Ein Meer von gelben Glocken auf Gut Grennigloh

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Auch Hummeln finden Gefallen an den gelben Blüten. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Abgeschieden und gerahmt von uralten Baumriesen, liegt das Gut Grennigloh auf dem Bergrücken, beschaulich zwischen Lenne- und Nahmertal – ein Hingucker zu jeder Jahreszeit. Doch im März, wenn die warme Frühlingssonne die Natur zum Sprießen bringt, bietet die Obstwiese hinterm Gutshof ein besonders farbenprächtiges Bild.

Ein Meer von gelben Wildnarzissen entfaltet seine Schönheit in voller Pracht, ein einzigartiges Naturschauspiel im Südzipfel der Doppelgemeinde. Seit Menschengedenken schon, so Margarete und Peter Dresel, die den herrschaftlichen Hof heute bewirtschaften, bevölkern die fröhlichen, sonnigen Narzissen das Wiesengelände. Mal mehr und mal weniger, je nach Strenge der Winter. Ein Anblick zum Träumen und zur Muße auf dem ohnehin romantisch gelegenen Hof, der auf eine lange Vergangenheit zurückblickt. Für das Haupthaus wird das Baujahr 1553 angegeben, so Peter Dresel. Er besitzt einen Türstein mit der Jahreszahl 1554.

Mehr Fotos von der Wildnarzissenwiese:

Wildnarzissenwiese auf Gut Grennigloh

In Familienbesitz ist das stattliche Anwesen seit 1695. Damals erwarb Johann Dietrich Baltes von Dresel, Besitzer der Lauenscheider Mühle bei Heedfeld, kurz vor seinem Tode für 400 Taler das Gut und machte es seinem Sohn Thomas Dietrich zum Erbgeschenk. Thomas Dietrich Dresel wurde somit zum Urvater der Dresels im Kirchspiel Wiblingwerde. Um stetige Verschönerung bemüht, erbaute dessen Sohn Johann Peter 1727 den bedeutenden Kornspeicher und einer der Dresels war es auch, der die Wildnarzissenzwiebel in die Obstwiesen einbrachte.

Ihr Name leitet sich vom griechischen Wort „narkein“ ab, was „betäuben“ bedeutet und sich auch im medizinischen Begriff „Narkose“ wiederfindet. Und tatsächlich: Die Narzisse, die auch in Griechenland wächst, strömt einen sehr intensiven und betäubenden Geruch aus. Narzissen zählen zur Pflanzengattung der Amaryllisgewächse und werden im Sprachgebrauch auch häufig Osterglocke genannt. Ihr natürlicher Verbreitungsschwerpunkt liegt in Südwesteuropa und Nordwestafrika. Gemeinsam mit Tulpen und Hyazinthen gehören sie zu den wichtigsten Blütenprachtpflanzen im Frühjahr. Sogar der Pfarrer und Kirchenlieddichter Paul Gerhardt widmete ihnen eine Strophe seines bekannten Sommerliedes „Geh aus mein Herz und suche Freud“: „Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide“, heißt es da.

Hohe Wertschätzung erfuhren die Narzissen auch im Vorderen Orient, was sich durch einen Mohammed zugeschriebenen Ausspruch ausdrückt: „Wer zwei Brote hat, verkaufe eines und kaufe sich Narzissenblüten dafür; denn Brot ist nur dem Körper Nahrung, die Narzisse aber nährt die Seele.“

Und genau dieses Bild vermittelt das Narzissenfeld auf Gut Grennigloh dem staunenden Betrachter. Ein strahlendes Gute-Laune-Blütenmeer nach den farblosen, kargen Wintermonaten vermittelt einem jedem Naturliebhaber Glücksgefühle. Abpflücken und Einvasen der Frühlingsblüher gibt es, trotz der unzähligen fröhlich leuchtenden Köpfchen rundum, daher auch für Margarete Dresel nicht: Sie genießt die Schönheit dieser Pflänzchen von ihrem Wäscheplatz am Rande der Obstwiese aus, wo ihr das gelbe Blumenmeer im wahrsten Sinne des Wortes zu Füßen liegt. ▪ UT

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