Kein Theaterstück, sondern eine Begegnung

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Die Mädchen und Jungen der 4a der Grundschule Nachrodt kamen von Beginn an mit den Akteuren ins Gespräch

Nachrodt-Wiblingwerde - Was fühlt sich schön an? Kitzeln vielleicht. Manchen gefällt es, anderen nicht. Und wenn Oma auf den Mund küsst? Finden einige Kinder das völlig okay, andere nicht. Es gibt Berührungen, die Kinder – und natürlich auch Erwachsene – nicht wollen. Aber trauen sie sich auch, das zu sagen?

Davon und wie man auf sie reagiert, handeln die Spiel- und Interaktionsszenen von „Mein Körper gehört mir!“. Aktuell sind Steffi Barleben und Joeri Burger von der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück in der Grundschule Nachrodt und auch in der Grundschule Wiblingwerde.

 24 Jahre gibt es das Programm bereits. Eigentlich hat es einen „langen Bart“ – und doch ist es aktuell wie eh und je. „’Mein Körper gehört mir’ wurde natürlich immer wieder aktualisiert und der Zeit angepasst. Vor 24 Jahren hat beispielsweise noch niemand an das Internet gedacht“, sagt Joeri Burger. Seit fünf Jahren ist er gemeinsam mit Steffi Barleben unterwegs, um das dreiteilige Präventionsprogramm den Dritt- und Viertklässlern vorzustellen. In Nachrodt sind es gerade die Mädchen und Jungen der 4a, die sich mit Ja- und Nein-Gefühlen beschäftigen.

Da lacht er noch. Doch gleich mag Joeri die Massage gar nicht mehr.

 Sehr geschickt, spielerisch, witzig und sehr sympathisch kommen die Akteure daher, die es mühelos schaffen, die Kinder von sehr einfachen Themen in sehr komplexe mitzunehmen. Es ist kein Schauspiel, sondern eine Unterhaltung mit Spiel. Es ist kein Theaterstück, sondern eine Begegnung. Dabei stehen kleine Geschichten im Mittelpunkt. Als Steffi mit einem Massageroller den Rücken von Joeri bearbeitet und dieser erst sehr begeistert und wenig später sehr entsetzt ist, wissen die Mädchen und Jungen genau, was mit dem Nein-Gefühl gemeint ist. Doch Joeri schafft es auch nicht im ersten Anlauf, seine Wünsche deutlich zu formulieren. Stattdessen flucht er und nennt Steffi eine blöde Kuh. Beim zweiten Anlauf klappt es sehr viel besser. „Ich möchte das nicht. Es tut mir weh.“

Und dadurch, dass die Kinder mitdenken, mitfühlen und mitreden entwickeln sich die Spielszenen nicht von „oben herab“, sondern direkt auf Augenhöhe. Dass die Mitglieder der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen und die Kinder mit „härteren Problemen“ konfrontieren, sondern ihr Programm liebevoll aufbauen, bringt Vertrauen.

Aber natürlich drehen sich die Szenen von „Mein Körper gehört mir“ mehr und mehr um Situationen, in denen die körperlichen Grenzen von Kindern überschritten und verletzt werden und thematisieren Facetten sexueller Gewalt. Dabei sind sie nah am Alltag erzählt. So können die Kinder leicht nachvollziehen, wie andere Jungen und Mädchen ihre Nein-Gefühle erkennen. Und sie können beobachten, wie sie Hilfe suchen und finden - bei der Mutter, die zuhört, beim Hausmeister, der die Polizei einschaltet, und bei der Lehrerin, mit der sich offen über alles reden lässt. Schwere Kost sehr gut verdaulich. „Wenn du ein Nein-Gefühl hast, geh’ zu jemandem und erzähl ihm davon.“ So lautet die wichtigste Botschaft.

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