besorgt, „damit er überhaupt etwas macht“. Einmal wöchentlich nimmt sie mit Mika an einer Autismus-Therapie in Bochum teil, hinzu kommt wöchentlich einmal eine Reittherapie in Lüdenscheid. Familienhund „Happy“ sollte dafür sorgen, dass Mika „unter Leute kommt“, denn der Achtjährige hat kaum soziale Kontakte. Funktioniert hat das ebenso wenig wie der Versuch, in Sportvereinen Freunde zu finden. „Er hat sich zwar verschiedenen Vereinen angeschlossen, aber mit Trainingsausfällen oder wechselnden Bezugspersonen kommt er überhaupt nicht zurecht“, schildert seine Mutter die Probleme, die auftauchen, sobald etwas in Mikas Tagesablauf nicht genau geregelt ist.

Lesen Sie auch:

Wenn das Denken einsam macht

Das Asperger-Syndrom, eine Variante des Autismus, ist bei Kindern schwer zu erkennen. Dabei könnte eine frühe Therapie die Patienten aus der Isolation befreien

(ZEIT ONLINE)

Mittlerweile sind Andrea Arndt und ihr Sohn einen Schritt weiter gekommen. Ein Integrationshelfer wurde genehmigt, der Mika dabei unterstützen soll, demnächst in der Grundschule Wiblingwerde wieder Fuß zu fassen. Wahrscheinlich muss er das dritte Schuljahr wiederholen. „Vom Unterricht hat er ja bis jetzt fast nichts mitbekommen“, weiß Mikas Mutter.

Austausch mit anderen Betroffenen

Bis der Integrationshelfer zur Verfügung steht, können allerdings noch einige Wochen ins Land gehen. Zeit, die Mikas Mutter eigentlich gar nicht hat. „Ich hänge komplett in der Luft und weiß nicht, wohin mit dem Jungen“, sagt die 37-Jährige, die in Dortmund arbeitet. Ihr Arbeitgeber habe sich angesichts ihrer familiären Probleme schon sehr kulant gezeigt, sagt sie, weiß aber auch, dass das Grenzen hat.

Und Andrea Arndt weiß auch, dass sich die Probleme nicht allein dadurch in Luft auflösen, dass Mika demnächst wieder zur Grundschule gehen kann. „Irgendwann steht ja ein Wechsel zu einer weiterführenden Schule an, und so geht das immer weiter“, sieht sie schon neue Hürden auf Mikas Lebensweg. Sie würde sich deshalb wünschen, Kontakt zu anderen Familien mit autistischen Kindern zu bekommen, um sich über Erfahrungen und Probleme austauschen zu können. Betroffene können sich an die Redaktion des Altenaer Kreisblatts (Tel. 0 23 52/91 87 23) wenden. Der Kontakt wird selbstverständlich diskret hergestellt. ▪ Volker Griese

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare