Mieter in Not: Vermieter zahlt Wasserrechnungen nicht

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Haben sich zusammengetan: die Mieter am Nachrodter Feld.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Mieter haben Angst: Der Vermieter hat die Wasserrechnungen nicht bezahlt, die Stadtwerke wollten den Hahn abdrehen. 

Warum müssen die Mieter am Nachrodter Feld in Angst und Schrecken leben und jeden Moment damit rechnen, dass der Hahn abgedreht wird? Der neue Eigentümer der Häuser am Nachrodter Feld ist die Caesar JV Immobilienbesitz und Verwaltungs GmbH. Warum sie die Rechnungen bei den Stadtwerken nicht bezahlt und ihre Mieter im Regen stehen lässt, konnte trotz mehrfacher Anfragen nicht geklärt werden. Die Ansprechpartner gehen auf Tauchstation. 

Fakt ist: Im Moment ist die Kuh vom Eis. Dank des großen Engagements der Mieter, dank der Unterstützung der Gemeindeverwaltung und dank der Stadtwerke Iserlohn. 

Stadtwerke wollen Wasser abstellen

Ein Aushang brachte alles ins Rollen: Zeitgleich kündigten die Stadtwerke in den Häusern der Freiherr-vom-Stein-Straße 2a und 6 an, dass die Wasserversorgung am 8. Juli eingestellt wird. „Unsere Forderungen sind in der letzten Zeit nicht beglichen worden“, hieß es. „Wir informieren Sie, um Ihnen Gelegenheit zu geben, Kontakt mit Ihrem Vermieter oder mit uns aufzunehmen.“ 

Schock. Entsetzen. Kein Wasser? Nicht duschen. Keine Toilettenspülung. Kein Essen kochen. Das bevorstehende Drama verbreitete sich in der Siedlung wie ein Lauffeuer. Sabine Keitsch, Carmen Benitez, Ali Hassallah (aus dem Haus 2a), Shirley Rost, Christian Kriebel (7), André Huckschlag (2), Silke Grote (für 6, wo die Mama wohnt) und andere Mieter setzten direkt alle Hebel in Bewegung, gründeten eine Facebook-Gruppe, telefonierten sich die Finger wund, schrieben Mails, fanden aber beim Vermieter entweder keinen Ansprechpartner oder landeten irgendwie immer durch ihre Recherchen wieder bei Adler, dem Vorbesitzer der Wohnungen am Nachrodter Feld.

Keine Hilfe vom Verwalter 

Die Mieter nehmen an, dass es sich beim neuen Eigentümer um eine Briefkastenfirma handeln könnte. Und: Die Gebäudewirtschaft Nord in Schwerin ist augenscheinlich der Verwalter der Häuser, von dem es ebenfalls bislang keine Hilfe gibt. 

„Zu dem Zeitpunkt war es 35 Grad heiß draußen. Da denkt man erst einmal an die Dusche“, sagt Silke Grote. Einige Mieter schalteten direkt einen Anwalt ein. Um zu verhindern, dass das Wasser abgestellt wird, zahlte jede Partei der Freiherr-vom-Straße 2a schließlich 100 Euro direkt an die Stadtwerke. „Dann ist die Sperrsumme definitiv weg, und für August ist auch bezahlt“, sagt Carmen Benitez. Im Mai und Juni, so sagen die Mieter, habe der Eigentümer nicht gezahlt. 

„Seit Monaten rennen die Stadtwerke hinter ihrem Geld her“, sagt Silke Grote. Sie wohnt im Haus Nummer 9. „Da hängt noch kein Schreiben, aber das dürfte nicht mehr lange dauern.“ Die Hausgemeinschaften haben sich zusammengefunden. In der Not steht man zusammen. „Bei uns sind 400 Euro offen“, sagt Shirley Rost. 

Schimmel, defekte Fenster und kein Öl

Probleme sind nicht neu im Nachrodter Feld. Der häufige Eigentümer-Wechsel brachte selten Gutes. Aus der Traum-Siedlung der 1960-Jahre, als es Wartelisten für die Wohnungen gab, ist ein Wohn-Komplex geworden, bei dem ein Kummer vom anderen abgelöst wird. Schimmel ist nur ein Thema. „Mein Badezimmerfenster kann seit acht Wochen nicht geschlossen werden. Und Öl ist auch noch nicht getankt. Wir wissen nicht, ob wir hier im Winter mit kaltem Popo sitzen“, sagt Silke Grote. 

Dass die Mieter Reparaturen selbst erledigen, weil niemand kommt und hilft, scheint an der Tagesordnung, wie André Huckschlag bestätigt. „Da geht nur der Anrufbeantworter an. Es gibt keinen Rückruf.“ Wie geht es weiter? „Das müssen wir mit dem Anwalt absprechen“, meint Carmen Benitez. „Ich werde die 100 Euro von der Miete abziehen, die wir an die Stadtwerke überwiesen haben. Nächstes Mal werden wir das Wassergeld direkt an die Stadtwerke zahlen.“ 

"Wir sind Versorger, kein Sperrer."

Rein rechtlich ist das allerdings nicht so einfach, wie Ulrich Butterschlot, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke Iserlohn, erklärt. „Theoretisch geht das, aber der Eigentümer muss zustimmen.“ Die Stadtwerke haben selbst kein Interesse an einer Sperrung. „Was hätten wir davon?“, fragt Ulrich Butterschlot. 

Sein Kollege Peter Grabowsky ergänzt: „Wir sind ein Versorger, kein Sperrer.“ Es werde immer nach Lösungen gesucht. Grundsätzlich gilt: Bezahlt ein Vertragspartner der Stadtwerke die Rechnungen nicht, gibt es drei Mahnungen und dann eine Sperrankündigung. „Wenn er sich dann nicht rührt, sind wir berechtigt zu sperren. Aber gerade bei solchen Objekten ist es uns wichtig, die Mieter zu informieren“, erklärt Butterschlot. 

Gemeinde könnte Wohnungen für unbewohnbar erklären

Auch für die Stadtwerke sei es eine missliche Situation. „Wir müssen an unser Geld kommen, denn es kann nicht sein, dass eine Schuld verallgemeinert wird. Wenn fünf oder sechs Leute damit durchkommen, gibt es 500 andere, die es nachmachen wollen.“ 

Auch Bürgermeisterin Birgit Tupat und Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz haben sich für die Mieter eingesetzt. „Es gibt das Wohnungsaufsichtsgesetz NRW. Darin steht, welche Mindestanforderung eine Wohnung haben muss“, so Sebastian Putz.

In § 4.1 sind die Anschlüsse von Energie, Wasserversorgung und Entwässerung genannt. Wenn die Mindestanforderungen nicht mehr gegeben sind, kann die Behörde – sie muss nicht – tätig werden. Die Gemeinde könnte die Wohnungen also für unbewohnbar erklären, wenn das Wasser abgedreht würde. Dann müssten die Mieter zu Verwandten, Bekannten oder ins Hotel. 

Nur der Vorbesitzer der Immobilien meldete sich: „Wir sind noch Minderheitsteilhaber, aber die Geschäftsführung liegt nicht mehr in unserer Hand“, sagte Dr. Rolf-Dieter Grass von Adler.

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