Rolle vorwärts in ein neues Rollenverständnis

Michael Barnowski ist einer der (noch) wenigen Männer, die als Erzieher in Kindergärten arbeiten. Hier spielt er mit den Kleinen des Awo-Kindergartens a der Geschwister-Scholl-Straße Uno.  Foto: Krumm

Nachrodt-Wiblingwerde - Die Plakatkampagne war unübersehbar im Märkischen Kreis: „12 Kerle – ein Beruf“ hieß es plötzlich am Straßenrand, und tatsächlich schauten zwölf Männer freundlich auf den Betrachter und warben für die Überwindung klassischer Rollenklischees.

Die sind im Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Nachrodt zwar schon seit längerem nicht mehr gewünscht, aber dennoch arbeiten dort neun Frauen. Doch am 10. Februar kam ein Mann hinzu: Michael Barnowski. Im Zuge eines dreijährigen Projektes „Mehr Männer in Kitas“, an dem sich der Awo-Unterbezirk Hagen – Märkischer Kreis beteiligt, kam der gelernte Erzieher nach Nachrodt.

„Für Jungen ist es wichtig, im Alltag auch mal einen Mann zu erleben“, nennt Anne Alban, Leiterin der Awo-Einrichtung an der Geschwister-Scholl-Straße, den wichtigsten Grund für die Kampagne. Für sie war deshalb klar, dass sie gerne einen Mann einstellen würde, als es um die Besetzung einer freien Stelle ging. Sie nennt die Gründe für die mangelnde Präsenz von Vätern in vielen Familien: Alleinerziehende sind meistens immer noch Mütter, und selbst in jenen Familien, in denen die Väter noch da sind, haben diese oft nur begrenzt Zeit, sich um ihre Kinder zu kümmern. Gewerkschaftliche Forderungen nach kürzeren Arbeitszeiten sind längst zurückgetreten zugunsten höherer Lohnforderungen. Das Konzept „alleinerziehender Vater“ hingegen sei einem Vater völlig unbekannt gewesen, berichtet Anne Alban aus ihrem Kindergarten-Alltag.

Vorbehalte gegenüber Männern als Mitarbeiter in Kindertagesstätten seien zwar zurückgegangen, aber immer noch nicht ganz verschwunden, berichtet Anne Alban weiter. Als ein Mann als Praktikant im Kindergarten auftauchte, habe eine Mutter darum gebeten, dass dieser nicht mit ihrem Kind auf die Toilette gehe, nennt sie ein Beispiel. Die Mannschaft des Awo-Kindergartens bot deshalb nach Michael Barnowskis Start in Nachrodt eine Informationsveranstaltung an. Weil es dafür nur vier Anmeldungen gab, fiel diese kurzfristig aus. Anne Alban will aber dennoch das Gespräch mit den interessierten Eltern bei einem gemeinsamen Frühstück suchen.

Michael Barnowski selber zögert keinen Moment mit der Antwort auf die entscheidende Frage für eine Berufswahl: Natürlich mache ihm die Arbeit Spaß. Dafür nehme er auch die relativ magere Bezahlung in Kauf. Mit 16/17 Jahren („In der Zeit, in der man sich solche Gedanken macht.“) habe er auch über den Beruf eines Erziehers nachgedacht. Es folgte ein Fachabitur am Berufskolleg in Iserlohn, ein freiwilliges soziales Jahr im Altenheim, die Betreuung einer Wohngruppe und ein Jahrespraktikum in der Offenen Ganztagsschule der Regenbogenschule in Hemer. Darauf folgte ab 2010 die Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher – ein Beruf, der erheblich vielseitiger ist als der gute alte „Kindergärtner“.

In Nachrodt haben nun beide Kindertagesstätten des Familienzentrums Nachrodt-Mitte mit Yasin Cakmak einen Mann in ihren Reihen, denn auch der katholische St. Elisabeth-Kindergarten beschäftigt einen Mann. Die Zahl könnte weiter steigen: Anne Alban jedenfalls kann sich durchaus vorstellen, dass bei der nächsten Stellenbesetzung im Awo-Kindergarten erneut ein Mann zum Zuge kommt. - Thomas Krumm

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