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Mieter vom Nachrodter Feld treffen sich mit ihrem „Retter“

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Die Mieter vom Nachrodter Feld kamen in der Sekundarschule zusammen, um die neuesten Informationen von Rechtsanwalt Armin Speckmann zu bekommen.
Die Mieter vom Nachrodter Feld kamen in der Sekundarschule zusammen, um die neuesten Informationen von Rechtsanwalt Armin Speckmann zu bekommen. © Fischer-Bolz, Susanne

So einen Retter in der Not möchte man gern festhalten. Am liebsten für immer. Doch die Mieter vom Nachrodter Feld müssen sich den Tatsachen stellen. Es gibt eine neue Hausverwaltung.

Nachrodt-Wiblingwerde – Das Konstrukt rund um das Treuhandkonto, das Rechtsanwalt Armin Speckmann mit den Mietern vom Nachrodter Feld auf die Beine gestellt hat, steht rechtlich auf wackeligen Füßen, und zweitens will man der neuen Hausverwaltung eine Chance geben. Stand der Dinge im Kampf der Mieter gegen ihren Vermieter, der Caesar JV Immobilienbesitz GmbH: Alle warten ab, was jetzt passiert.

Mieter skeptisch

Die Mieter sind allerdings skeptisch, glauben, dass sie mit der O.K. Haus- und Immobilienverwaltung als der neuen Hausverwaltung spätestens in drei Monaten vom Regen in die Traufe kommen werden. Nicht so Armin Speckmann: Er ist zumindest etwas guter Dinge. „Ich kann Ihr Misstrauen gut verstehen. Doch je mehr die neue Verwaltung ernsthaft ihre Aufgaben übernimmt, umso weniger kann ich vertreten, zu sagen, dass Sie ihr Geld auf das Treuhandkonto überweisen sollen“, so der Rechtsanwalt im Rahmen einer Versammlung in der Sekundarschule.

Zeit des Übergangs

Aktuell ist es eine Geschäftsführung ohne Auftrag. Dies sei so lange zu rechtfertigen, wie der Eigentümer oder der beauftragte Verwalter gar nichts, oder seine Sache sehr schlecht mache. „Es ist also eine Zeit des Übergangs“, so Armin Speckmann. Für sein Engagement hat er lediglich je 70 Euro von den Mietern bekommen, „das basiert darauf, dass die Tätigkeit dann ausläuft“, erklärte er den Mietern. Wenn die Firma O.K. aber das Handtuch werfe, müsse man sich über andere Modelle Gedanken machen. „Ich kann nicht für 70 Euro all diese Dinge managen“, gab Armin Speckmann zu bedenken.

Anwalt: „Sie sind nicht machtlos“

Das sahen die vielen geplagten Bürger, die gekommen waren, gerne ein. Aber sie machten auch ihrem Kummer Luft: „Bei der DIM ging es auch am Anfang gut“, bezweifelt eine Mieterin, dass die O.K. Hausverwaltung es nun langfristig besser macht. „Gas abgedreht, kein Wasser. Alle Menschen frieren wieder“, sehen die Bürger das nächste Unheil auf sie zurollen. Nach so vielen Jahren des ständigen Kummers sind sie offenbar komplett desillusioniert. Nur mit dem Grundzweifel müssen sie leben – oder, wenn sie das nicht können, sich eine andere Wohnung suchen. „Sie sind nicht machtlos, sie müssen da nicht wohnen“, meinte Armin Speckmann und erntete trauriges Gelächter. So einfach, da sind sich alle Mieter wohl einig, sei das nicht. Die Diskussion marschierte sodann von Hölzchen auf Stöckchen, über einen Einbruch in einen Heizungskeller und auch von fehlenden Dachziegeln, über das Problem, dass die Häuser überhaupt nicht isoliert seien, und mündete in der Frage einzelner Mieter, welche Wohnungen Hartz-4-Empfängern denn zustünden.

September-Mieten

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Die September-Mieten sollen zunächst noch auf das Treuhandkonto überwiesen werden. „Die Firma O.K. Hausverwaltung hat mir ausdrücklich gesagt, dass sie es in Ordnung findet, wenn ich die noch einsammele“, erzählte Armin Speckmann mit einem Augenzwinkern. So oder so, und das war das Versprechen des Abends, werden die Mieter vom Nachrodter Feld auch zukünftig nicht alleine gelassen. Die neue Hausverwaltung soll eine Chance bekommen. Das grundsätzliche Problem mit Caesar sei damit aber nicht vom Tisch. Sie habe laut Creditreform einen Bonitätsindex von 500 – und das bedeutet mangelhaft.

Keine Luxuswohnungen

„Wer schon 500 hat, bei dem sieht es mau aus“, so Armin Speckmann und ergänzte: „Die Immobilien, die der Firma Caesar gehören, sind mehrfach umfinanziert worden.“ Doch die Mietverhältnisse hätten auch bei einer Zwangsversteigerung Bestand. „Wer es ersteigert, muss Geld dafür geben und etwas machen wollen. Und da Nachrodt nicht die Gegend ist, in der man alte Häuser abreißt und super Luxuswohnungen baut, kann Ihnen eigentlich nichts passieren. Wir können uns eigentlich zurücklegen und abwarten“, findet der Rechtsanwalt. Geduld sei gefragt. Und Hoffnung. Denn diese stirbt bekanntlich zuletzt.

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