Mitreißend und lebhaft

Diana Rohnfelder, derzeitige Musik-Stipendiatin der Märkischen Kulturkonferenz, unterstützte das Orchester als Solistin bei Wolfgang Amadeus Mozarts „Konzert für Fagott und Orchester B-Dur“

Nachrodt-Wiblingwerde - Großes hat sich das Märkische Jugendsinfonieorchester (MJO) für seine Sommerkonzerte vorgenommen. Johannes Brahms’ bedauernder Satz „Leider nicht von mir“ liefert das Motto für ein Programm, das auch die anspruchsvolle 4. Sinfonie des großen Romantikers mit einschließt. Es sprach einmal mehr für das erstaunlich hohe Spielniveau des Ensembles, dass die jungen Musiker auch dieses gewaltige Werk in der Lennehalle in beeindruckender Weise präsentierten.

Zum Auftakt der vier Konzerte des MJO in Nachrodt, Lüdenscheid, Olpe und Neuenrade, die von Dirigent Thomas Grote geleitet werden, kamen allerdings nur etwa 100 Besucher in die Lennehalle – viel zu wenig, für das, was das Orchester einmal mehr bot. Mitreißend, lebhaft und vorwärts stürmend zeigten sich die Musiker bei der rumänischen Rhapsodie Nummer 1 des Komponisten George Enescu. Aus Melodien der rumänischen Volksmusik und abwechslungsreichen Rhythmen schuf Enescu ein Werk, das zu seinen Populärsten gezählt wird. Der Muntermacher zu Beginn des Konzerts machte deutlich, warum das so ist.

Diana Rohnfelder ist die derzeitige Musik-Stipendiatin der Märkischen Kulturkonferenz, und sie unterstützte das Orchester als Solistin bei Wolfgang Amadeus Mozarts „Konzert für Fagott und Orchester B-Dur“. Der schöne Klang ihres sonoren Instruments, das Sergej Prokofiew einst aus naheliegenden Gründen dem Großvater seiner Erzählkomposition „Peter und der Wolf“ übereignete, machte Freude im Zusammenklang mit Mozarts recht lieblichen Noten.

 Ein weiterer Nachwuchsmusiker stand ihr zu Seite: Nicht Thomas Grote, sondern das ehemalige MJO-Mitglied Tim Hüttemeister dirigierte Mozarts Fagottkonzert. Er studiert mittlerweile mit dem interessanten Ziel, professioneller Dirigent zu werden. Noch einmal stand Diana Rohnfelder im Mittelpunkt des Geschehens: Recht passabel bewältigte das Orchester an ihrer Seite eine wahrlich jazzige Herausforderung: Hans-Peter Preus witziges „Beasty Beast is back“ ließ als eine Art ganz besonderer Programmmusik eine Alltagssituation vor den Augen der Zuhörer entstehen: den urtümlichen Kampf eines Menschen mit sich selber beim morgendlichen Aufstehen. Dass ganz tiefe Töne dabei eine besondere Rolle spielen, machte Solistin Diana Rohnfelder mit ihrem Kontrafagott deutlich: Sie ließ Töne erklingen, von denen andere Menschen nur träumen.

 „Wie kamst du zum Fagott?“, wollte MJO-Musiker Felix Kriewald wissen, der mit dem MJO-Programm „Nicht von mir“ zum ersten Mal Stephan Quandel in der Rolle des Moderators ablöste. „Ich fand tiefere Instrumente schon immer schön“, erklärte die Fagottistin und erinnerte sich an ihren ursprünglichen Wunsch, Tuba zu lernen.

Gewaltig erklang schließlich Brahms’ Sinfonie Nr. 4 und machte Hugo Wolfs Bösartigkeiten vergessen: „Ganz wie der liebe Gott versteht auch Herr Brahms sich auf das Kunststück, aus nichts etwas zu machen.“ Ja - genau das, mochte man nach dem Erklingen der letzten Note dem Kritikaster hinterherrufen. Felix Kriewald und das MJO lösten abschließend noch das Rätsel, das der Titel des Konzerts stellte: Brahms hatte bedauert, dass Johann Strauss’ „An der schönen blauen Donau“ leider nicht von ihm war. Und so verabschiedeten sich die Musiker mit einem wunderschönen Walzer.

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