Wenn die Laternen leuchten und die B236 außen vor ist

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St. Martin konnte mit seinem Pferd den Martinszug nur ein kleines Stück begleiten 

Nachrodt-Wiblingwerde -  So ganz glücklich waren die Organisatoren nicht. Aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Die katholische Kirchengemeinde hatte zu ihrem traditionellen St.-Martins-Umzug eingeladen. Allerdings musste die Strecke verändert werden. Zudem begleiteten Polizei und Feuerwehr den Zug nicht mehr. Traditionen verändern sich.

„Wir dürfen leider nicht mehr über die Bundesstraße. Dafür gab es keine Genehmigung“, so Johannes Fischer.

Jahrzehnte startete der Zug an der Grundschule und führte zunächst über die Ehrenmalstraße, dann über die Bundesstraße bis zur katholischen Kirche. Die B236 wurde für den Lichterzug gesperrt – immer etwa zehn Minuten lang.

 „Im vergangenen Jahr hatten wir klare Vorgaben, mit welchen Schildern, mit welchen Beleuchtungen die Bundesstraße gesperrt werden musste. Das haben wir selbst gemacht. Und Feuerwehr und Polizei haben mit ihren Fahrzeugen und Blaulicht unterstützt“, erzählt Hans Wehr. Für die straßenverkehrsrechtliche Anordnung des Kreises, die Bundesstraße nicht mehr zu nutzen, zeigt er Verständnis – wenn auch alle Beteiligten nicht gerade Hurra schreien.

 „Es müssen immer mehr Absicherungen getroffen werden und es werden immer mehr Verantwortlichkeiten überprüft“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat zum Thema – und findet es schade, wenn Brauchtum und Traditionen deshalb auch erheblich eingeschränkt werden. Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz erarbeitete mit den Verantwortlichen deshalb eine Lösung.

Der Martinszug führte nun über die Treppen, die hinter der Physiopraxis Zagilis hinab zur Kirche führen. Leider kein barrierefreier Weg. Doch die Alternative, den Zug über den schmalen Gehweg an der Bundesstraße zu lotsen, hätte noch mehr Probleme bereitet.

 „Es ist alles gut gelaufen. Ich habe den Weg noch zusätzlich ausgeleuchtet. Und die Leute, die mit Kinderwagen unterwegs waren, oder auch die älteren Gäste, haben sich alle gegenseitig geholfen. Niemand hat geschimpft. Das Pferd konnte natürlich nur bis zur Treppe und wurde dann wieder verladen“, erzählt Hans Wehr. Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz sperrte unterdessen mit einer Schranke und einem quergestellten Dienstwagen der Gemeinde die Ehrenmalstraße – an der Ecke Sparkasse – ab, so dass keine Fahrzeuge von der Bundesstraße in den Zug hätten rauschen können. „Und trotzdem haben Autofahrer versucht, dort durchzukommen“, sagt Sebastian Putz.

 Übrigens: Es gibt durchaus Gründe, warum Feuerwehr und Polizei erstmals beim Martinszug nicht dabei waren. „Das war keine böse Absicht der Feuerwehr. Wir halten uns einfach an rechtliche Vorgaben“, sagt Gemeindebrandinspektor Mark Wille. Bislang sei die Feuerwehr als Brandsicherheitswache dabei gewesen und habe auch mit einem Bulli die Bundesstraße abgesichert. Das dürfe man nicht mehr, das Risiko sei einfach zu groß. In diesen Zeiten, in denen Menschen ihre Autos oder Lkw zur Waffe umfunktionieren, steht die Sicherheit der Menschen auch bei kleinen Martinszügen in einer kleinen Gemeinde an erster Stelle.

„Unsere Anregung war es schon immer, den Gefahrenpunkt Bundesstraße aus dem Martinszug herauszunehmen“, sagt Polizeihauptkommissar Reinhard Raffenberg. „Wer weiß, welche Spinner unterwegs sind.“ Eine Polizei-Begleitung sei nun nicht mehr erforderlich.

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