1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

Mantrailing-Trainerin Julia Schwalm kann mit Alice vermisste Personen finden

Erstellt:

Von: Susanne Fischer-Bolz

Kommentare

Julia Schwalm hat ihre Ausbildung zur Mantrailing-Trainerin abgeschlossen – hier arbeitet sie mit Alice.
Julia Schwalm hat ihre Ausbildung zur Mantrailing-Trainerin abgeschlossen – hier arbeitet sie mit Alice. © Susanne Fischer-Bolz

Der Mensch benötigt keine besondere Nase, um im richtigen Moment den richtigen Riecher zu haben. Und doch wird er „schnüffelnd“ niemals eine vermisste Person finden können. Ganz anders der Hund.

Ausgebildet zum Mantrailer kann der Vierbeiner eine mehrere kilometerlange und auch ältere Spur eines Menschen verfolgen. Ein solcher Hund ist Alice. Genauer: Sie ist eine dreijährige Labrador-Hundedame. Besitzerin Julia Schwalm hat gerade ihre Ausbildung zur Mantrailing-Trainerin abgeschlossen.

Anders als bei Flächensuchern, die jeden Menschen, der sich im Suchgebiet befindet, aufspüren, suchen Mantrailing-Hunde aufgrund von Geruchspartikeln nach einer ganz bestimmten Person. „Flächensuchen mache ich ja schon lange, seit 15 Jahren, auch in der Rettungshundestaffel“, erzählt die Herlsenerin. Doch gerade die Polizei alarmiert fast immer als erstes Mantrailer. „Man verlässt sich nicht gern auf die Sichtung, dass die gesuchte Person hier oder dort gesehen wurde, sondern man startet am liebsten zum Beispiel am Altersheim, wenn von dort ein Bewohner vermisst wird“, erklärt Julia Schwalm die Hintergründe. Dort bekommt der Hund einen Geruchsartikel, die berühmte Socke, ein T-Shirt, auch eine Zahnbürste oder die Innenseite vom Schuh würden funktionieren. Dem Hund ist es egal.

Hund speichert den Geruch ab

„Es gibt ein Kommando fürs Riechen, damit er weiß, wann er den Geruch speichern soll“, erzählt Julia Schwalm. Bei ihr ist es „rieche“. Dann gibt es ein „Go“ fürs Trailen. Alice läuft los, mit langer Schleppleine.

Der menschliche Geruch, so erzählt die Hunde-Trainerin, ist immer gleich stark. Menschen verlieren etwa 40 000 Hautzellen täglich. „Die fallen die ganze Zeit ab“, sagt Julia Schwalm lachend. Und das nimmt der Hund wahr. „Wir haben letztes Jahr einen 24-Stunden-Trail gemacht. Die Versteckperson ist am Waldkindergarten gestartet, ist durch das Neubaugebiet am Spielplatz vorbei und hat sich dann in die Pizzeria gesetzt. Dort wurde sie mit einem Auto abgeholt und hintenrum weggefahren, damit man den Trail nicht kreuzt. 24 Stunden später hat der Hund die Spur ohne Probleme gefunden“, erzählt Julia Schwalm. Manchmal sei eine frische Spur sogar schwieriger, weil die Partikel dann noch fliegen würden

Der Hundeführer ist das Problem, nicht das Tier

Theoretisch müsste man also jede vermisste Person finden können. Dass das nicht so ist, liegt am Hundeführer. „Man muss auf unfassbar viele Dinge achten. Hunde sind Meister darin, uns zu lesen. Es ist zum Beispiel immer wichtig, hinter dem Hund zu laufen.“ Wird der Vierbeiner abgelenkt oder zeigt sich unsicher, muss der Hundeführer zum letzten sicheren Punkt zurückgehen. „Mein Hund arbeitet immer richtig im Zug. Dann kommt vielleicht eine Kreuzung. Der Wind kommt von unten. Die Kreuzung ist voller Geruch. Ich versuche, vor der Kreuzung das Tempo ‘rauszunehmen. Dann gebe ich ein bisschen Leine, dass er freier ist. Da ist der Hundeführer ganz doll gefragt, geht man zu schnell weiter, läuft er mit.“ Bei fast allen Hunden merke man, wenn sie verunsichert seien. „Sie setzen den Kopf immer mal wieder hoch. Auf einmal stimmt etwas nicht. Dann geht man zurück“, sagt Julia Schwalm.

Das ist Alice, die Hündin von Julia Schwalm, die ihre Ausbildung zur Mantrailing-Trainerin abgeschlossen hat.
Das ist Alice, die Hündin von Julia Schwalm, die ihre Ausbildung zur Mantrailing-Trainerin abgeschlossen hat. © Susanne Fischer-Bolz

Erfolg zu 90 Prozent vom Hundeführer abhängig

Der Erfolg vom Mailtrailing ist zu 90 Prozent vom Hundeführer abhängig. „Man muss ständig nicht nur bei dem Hund bleiben, sondern auch bei der Umgebung. Da hatte ich am Anfang am meisten Probleme“, erzählt die Nachrodt-Wiblingwerderin.

Ein Hund braucht drei Jahre, um richtig gut zu werden. Ein Hundeführer ebenso. Die Trainerausbildung der Herlsenerin bei der Mantrailing-Company im Rhein-Sieg-Kreis hat ein Jahr gedauert. Theorie und Praxis. Mit Prüfungen und einer Videoanalyse. „Mantrailing fand ich immer schon cool“, sagt Julia Schwalm. Und mit Alice hat sie jetzt den perfekten Hund dazu. Sie ist aus der eigenen Zucht. Das Training begann für den Vierbeiner ganz spielerisch. „Man merkt, dass sie immer konzentrierter werden, weil es am Ende ja einen Jackpot gibt.“ Ein tolles Leckerchen.

Zertifikat „einsatzgeprüfter Hund“

Für Alice ist es eine Erfüllung, kein Pflichtprogramm. „Obwohl ich die Theorie kenne, kann ich mir nicht vorstellen, wie diese Welt für den Hund riecht. Es ist unfassbar“, schwärmt Julia Schwalm, die in der Rettungshundestaffel des Märkischen Kreises jetzt die einzige Trainerin mit dieser Ausbildung ist. Alice hat natürlich auch die Ausbildung absolviert, benötigt aber noch das Zertifikat „einsatzgeprüfter Hund“, damit die Polizei das Team „Julia/Alice“ im Notfall alarmieren kann.

Letztendlich geht es darum, Menschen zu finden. Normalerweise arbeiten Flächensucher und Mantrailer zusammen. Alice weiß, wann es zur „Arbeit“ geht. Sie bekommt das Geschirr im Auto angelegt, hat ein Halsband um und wird am Halsband zum Startpunkt der Suche geführt. „Ich sage zu ihr: Sollen wir suchen gehen?“ Vermisste Menschen, die sich verlaufen haben, oder gar Tote haben Julia und Alice bis jetzt noch nicht gefunden. Kann man auf so etwas vorbereitet sein? „Ich sehe das absolut pragmatisch. Es ist auch für die Angehörigen sehr wichtig, dass der Mensch gefunden wird und nicht 15 Jahre im Wald liegt.“

Auch interessant

Kommentare