Feuriger Protest: Landwirte machen mobil gegen Agrarpaket

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Mahnendes Feuer: So protestierten Landwirte in Wiblingwerde gegen das Agrarpaket vom Bund.

Nachrodt-Wiblingwerde – Mit einem Mahnfeuer protestierten die Landwirte in Wiblingwerde gegen das geplante Agrarpaket des Bunds. Sie regt vor allem eines auf.

Ob Bonn, Münster, Hamburg oder Berlin: Günter Buttighoffer hat in den vergangenen Wochen kaum eine Protestkundgebung gegen das „Klima- und Agrarpaket“ der Bundesregierung ausgelassen. Zu diesem zählen unter anderem Maßnahmen zum Insektenschutz und die Einführung eines Tierwohl-Kennzeichens. 

In der Kritik steht vor allem aber die Überarbeitung der Düngeverordnung. Der Grund: Nach Angaben des Bundesumweltministeriums hat Deutschland über viele Jahre die Grenzwerte für Nitrat nicht eingehalten und ist aus diesem Grund vom Europäischen Gerichtshof zu einer Anpassung verurteilt worden. Jetzt müssen die Folgen getragen und das Urteil umgesetzt werden. Ansonsten drohen Strafzahlungen von mehreren Hunderttausend Euro täglich. 

Mit Plakaten machen die Landwirte ihrem Ärger Luft.

„Das können wir so in keinem Fall akzeptieren“, unterstrich der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbands im Märkischen Kreis. Als Folge wurde bundesweit zu Mahnfeuern aufgerufen, um den Protest gegen die geplanten Maßnahmen fortzusetzen. 

Protest mit Feuer, Plakaten und Maschinen

Ein Mahnfeuer fand auf dem Hof von Dominik Hannusche und Sarah Krämer in Wiblingwerde statt. Initiator der Bewegung ist die am 1. Oktober gegründete Initiative „Land schafft Verbindung“; vor Ort vertreten durch Regina Bräuer-Weustermann. 

Um ihre Forderungen zu untermauern, wurde nicht nur ein Feuer entzündet, sondern auch große Landmaschinen wurden aufgefahren. Zudem waren Schilder mit dem Slogan „Wir sichern Eure Ernährung“ zu sehen. 

Keine Überschreitungen im Kreis

Der Hauptkritikpunkt der Landwirte aus dem Märkischen Kreis stützt sich auf die gute Qualität des Grundwassers im heimischen Raum. Die Messstellen würden, so Günter Buttighoffer, in zwei Gruppen, nämlich rote und grüne Gebiete, eingeteilt. „Dass wir etwas gegen erhöhte Nitratwerte tun müssen, wissen wir auch, aber in Top-Regionen, wie der unsrigen, macht es keinen Sinn.“ 

Im Märkischen Kreis liege die Bandbreite zwischen 0,8 und 36 Milligramm Nitrat je Liter. Zum Vergleich: In der europaweit geltenden Grundwasserrichtlinie ist ein Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter festgeschrieben. Darüber hinaus kritisierte der Landwirt „die immer neuen Auflagen“ und nannte in diesem Zusammenhang zusätzliche Güllebehälter, Lagerkapazitäten und Fahrsilos: „Das sind immense Summen, die in die Millionen gehen können“, so Buttighoffer. 

Landwirte fordern mehr Geld für Produkte

Dennoch würde der Landwirt für seine Lebensmittel nicht mehr Geld bekommen. An dieser Stelle machte der Bauer einen Vergleich auf. Einerseits würde der Discounter für 100 Gramm Bratwurst einen Preis von 35 Cent abrufen, andererseits aber für die gleiche Menge an Katzenfutter ungleich mehr verlangen. Wenn heute zwischen zehn und zwölf Prozent des verfügbaren Einkommens für Lebensmittel ausgegeben werde, stimme das Verhältnis nicht mehr.

„Wir können angesichts eines sinkenden Einkommens nicht immer höhere Standards durchsetzen wollen: Es brennt der Baum auf den Höfen.“ Als Konsequenz geht Buttighoffer davon aus, dass „in den nächsten zehn Jahren 30 bis 40 Prozent der Betriebe aufgeben müssen“. 

Bereits im Jahr 2017 sei eine neue Düngemittelverordnung erlassen worden. Nun komme eine weitere, noch gravierendere, hinzu, „die wir so einfach nicht akzeptieren können“. Lebensmittel müssten einfach mehr wert sein.

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