Marodes Amtshaus: Sanierung kostet Millionen

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Völlig entkernt: der Keller des Amtshauses.

Nachrodt-Wiblingwerde – Ob Abriss oder Sanierung: Das Amtshaus kostet die Gemeinde Millionen. Doch es gibt eine favorisierte Lösung.

Nicht nur über Gutachten brüten, sondern die Probleme direkt vor Ort anschauen und ein gutes Gespür für die richtigen Entscheidungen bekommen: Das ist das Ziel der Immobilienbereisung. Initiiert von der CDU-Fraktion, schauen sich die Kommunalpolitiker aktuell mit Fachleuten die gemeindeeigenen Gebäude an. 

Komplett sanierungsbedürftig ist das Amtshaus. Die bildschöne Fassade täuscht. Das Amtshaus liegt mehr oder weniger in Schutt und Asche, muss vom Keller bis zum Dach saniert werden. 

Zwei Probleme zu lösen

Der Keller – einst ein typischer Kohlenkeller, später ein Bürotrakt – ist längst entkernt. Es sind jetzt dort zwei Probleme zu lösen: die aufsteigende Feuchtigkeit im Bereich der Bodenplatte und Wände, die keine Abdichtungen von außen haben.

 „Als Lagerflächen kann man es wieder herrichten, aber nicht als Büroräume“, meint Ingenieur Holger Selve und diskutierte mit den Kommunalpolitikern sehr intensiv die Situation vor Ort. 

Das alte Treppenhaus mit den Wartebänken auf halber Strecke soll erhalten werden. Allerdings würden die Fliesen der 1970er Jahre entfernt. Auch das schauten sich die Kommunalpolitiker an.

Dabei ging es natürlich auch um die Dämmung und um den Putz. In einem Kellerraum würde der Aufzug enden, der bis ins Dachgeschoss ins ehemalige Büro des Bauamtsleiters fahren könnte. 

Kosten: geschätzt vier Millionen Euro

Sanierung statt Neubau an anderer Stelle: Das ist augenscheinlich der Favorit. Nur Ronny Sachse (SPD) meinte: „Wir sanieren ein altes Gebäude. Es wird kein Neues werden. Platztechnisch müssen wir mit einem Anbau kalkulieren. Ein Neubau hätte auch gewisse Vorteile.“ 

Vier Millionen Euro stehen im Raum für eine Sanierung, ebenso für einen Neubau. „Wir werden hier natürlich auf einige Büroräume verzichten müssen, die an anderer Stelle geschaffen werden müssen“, sagte Bauamtsleiter Dirk Röding. 

Zwei Standorte unsinnig

Tatsächlich waren einige Räume bisher so klein – wie das ehemalige Büro von Jürgen Röll –, dass die Bedingungen nach einer Sanierung erheblich verbessert würden. Und so ist ein Anbau im Gespräch, auf der Seite des aktuellen Haupteingangs. 

Denn dass sich die Verwaltungsmitarbeiter auf zwei Standorte verteilen – zum Beispiel im Amtshaus und in der Hagener Straße 96 – sei unglücklich. „Aus den Erfahrungen mit den Containern ist das eher ungünstig. Wir sind eine kleine Mannschaft, bei der jeder mit jedem reden muss, sonst läuft der Laden nicht“, meinte Dirk Röding. 

Ortsprägend: Fassade soll bleiben

Seit 1987 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Es wurde 1898 gebaut und ist seit 1907 Sitz der Gemeindeverwaltung. Dass das Amtshaus ein ortsprägendes Gebäude ist und durch die Fassade begeistert, steht für alle Beteiligten außer Frage. Diese soll und wird nach einer Sanierung bleiben – inklusive bunter Fensterverglasung. 

Soll erhalten bleiben: die ortsprägende Fassade

Vom Keller ins erste Geschoss und unters Dach: Die Kommunalpolitiker sahen fast allerorts aufgerissene Böden. Zu entdecken waren keine Balken, sondern Bohlen, gute 20 Zentimeter hoch und fünf Zentimeter breit, die senkrecht gestellt wurden. „Das ist relativ selten“, sagte Holger Selve. 

Die Tragfähigkeit sei dadurch begrenzt. Der Boden hat in einigen Räumen nachgegeben, ist „krumm und schief“. Die Frage jetzt: „Machen wir Betondecken oder Holzbalkendecken rein?“, fragte Holger Selve. Das muss mit dem Statiker besprochen werden. 

Zeitplan im Kopf

Holger Selve hat den kompletten Sanierungsplan längst vor Augen. „Wenn wir morgen anfangen, sind wir nächstes Jahr fertig. Wenn wir ein allumfassendes Go hätten, dann wären für die Planungsphase noch sechs bis acht Wochen nötig, für die Ausschreibung sechs Wochen und für die Bauzeit noch mal von Frühjahr bis Herbst."

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