1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

Michaelskapelle: Heftiger Streit mit einem Nachbarn

Erstellt:

Von: Susanne Fischer-Bolz

Kommentare

Michaelskapelle: „Da sind teilweise Veranstaltungen gewesen, die schlichtweg nicht zulässig sind.“
Michaelskapelle: „Da sind teilweise Veranstaltungen gewesen, die schlichtweg nicht zulässig sind.“ © Fischer-Bolz, Susanne

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn nicht gefällt.“ Selten war dieses Sprichwort so passend wie in diesem Fall. Im Mittelpunkt: alle Katholiken in Nachrodt und ein einzelner Mann aus Einsal.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die „Frommen“ sind die Mitglieder der Katholischen Kirchengemeinde St. Josef, der Nachbar ist Peter Schwer, der vor etwa 30 Jahren eine Fehde mit der Kirchengemeinde begonnen und geklagt hatte – und ein Gerichtsurteil zur Nutzung der Michaelskapelle in Einsal erwirken konnte. An dem sei nicht zu rütteln, meint er noch heute. Doch sollte keine Einigung gefunden werden, wird das kirchliche Leben in Nachrodt bald „zu Grabe getragen“, da Kirche und Vereinshaus verkauft werden sollen und deshalb bald nur noch die Michaelskapelle zur Verfügung steht.

Unter den Tisch kehren

Es ist ein Dilemma, das eine Katholikin am liebsten unter den Tisch kehren würden. „Ich würde sehr ungern dieses Thema über die Presse in die Öffentlichkeit tragen“, so Sandra Schnell. Es gebe sicher andere interessante Themen, die die Redaktion aufgreifen solle, wie zum Beispiel die Aktion „Ökumenisch pilgern“, so die Pfarrbeauftragte der Pfarrei St. Matthäus Altena-Nachrodt-Wiblingwerde, die auf die Fragen der Redaktion nicht antwortete. Dabei sind viele Katholiken erschüttert. Und aufgebracht. Sie sorgen sich, dass sie ihr „Zuhause“ in Nachrodt komplett verlieren werden und für ihre Zusammenkünfte nach Altena müssen – wo sich viele, so erzählen sie, nur als Gäste fühlen. Die Folgen liegen auf der Hand. Zuhause, das ist Nachrodt. Und dort geht alles den Bach herunter. Ob Sandra Schnell die Brisanz der Lage noch nicht erkannt hat?

Wenn Kirche und Vereinshaus verkauft sind, wissen die Katholiken nicht mehr wohin.
Wenn Kirche und Vereinshaus verkauft sind, wissen die Katholiken nicht mehr wohin. © Fischer-Bolz

Kummer auf der Spur

Wenn man dem Kummer auf die Spur kommen möchte, muss man Jahrzehnte zurückgehen. Einblick verschafft Hans Wehr. „Damals war Heinz Skiba der neue Pfarrer. Wir haben die Friedhofskapelle für Familienfeiern genutzt, da wurden Silberhochzeiten gefeiert, es gab auch Kolpingveranstaltungen. Alles war relativ locker. Dann waren dort mal Jugendliche vor der Tür. Das hat Herrn Schwer gestört. Es ging um Sachen auf der Straße. Als Herr Skiba einmal dabei war und erzählte, dass er nun Jugendarbeit machen wolle und bald noch mehr Jugendliche kommen würden, ging das Drama los.“ Schließlich landeten die Kontrahenten vor Gericht. In Arnsberg. Es gab sodann aber noch jahrelang jeden Mittwoch und Samstagabend Gottesdienste. „Beerdigungen durften natürlich auch stattfinden und das Kaffeetrinken danach“, sagt Hans Wehr.

Urteil verschwunden

Das Problem jetzt: Das Gerichtsurteil ist der Kirchengemeinde abhandengekommen. Die Unterlagen sind nicht auffindbar und damit ist auch nicht klar, was tatsächlich verboten ist. Peter Schwer will das Urteil nicht zur Verfügung stellen. Er hat es zu Hause. „Es gibt ein landgerichtliches Urteil, dass es keine Michaelskapelle ist, sondern eine Friedhofskapelle. Im Urteil ist genau beschrieben, was dort zulässig ist und was nicht. Da sind teilweise Veranstaltungen gewesen, die schlichtweg nicht zulässig sind. Das ist kein Vertrag, sondern ein höchstrichterliches Urteil“, erzählt Peter Schwer der Redaktion. Auf die Frage, was nicht zulässig ist, sagt er: „Beschaffen Sie sich das Urteil, dann können Sie das nachlesen.“ Er wisse es und habe es in seinen Akten. Dass die katholische Kirche verkauft werden soll und nur noch die Michaelskapelle bleibt, spielt für Peter Schwer keine Rolle. „Darüber denke ich gar nicht nach. Das Gebiet ist reines Wohngebiet.“

Was stört?

Was ihn besonders störe, mag er nicht sagen. „Ich werde darauf achten, dass die Auflagen sehr genau eingehalten werden und nichts anderes“, so der Einsaler. Selbst wenn das Urteil 100 Jahre alt wäre, hätte es immer noch Bestand. Wenn die Kirche es für klug halte, könne sie dagegen angehen. „Ich werde mich zu wehren wissen“, sagt Peter Schwer. Eine Einigung sieht er nicht. Die Fronten sind verhärtet, was Hans Wehr sehr bedauert. „Das Gemeindeleben ist jetzt schon ziemlich kaputt, dann haben wir ein riesengroßes Problem.“ Und in der Tat ist es so. Denn seitdem das Vereinshaus in Nachrodt ausgeräumt wurde, damit die Kindergartenkinder von St. Elisabeth dort vorübergehend einziehen können, gab es Versuche einiger Gruppen, in die Michaelskapelle auszuweichen, was direkt zum Zwist führte.

„Ich weiß nicht, was er begehrt“

Einer, der nah am Geschehen ist, ist Klaus-Dieter Jacobsen, in St. Matthäus Vertreter für den Kita-Zweckverband, Kassenprüfer und im Ausschuss für Friedhöfe und Bau; Energie und Immobilien. Und ein Nachrodter. „Das Problem hat lange vor meiner Zeit begonnen, ist ewig alt. Es ist eine Friedhofskapelle und keine Kapelle. Da gibt es feine Unterschiede“, sagt er und ergänzt zum Streit mit dem Nachbarn: „Ich weiß nicht, was er begehrt. Ich kann nicht in seinen Kopf hineingucken.“ Für ein paar Veranstaltungen bekam die katholische Gemeinde Mitte dieses Jahres nun das Okay von Peter Schwer, „aber nicht grundsätzlich und nicht regelmäßig“, sagt Klaus-Dieter Jacobsen. So konnten seit Mai einige Messen, Treffen mit ukrainischen Flüchtlingen und eine Kommunion-Vorbereitung stattfinden.

Zweckverband kommt nicht vorwärts

Stand heute ist aber noch keine Entspannung der Lage in Sicht. Allerdings ist das katholische Vereinshaus jetzt vorübergehend wieder geöffnet, da die Kindergartenkinder noch nicht einziehen können. Der Kita-Neubau verzögert sich. „Der Zweckverband Kita kommt nicht vorwärts. Wir haben vorsorglich im Vereinshaus den kleinen Raum gelassen, sodass sich Gruppen jetzt bis zu 25 Personen dort treffen können“, sagt Klaus-Dieter Jacobsen. Der Kummer mit dem Nachbarn in Einsal ist nicht behoben, sondern nur verschoben.

Auch interessant

Kommentare