Interview SPD-Ratsherr Matthias Lohmann

Lennebrücke: Sanierungszeit ist einfach zu lang

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Stein des Anstoßes: Die marode Lennebrücke an der B 236.

Nachrodt-Wiblingwerde -Ratsherr Matthias Lohmann (SPD) bringt sich immer wieder in die Diskussion um die marode Lennebrücke an der B 236 in Fachausschuss-Sitzungen oder im Rat ein. Der heute als Schulleiter tätige Wiblingwerder hat selbst viele Jahre bei einem südwestfälischen Unternehmen als Anwendungstechniker für Injektionssysteme im Hoch- und Tiefbau gearbeitet, wechselte dann an das Institut für Massivbau der Universität Essen wo er während seiner Studienzeit zunächst als Laborant, später als Labor-Ingenieur und Sachverständiger, Zulassungsprüfungen für Injektionssysteme durchgeführt und deren Anwendungen überwachte.

Sie werfen Straßen.NRW vor, nicht nach dem Stand der Technik temporär zu sanieren. Was meinen Sie damit konkret?

Matthias Lohmann: Bis Montag, den 10. April 2017, hat Straßen.NRW das Befahren der Lennebrücke tatenlos zweispurig geduldet. Die Brücke müsste also nur auf dem Stand der Technik soweit ertüchtigt werden, dass sie dem Zeitraum bis zum Abschluss eines Brückenneubaus standhält. Auf meinen Hinweis aus der letzten Ratssitzung hat die Bürgermeisterin Kontakt zum Institut für Massivbau der Universität Essen-Duisburg aufgenommen. Sofort wurde ihr ein Beispiel benannt (Brücke Pirk), bei dem durch Injektionsverfahren mit Zementsupensionen Pfeiler einer viel größeren Brücke von vergleichbarer Bauart ertüchtigt wurden.

Was folgte?

Matthias Lohmann (SPD) kritisiert Straßen.NRW scharf.

Lohmann: Mit dieser Aussage konfrontiert, erwidert Straßen.NRW der Bürgermeisterin, damit würde ein undefiniertes statisches System geschaffen. Wie bei jedem anderen Bauwerk dieser Bauart wird für solch ein System eine Statik auf der Basis von Wissen und Annahmen erstellt. Die Annahmen lassen sich durch Prüfungen und Messungen untermauern. Es gibt die Möglichkeit mit neuen moderne Verfahren „geschützte Bohrkerne“ zu ziehen. Sowohl vor, wie auch nach der Sanierung und so den Nachweis der Verstärkung zu erbringen.

Gibt es dafür Referenzen?

Lohmann: Bei google zum Beispiel „Brücke Pirk“ eingeben. Diese Brücke wurde von der Firma Rödl saniert.

Wie sieht Ihrer Einschätzung nach die Kostensituation aus?

Lohmann: Die Kosten werden sich auf mehrere hunderttausend Euro belaufen. Das steht aber in keinem Verhältnis zu dem volkswirtschaftlichen Schaden der durch die Rückstaus an der LSA verursacht wird.

Sie haben - vermutlich eher im Eifer des Diskussionsgefechtes im Plan- und Bauausschuss gesagt, „Straßen.NRW schicke ich sämtliche Fachleute dieser Welt auf den Hals.“ Was meinten Sie damit konkret?

Lohmann: Für die Brücke brauchen wir nur „einen“ Sachverständigen. Der zeigt eine Lösung auf, zum Beispiel das Institut für Massivbau der Universität Essen-Duisburg. Ansprechpartnerin Dr. Angelika Eßer. Fachleute zur Bewertung des volkswirtschaftlichen Schadens sind zum Beispiel die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer, der Märkische Arbeitgeberverband, die Agentur Mark und nicht zuletzt die Agentur Südwestfalen. Gerade mit dem Marketingpreis Südwestfalen ausgezeichnet, wird die Agentur Südwestfalen erklären können, welchen Imageverlust die Region durch diese Verkehrskatastrophe erfährt. Unsere Brücke ist eines der Nadelöhre in die drittstärkste Wirtschaftsregion Deutschlands mit 150 ausgewiesenen Weltmarktführern. Die Außenwirkung der einseitigen Brückensperrung ist für den Technologiestandort eine Blamage.

Sie stellen immer wieder die Frage der Verträglichkeit dieser Behelfslösung in Richtung Industrie des Lennetales. Gab es da bereits Rückmeldungen an Ihre Person/Fraktion?

Lohmann: Bei meiner letzten Sitzung in der SIHK wurde ich konkret angesprochen. Sowohl auf den primär monetären Schaden, als auch auf den Imageschaden. Die Bürger sind über die jetzige Lösung entsetzt. Vor allem mit der Aussicht, diese auf Jahre hin akzeptieren zu sollen.

Wie bewerten sie den von Bürgermeisterin Birgit Tupat bestätigten Fakt, dass Straßen.NRW in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten offenbar keine Grundstückverhandlungen geführt hat. Hat da nicht auch „die Politik“, also der Gemeinderat, zu lange die Hände in den Schoß gelegt?

Lohmann: Es handelt sich bei der Brücke um ein Bauwerk einer Bundesstraße. Damit sind schon alle Zuständigkeiten geklärt. Die Brücke wird vorrangig von Durchgangsverkehr genutzt. Die Gemeinde kann und darf an dem Bauwerk nichts ausrichten. Natürlich hätte man mehr Druck machen können. Aber es lief doch! Bis Montag, den 10. April.

Was werden Sie persönlich/ihre Fraktion jetzt tun?

Lohmann: Mit Nachdruck nachfragen. An der einen oder anderen Stelle wundern. Ich werde meine Kontakte zu den o.g. Organisationen nutzen, um auf die Misere aufmerksam zu machen.

Wann rechnen Sie mit der Fertigstellung der sanierten Brücke? 

Lohmann: Meine Glaskugel habe ich leider nicht zur Hand. Straßen.NRW leidet unter eklatantem Personalmangel. Nicht weil es keine Ingenieure gibt, sondern weil Ingenieure in der Industrie und in anderen Aufgabenbereichen viel, viel besser bezahlt werden. Das Land muss zur Besoldung solch nötiger Arbeitskräfte dringend nachbessern. Woher kamen eigentlich die ganzen Ingenieure, die Ende der sechziger Jahre alle Brücken der A45 mehr oder weniger gleichzeitig gebaut haben?

Durch die Staus, verursacht durch die einspurige Verkehrsführung, werden nun noch mehr Autofahrer "Abkürzungen" und Umfahrungsmöglichkeiten auf den schon jetzt maroden Nebensträßchen suchen. Den daraus folgenden Schäden an diesen Gemeindestraßen nimmt sich Straßen NRW nicht an. Das haben sie schon angekündigt. Die jetzige Misere der einspurigen Verkehrsführung auf der Brücke, ist durch jahrelanges "Wegschauen" des Landes verursacht. Bei den dadurch verursachten Schäden an unseren Gemeindestraßen schaut das Land nun wieder weg. Wie geht dieses Land mit unserer Gemeinden um?

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