Alles hat sich verändert, sogar der Nachname

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Gefragt nach einer typischen Handbewegung, öffnet Renate Kopetz einladend die Tür. Hunderte Gäste empfängt sie monatlich im Karnacksweg. „Ein richtig toller Job!“

Nachrodt-Wiblingwerde - 19 Jahre lang war sie das Gesicht des Jugendzentrums Nachrodter Kurve. Nach dessen Aufgabe durch die Gemeinde überlegte sich Renate Richwien den nächsten Schritt ins weitere Berufsleben sehr genau. „Für mich hat sich alles verändert“, sagt die Sozialarbeiterin lachend. „Sogar mein Nachname, denn ich heiße jetzt Kopetz.“

Anzutreffen ist Renate Kopetz gar nicht mal weit weg von ihrer alten Wirkungsstätte in Nachrodt: „Ich fahre noch immer die selbe Autobahn und die selbe Landstraße von Dortmund aus, aber ich biege nicht nach Nachrodt ab, sondern nach Iserlohn.“ Die einladende Geste hat sie als typische Handbewegung im Beruf beibehalten. „Sonst läuft hier alles anders in der DRK-Begegnungsstätte.“

Die erste Bewerbung sollte schon ihre letzte sein nach der Übernahme der Nachrodter Kurve durch das evangelische Jugendreferat. „Ich konnte mir erst gar nicht vorstellen, nach fast 20 Jahren Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in die Seniorenarbeit zu gehen. Aber es sollte dann doch so sein“, blickt Renate Kopetz zurück. Seit dem 1. Januar 2016 ist sie im Karnacksweg tätig und dort durchweg glücklich: Sie begrüßt die Besucher der Seniorenbegegnungsstätte, organisiert die dortigen Sportangebote und kümmert sich, wenn ein Hausnotrufsystem benötigt wird.

Jenes niederschwellige Angebot, das vielen Senioren Sicherheit in den eigenen vier Wänden gibt, führt oft dazu, dass Renate Kopetz noch weitere Hilfen vermittelt. „Jetzt sitzen Menschen vor mir, die Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen auf Pflegegrade brauchen oder bereits einen Schwerbehindertenausweis haben und in dem Zusammenhang Angelegenheiten zu klären haben.“

Auch eine Rollstuhlfahrergruppe sucht den barrierefreien Treffpunkt regelmäßig auf. Darüberhinaus organisiert Renate Kopetz Gesprächskreise, Freizeitangebote, Kreativtreffs und Ausflüge mit öffentlichen Verkehrsmitteln, „was manchmal echt abenteuerlich sein kann“, wie sie schmunzelnd schildert.

Die Tagesstätte wird von 235 Menschen genutzt, hinzukommen viele Ehrenamtler. Die Blutspende findet hier statt und auch die Beköstigung und Betreuung der Termine in den Außenbezirken wird vom Kanackswegs aus organisiert. „Das ist ein Bereich, in dem ich auch mal wieder mit jüngeren Leuten zu tun habe. Und durch unsere Kleiderkammer habe ich auch noch viel Kontakt zu jungen Familien.“

Nutzen darf die Angebote der Rot-Kreuz-Begegnungsstätte jeder Iserlohner, unabhängig von Alter und Bedürftigkeit. Weil sie durch ihre Tätigkeit am Puls der Zeit ist, hat Renate Kopetz eine Stimme im Beirat für Menschen mit Behinderungen und kann dort deren Interessen vertreten. Die DRK-Arbeit ist übers ganze Stadtgebiet verteilt, was manchmal eine logistische Herausforderung darstellt. „Dann freue ich mich umso mehr, wenn es geklappt hat“, erklärt die Diplom-Sozialpädagogin. Einmal im Jahr trifft man sie beim Ehrenamtstag in der Fußgängerzone an und am ersten Samstag im November beim Basar im Rathaus.

Das Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen läuft gut und weil die Interessen von weit über 250 Stammgästen stark variieren, ist Renate Kopetz auch immer auf der Suche nach neuen Angeboten, die vor Ort gemacht werden können. „Aktuell sind Hockergymnastik, Pilates und Faszientraining gefragt im Sportbereich und bei den Handarbeiterinnen kommen auch ständig neue Trends auf, auf die hier natürlich eingegangen werden kann. Und dann haben wir hier noch einen Kreis Herren, die am liebsten Skat kloppen und dafür einen festen Termin haben.“

Die 49-Jährige ist glücklich und angekommen. In Richtung Nachrodt schaut sie kaum noch zurück. „Ich habe ein neues Kapitel aufgeschlagen, das alte ist beendet. Was mich aber freut ist, dass die Nachrodter Kurve nicht gänzlich geschlossen wurde, das habe ich natürlich mitbekommen. Eine Gemeinde ohne Jugendarbeit ist schließlich katastrophal.“

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