Bleibt der sportliche Erfolg aus, leidet das Selbstbild

Bei Vortrag, Brötchen und Getränken blieb während des Männerfrühstücks der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde auch noch Zeit für einen Plausch. - Foto: Krumm

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Frauenfrühstückstreffen sind nur eine von mehreren Möglichkeiten, sagten sich die Männer der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Nachrodt und veranstalteten am Samstag ihr erstes Männerfrühstück. Natürlich gab es ordentlich was auf die Brötchen und in die Schälchen, doch vor allem ließen sich die fast 40 Besucher über einen Aspekt des Leistungssportes aufklären, der selten thematisiert wird.

Zu Gast war Hans-Günter Schmidts, Gesamtleiter der christlichen Sportorganisation SRS („Sportler ruft Sportler“), der sich unter der Überschrift „Idole, Helden, Weicheier“ mit der nicht immer leichten Situation von Spitzensportlern zwischen Triumph und Leistungsdruck, Öffentlichkeit und Niederlage beschäftigte. Wer nur die Bilder von jubelnden Siegern im Kopf hat, vergisst leicht, dass mit sinkenden Erfolgen auch das Selbstbild der Sportler einen Knacks bekommen kann – ganz abgesehen davon, dass die Helden von gestern sehr schnell zu den Vergessenen von heute werden können. Oder zu den Lächerlichen, so wie Boris Becker, dessen Fliegenklatschenbild jetzt die mediale Runde machte. „Viele machen sich lustig, ich finde es tragisch“, stellte sich Hans-Günter Schmidts gegen die allgemein vorherrschende Meinung. Der Pfarrer aus Altenkirchen (Westerwald) ging den Schattenseiten der Leistungssportler nach. André Agassi rechnete in seiner Autobiographie mit seinem fordernden Vater ab, dem er seine Erfolge verdankte: „Vom Tag meiner ersten Niederlage an musste mich mein Vater nicht mehr quälen, von diesem Tag an tat ich es selbst.“ Fußball-Profi Sebastian Deisler stieg mit einer anderen Erkenntnis aus: „Ich hatte nicht die Zeit, erwachsen zu werden.“ Und Rune Bratseth, einst Profifußballer bei Werder Bremen, verzichtete nach seiner Karriere als Fußballer auf das Millionenangebot eines deutschen Vereins, um sich seiner Familie widmen zu können. Da war das Weichei ganz weit weg.

Überhaupt gab es nur wenige Menschen von dieser Sorte. Hans-Günter Schmidts zeigte bewegende Bilder des englischen 400-Meter-Läufers Derek Redmond, der im olympischen Endlauf 1992 von einem Muskelfaserriss zur Strecke gebracht wurde und dennoch unter Schmerzen und ganz langsam dem Ziel entgegen lief. Ebenfalls kein Weichei war der Rennfahrer Nick Heidfeld, als er unter Lebensgefahr für den Arzt einem „Medical Car“ die Tür abfuhr, um sich noch irgendwie durchzumogeln. Die Rüpel und Rücksichtslosen tauchten nicht auf im Thema „Idole, Helden, Weicheier“ und waren doch mit dabei. Schmidts kritisierte auch die Gier des Publikums, das den Erfolg immer schon mit dem Verlangen nach größeren Erfolgen quittiert: „Vettel hat gerade den vierten Weltmeistertitel errungen und das Publikum fragt sich nur, ob er Schumacher wohl noch übertreffen werde.“

„Es ist unser Ziel zu vermitteln, dass unsere Identität nicht davon abhängt, was wir leisten“, nannte Hans-Günter Schmidts das wichtigste Ziel von „Sportler ruft Sportler“. Biblisch verortete er diese Haltung in der Geschichte vom verlorenen Sohn, in der der Vater dem zurückkehrenden Spross vor allem eines zu verstehen gibt: „Es ist nicht entscheidend, was du leistest, sondern was du bist.“ Zurückgetretene Spitzensportler sollen bei diesem Vergleich nicht als reuige Sünder angesprochen werden. Sportler sollen vielmehr mit vollem Herzen dabei sein. SRS macht aber Angebote für jene, die nicht vollständig im Wahn des Sportes aufgehen wollen und ihre Identität auch oder vor allem aus dem christlichen Glauben beziehen. - Thomas Krumm

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