Fanatischer Judenhasser und Mann derber Worte:

Mensch, Martinus: Bilder und Geschichten über Luther

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Uwe Birnstein mit typischen Luther-Geschenken aus dem 500. Reformationsjahr.

Nachrodt-Wiblingwerde - Uwe Birnstein ist von den Entwicklungen in der Reformationsdekade sehr angetan: Erst am Wochenende sendeten Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, und Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, ein Zeichen der ökumenischen Versöhnung in die Welt. Martin Luther hatte gar nicht vor, die Kirche zu trennen, als er seine Thesen schrieb…

Uwe Birnstein lieferte am Montagabend ein heiteres Porträt über den Wittenberger Theologen, der auch jede Menge streitbare Ansichten hatte. Luther äußerte sich den Frauen gegenüber oft verächtlich, hegte aber offenbar doch eine sehr tiefe und respektvolle Liebe seiner ,,Käthe“ gegenüber.

Mehr als 40 Zuhörer folgten den Ausführungen des Referenten.

Das Leben als Abtrünnige innerhalb verfestigter katholischer Kirchenstrukturen prägte beide. Aber schon Luthers Kindheit und Jugend waren ausschlaggebend für sein Andersdenken. ,,Er war streng und strafend erzogen worden von seinem Vater. Er selbst aber glaubte an die Vergebung und Gottes Güte.“ Gelebt hat Luther jene Verzeihung nicht: War er zu Beginn seiner theologischen Arbeit noch fest davon überzeugt, als Katholik direkter Nachfolger des Judentums zu sein, entwickelte er im Laufe seines Lebens einen unstillbaren Hass gegen Angehörige dieser Religion. ,,Wie das so weit kommen konnte, ist nicht eindeutig überliefert“, erklärte Referent Uwe Birnstein den mehr als 40 Zuhörern im evangelischen Gemeindehaus Nachrodt, die sich für seinen Vortrag ,,Mensch Martinus - Warum uns Luther zu Herzen geht“, interessierten. Bekannt sind bis heute nur wenige persönliche Kontakte zwischen Luther und Juden.

Vernichtendes Manifest

Diese reichten aber offenbar aus, Luther ein vernichtendes Manifest verfassen zu lassen, das Jahrhunderte später noch Grundlage für die Massenvernichtung durch die Nationalsozialisten sein sollte. Auf das brisante Thema ,,Luther und die Juden“ wird die evangelische Gemeinde Nachrodt am 6. April noch genauer eingehen. Und auch am 12. Juni wird der Reformator noch mal Thema sein bei der Veranstaltung ,,Luther aus katholischer Sicht“, die in Zusammenarbeit mit der katholischen St. Josef-Gemeinde stattfinden wird.

Katholiken und Protestanten

Katholiken und Protestanten können heute friedlich an einem Tisch sitzen, doch die Gräben, die Luther mit seinen Flugblättern auftat, sind bis heute nicht gänzlich überwunden. ,,Es war nie Luthers Ziel, eine neue christliche Religion zu schaffen. Dass sich aus seinem Wirken der Protestantismus entwickelte, hat sehr an ihm genagt“, so Uwe Birnstein. Der Bremer Theologe und Journalist, der heute selbst in Wittenberg lebt, hat sich viel mit Luthers Zitaten der Verärgerung beschäftigt. Wie streitbar er zu seiner Zeit vor 500 Jahren gewesen sein muss, bezeugen bis heute Flugblätter seiner Gegner: Die verkündeten noch zu Lebzeiten Luthers dessen Tod: Über seinem Grabe schwebe der Geruch von Schwefel… Luther, tatsächlich dem Tode durch viele schwere Erkrankungen nah, holte noch mal zum Gegenschlag aus mit einer Klarstellung. Dass er Leiden wie Gicht und Harnsteine selbst verursacht hatte durch zu fette Speisen und übermäßigen Konsum von Käthes selbst gebrautem Bier, nahm er gar noch mit Humor: ,,Den Maden will ich einen fetten Doktor zum Fraß geben“, schrieb er nieder, als er sich dem Tode geweiht fühlte.

Lutherdenkmal in Wittenberg.

Uwe Birnstein legt Wert darauf, dass in der Reformationsdekade zum Jubiläum der Mensch Luther ins Blickfeld rückt. ,,Manche verehren ihn wie einen Heiligen. Das war er bestimmt nicht.“ Lohnenswert ist ein Blick auf sein Wirken aber allemal: Vielleicht bei einem Besuch des Reformationstrucks, der aktuell Europa bereist. Oder beim evangelischen Kirchentag in Wittenberg, dessen zentraler Abschlussgottesdienst diesmal mit hunderttausenden Gästen auf den Elbwiesen stattfindet. Oder beim Zentralen Festgottesdienst zum Reformationstag in Wittenberg, der die Weltausstellung ,,Tore der Freiheit“ vorangeht.

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