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Mehr als 750.000 Euro für Lüftungsanlagen in Schulen: Plötzlich ist der Planer weg

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Blick auf eine Lüftungsanlage in einem Klassenzimmer. Die Lüftungsrohre führen durchs Fenster nach draußen.
Blick auf eine Lüftungsanlage in einem Klassenzimmer. Die Lüftungsrohre führen durchs Fenster nach draußen. © Malmus, Pia

Da ist offenbar einiges schief gelaufen: Da sich ein Fachplaner plötzlich verabschiedet hat, sind die Planungen für Lüftungsanlagen an Nachrodt-Wiblingwerder Schulen ins Stocken geraten. Mehr noch: Sie könnten ad acta gelegt werden.

Nachrodt-Wiblingwerde – Zwei Jahre Pandemie und keinen Schritt weiter. Zumindest nicht, was Lüftungsgeräte oder CO2-Ampeln betrifft. Dabei hatte Christian Pohlmann (SPD) mit einer flammenden Rede bereits im November 2020 Hilfen für die Schüler gefordert. Heute heißt es in der Vorlage für die Planungs- und Bauausschusssitzung für Montag, 21. Februar, als Beschlussvorschlag: „Die Konzepterarbeitung sowie der Einbau von raumlufttechnischen Anlagen in den Schulen soll nicht fortgeführt werden.“

Thema nicht sang- und klanglos aufgeben

„Darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, sagt Gerd Schröder, Fraktionsvorsitzender der SPD. Auch Petra Triches, Sprecherin der UWG, und Jens-Philipp Olschewski, Fraktionsvorsitzender der CDU, wollen das Thema nicht sang- und klanglos aufgeben.

„Virus wird immer bleiben“

„Der Virus verändert sich und wir werden ihn für immer und ewig haben. Deshalb ist es wichtig, nicht nur die aktuelle Situation zu sehen, sondern auch auf die Zukunft zu blicken“, findet Petra Triches. Das Problem: Es gibt keine finanzielle Förderung für die Anschaffung von Lüftungsanlagen, wenn Klassenzimmer gelüftet werden können. Und genau das können sie allerorts in den Schulen. Zudem, so steht es wohl fest, müsste auch dann ständig das Fenster aufgerissen werden, wenn Lüftungsanlagen eingebaut würden. „Wir müssen uns mit anderen Städten austauschen, die Erfahrungen mit solchen Anlagen haben“, sagt Petra Triches.

Riesiger Kostenapparat

Spannend dürfte die Debatte im Bauausschuss auf jeden Fall werden, „denn es geht um die Gesundheit und deshalb muss so ein Thema Priorität haben“, so Jens-Philipp Olschewski, „doch bei solchen Kosten, die im Raum stehen, muss man auch nach anderen technischen Möglichkeiten suchen, die es bestimmt gibt.“ Tatsächlich sind die geschätzten Kosten für den Einbau der Anlagen erheblich: für die Grundschule Wiblingwerde 250852 Euro, für die Grundschule Nachrodt 122570 Euro, für die Sekundarschule 403140 Euro.

Konzept sollte längst fertig sein

Grundsätzlich war im vergangenen Jahr alles auf einem guten Weg. Die Verwaltung hatte die Firma Krogmann & Schüssler als Fachplaner gebeten, mit der Erstellung eines Konzepts für die Anschaffung und den Einbau raumlufttechnischer Anlagen (RLT-Anlagen) für alle Schulen zu beginnen. Die Firma zog ihrerseits zudem die Hansa Klimasysteme GmbH als Anlagenhersteller hinzu. Im Juli 2021 wurden die Schulen unter die Lupe genommen. Ein Konzept sollte erarbeitet werden. „Das Konzept sollte darlegen, ob die Möglichkeit zur Installation der RLT-Anlagen besteht, zudem sollte eine darauf basierende Kostenschätzung Kenntnisse über die Höhe etwaiger Investitionen bringen“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. Und: Besagtes Konzept sollte Ende November vorliegen.

Planer verabschiedet sich

„Doch die Firma Krogmann & Schüssler hat der Firma Hansa Klimasysteme kurzfristig mitgeteilt, dass sie die Maßnahme nicht mehr begleiten wird“, so die Nachricht aus dem Amtshaus. Die Verwaltung erfuhr vom Rückzug nur von der Firma Hansa. „Eine Meldung von der Firma Krogmann & Schüssler ist nicht erfolgt.“ Und auch die Anfrage der Redaktion im Dortmunder Unternehmen blieb unbeantwortet. Geld ist aber bisher keines geflossen, da noch kein offizieller Auftrag vergeben war.

Neues Angebot

Fakt ist: Hansa-Klimasysteme hat sich bereit erklärt, weiterhin an dem Konzept zu arbeiten. Dies ist jedoch nur mit einem neuen Fachplaner möglich. Zwei Fachbüros haben freie Kapazitäten bekundet und wurden um Abgabe eines Angebotes gebeten. Letztlich ist nur ein Angebot eingegangen. Das Angebot des Idb Ingenieurbüro aus Wülfrath: knapp 18000 Euro. Die Honorarkosten beziehen sich auf die geschätzten Kosten für die einzelnen Schulen.

Hohe Hürden für Fördergelder

Und nun? „Natürlich müssen die Kinder bestmöglich geschützt werden. Aber helfen Lüftungsanlagen dabei wirklich?“, fragt Gerd Schröder. WDR-Recherchen ergaben im vergangenen Dezember, dass in NRW mehr als 90 Millionen Euro für mobile Luftfiltergeräte in Schulen und Kitas bereitstünden. Die Fördergelder würden demnach allerdings kaum abgerufen: Bis Ende November seien davon nur etwa 4,6 Millionen Euro ausgezahlt worden. Die Hürden sind einfach zu hoch: So schreibt das NRW-Förderprogramm vor, dass Schulen nur dann Anspruch auf das Geld haben, wenn die Räume „nicht ausreichend durch gezieltes Fensteröffnen oder durch eine raumlufttechnische Anlage (RLT-Anlage) gelüftet werden können, sogenannte ‚Kategorie 2‘-Räume.“ In Halver wird gerade für etwa 250000 Euro die Regenbogenschule am Standort Oberbrügge mit stationären Lüftungsanlagen ausgestattet. Insgesamt werden in Halver 1,25 Millionen Euro ausgegeben. Förderung: 80 Prozent. Ein Bewilligungsbescheid liegt aber übrigens noch nicht vor.

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