Nach 116 Jahren

Besiegelt: Männerchor vor dem Aus

MGV Frohsinn aus Nachrodt
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Der MGV Frohsinn aus Nachrodt löst sich auf

Nach 116 Jahren ist Schluss. Der Männergesangverein (MGV) Frohsinn in Nachrodt wird zum Jahresende aufgelöst - aus mehreren Gründen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Diie Mitglieder beschlossen in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Auflösung des Chors. „Mir hat der Chor immer sehr viel gegeben. Als ich nach Nachrodt kam, ging es mir nicht gut. Der Chor fing mich auf“, erzählt Otto Mattke, Pressesprecher des MGV. Er ist sichtlich bewegt. Denn der Chor war immer seine „Frohsinn-Familie“. Doch genau die gibt es nun nicht mehr.

Dass der Moment irgendwann kommen würde, war jedem Sänger klar. Dass es aber so schnell gehen würde, war dann doch eine Überraschung. Im vergangenen Jahr feierte der Chor noch sein 115-jähriges Bestehen. Und die Sänger brillierten beim Weihnachtskonzert in der evangelischen Kirche mit einem nahezu perfekten Auftritt – einem der besten in der jüngeren Vereinsgeschichte.

Nachwuchs fehlt, viele ältere Sänger

Dass das der letzte öffentliche Auftritt sein würde, damit hatte damals niemand gerechnet. Gut, die Reihen wurden schmaler, die Sänger älter, aber ein Ende? „Wir singen, bis es nicht mehr geht. Aber wir müssen realistisch sein, wir werden nicht jünger, der Nachwuchs fehlt. Der Moment wird kommen“, sagte Jürgen Huwig im vergangenen Jahr noch anlässlich des Vereinsjubiläums.

„Es ist eine Verkettung aus vielem“, erklärt Otto Mattke die Entscheidung der Sänger, den Chor aufzulösen. Einen großen Einfluss habe natürlich auch Corona. „Wir haben uns gefragt, ob es Sinn macht, nach der Pandemie noch einmal anzufangen, oder ob man jetzt nicht einfach aufhören sollte“, berichtet der Pressewart.

Vorsitzender: Nachfolge schwierig

Hinzu kommt, dass der Vorsitzende Werner Griesel am 5. September sein Amt niederlegte – aus gesundheitlichen Gründen. „Wir mussten uns also auch ernsthaft fragen, ob wir in der Lage sind, einen neuen Vorstand zu stellen“, erklärte Otto Mattke. Die Mitglieder waren sich einig, dass das nicht gelingen wird. Die Konsequenz: das Ende einer Chor-Ära in der Gemeinde.

Doch ganz ohne die Gemeinschaft und ohne das Singen möchte die Frohsinn-Familie nicht in die Zukunft schreiten. So sei geplant, einen Chor-Stammtisch zu implementieren. Die Räume des Gemeindehauses dürften dafür weiter genutzt werden, und sicherlich werde dann auch mal gesungen.

„Wir sind einfach alt“

„Wir werden sehen, wie das klappt. Wir sind einfach alt und viele leider auch krank. Aber es wäre unser Wunsch, dass es erst einmal so weiter geht.“

Eine Kooperation mit einem anderen Chor – beispielsweise dem MGV Wiblingwerde – lehnten die Nachrodter schon immer ab. „Ein Chor ist nicht einfach ein Chor. Klar, wir haben uns immer gegenseitig unterstützt. Das könnten wir gegebenenfalls sogar weiter tun. Aber das ist etwas anderes“, sagt Otto Mattke.

Stammtisch für Sänger geplant

Nun wolle man erst einmal probieren, sich als Stammtisch zu treffen – so lange es geht. Denn eines ist den Sängern auch nach der Vereinsauflösung wichtig: die Freundschaft unter den Sangesbrüdern.

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