Marode Gerätehäuser: Feuerwehrkräfte in Gefahr

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Das Gerätehaus in Nachrodt ist ein absoluter Sanierungsfall.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die beiden Gerätehäuser sind so marode, dass sie die Retter in Gefahr bringen. Für Nachrodt gibt es eine Idee, für Wiblingwerde aber noch nicht.

„Die festgestellten Mängel sind so gravierend, dass eine sofortige Nutzungsuntersagung der beiden Standorte durch die Unfallversicherungsträger jederzeit denkbar wäre.“ Das ist der alles entscheidende Satz, der im neuen Brandschutzbedarfsplan auf Seite 74 steht. 

Und er bedeutet: Die Gerätehäuser der Feuerwehr in Nachrodt und Wiblingwerde müssen dringend saniert – oder gleich abgerissen – werden. „Die Mängel stellen eine erhebliche Gefährdung für die Einsatzkräfte dar und müssen kurzfristig beseitigt werden.“ Neubauten wurden auch während der Immobilien-Bereisung im vergangenen Jahr diskutiert. 

77 Seiten. So umfangreich ist der neue Brandschutzbedarfsplan der Gemeinde, der gerade beschlossen wurde und bis 2023 gilt. Darin geht es um vieles mehr als um die Gerätehäuser, wenn auch diese für die Entscheidungen der Politik in den nächsten Wochen nicht unerheblich sein dürften. 

Lange Mängelliste

Bei der Begutachtung des Feuerwehrgerätehauses in Nachrodt zeigten sich Feuchtigkeitsschäden am Gebäudesockel. Ein Leimbinder des Daches hängt durch. Der Sturz der Hallentore ist zu tief. Eine Geschlechtertrennung im Bereich der Umkleiden ist nicht gegeben. Die fehlenden Büroräume widersprechen der Datenschutz-Grundverordnung. 

Es gibt keine Waschplatte vor dem Gerätehaus, ein Anschluss an einen Ölabscheider ist ebenfalls nicht vorhanden. Das Gerätehaus Nachrodt wird für den zentralen Atemschutzservice genutzt. Aufgrund der Ist-Situation ist ein Umbau mit Erweiterungsbau oder ein Neubau unumgänglich. 

Viel zu eng stehen die Fahrzeuge in den hallen.

Für Wiblingwerde heißt es: „Der Sturz der Hallentore ist zu tief. Die modernen Einsatzfahrzeuge sind zwangsläufig mit Wasser zu befüllen, um die Fahrzeughöhe entsprechend zu reduzieren, um im Gerätehaus zu stehen. Es gibt keine Waschplatte vor dem Gerätehaus, ein Anschluss an einen Ölabschei-der ist ebenfalls nicht vorhanden. Lediglich in der Halle befindet sich ein kleiner Abfluss mit Anschluss an einen Ölabscheider. Die Leimbinder des Daches sind sanierungsbedürftig. Das Gerätehaus in Wiblingwerde wird für den zentralen Geräteservice genutzt. Ein adäquater Arbeitsplatz ist nicht gegeben. Aufgrund der Ist-Situation ist ein Umbau nebst Erweiterungsbau oder Neubau unumgänglich.“

Die Idee fürs Nachrodter Gerätehaus

Übrigens: Eine Idee für das Gerätehaus Nachrodt gibt es schon. Der Bereich vor der Lennehalle könnte abgekapselt werden, um diesen auf der anderen Seite der Halle, wo jetzt die Container stehen, wieder anzubauen. Der Platz, der entstehen würde, könnte die Feuerwehr nutzen. 

Bei dieser Brisanz der Thematik ist es mehr als wahrscheinlich, dass die Mitglieder der „Arbeitsgruppe Haushalt“ auch die Feuerwehr-Immobilien diskutieren. Ein erstes Treffen ist für Donnerstag, 16. Januar, vorgesehen. Die Arbeitsgruppe hat die schwierige Aufgabe, eine Prioritätenliste für die zukünftige Immobilien-Strategie zu erstellen. Die Ergebnisse der internen Besprechungen werden öffentlich in den Ausschüssen vorgetragen. 

Die Feuerwehr der Gemeinde hat aktuell 63 aktive Einsatzkräfte, von denen 35 als Atemschutzgeräteträger ausgebildet sind. Das hört sich zunächst viel an für eine kleine Gemeinde, doch die Zahl der Aktiven liegt nach wie vor deutlich unter der planerischen Gesamtzahl von 130. 

Doppelt so viel Personal nötig

„Eine Aufstockung um 100 Prozent ist erforderlich“, heißt es im Brandschutzbedarfsplan. Die Löschgruppe Nachrodt verfügt derzeit über insgesamt 36, die Einheit Wiblingwerde über 27 Einsatzkräfte. 

Aufgrund der Einsatzberichte und der Erfahrungen der Freiwilligen Feuerwehr Nachrodt-Wiblingwerde wird die generelle Hilfsfrist von zehn Minuten beibehalten und unverändert aus dem bisherigen Brandschutzbedarfsplan übernommen. Dies gilt für das gesamte Gemeindegebiet.  Nach Auswertung der Einsätze ist eine Zeit zwischen neun bis zehn Minuten bis zum Eintreffen an der Einsatzstelle realistisch.

Löschwasser-Versorgung unzureichend

Allerdings: Die Löschwasserversorgung ist an mehreren Wohnplätzen und Einzelanwesen nach wie vor nicht ausreichend. Die mit der ersten Änderung des Brandschutzbedarfsplanes intensivierte Zisternenlösung soll auch weiterhin fortgesetzt werden, weil sich diese Lösung bewährt hat. 

Die derzeitige Löschwasserleistung im Hydrantennetz ist in Teilen des des Ortsteils Nachrodt unzureichend. Die Feuerwehr kümmert sich um eine regelmäßige Hydrantenkontrolle. Da keine Aussage darüber getroffen werden kann, ob im gesamten Gemeindegebiet genügend Löschwasser zur Verfügung steht, muss ein Löschwasserkataster erstellt werden.

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